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Reform der Lehr­amts­aus­bil­dung: neue Schwer­punkte, gebün­delte Praxis, kürzeres Studium

Nach intensiven Diskussionen in der österreichischen Bildungs- und Wissenschaftspolitik startet im Herbst 2026 republikweit ein reformiertes Lehramtsstudium. Auch an unserer Universität wurde in den vergangenen zwei Jahren intensiv an der Umstellung des Studienkonzepts und der Curricula sämtlicher 26 Unterrichtsfächer gearbeitet, die bei uns studiert werden können. Einen Einblick in das, was in wenigen Monaten beginnt, geben Karin Peter (Studienbeauftragte für das Lehramtsstudium Unterrichtsfach Katholische Religion) und Maria Juen (Studienbeauftragte für das Studium Katholische Religionspädagogik).

Was sind die Eckdaten und was ist das Ziel der Lehramtsreform, über die in Österreich so viel gesprochen wird?

Porträt von Karin Peter

Karin Peter: Nach intensiver Vorbereitung ist es mit dem kommenden Wintersemester 2026/27 soweit: Das vieldiskutierte neue Lehramtscurriculum tritt in Kraft. Das Ziel der Lehramtsreform ist es, das Lehramtsstudium für Studierende attraktiver zu machen. Zugleich ist es das Anliegen, auf gegenwärtige Herausforderungen und Entwicklungen in der Gesellschaft zu reagieren und auch neue Erkenntnisse aus den Bildungswissenschaften und den verschiedenen Fachdisziplinen aufzunehmen.
Die offensichtlichste Änderung ist, dass die Studiendauer des Bachelorstudiums von derzeit 8 auf 6 Semester verkürzt wird. Damit hat das Lehramtsstudium denselben Umfang wie alle anderen Bachelorstudien. Gemeinsam mit dem 4-semestrigen Masterstudium ist es in 10 Semestern möglich, einen Masterabschluss im Lehramtsstudium zu erwerben. Die 5 Jahre Studienzeit bis zum Master entsprechen auch dem europäischen Durchschnitt für eine Lehramtsausbildung.

Welche Schwerpunkte setzt das neue Lehramtscurriculum?

Karin Peter: Jede Reform bietet die Chance, auf der Grundlage der Erfahrungen mit den aktuellen Curricula und dem Blick auf die gegenwärtige Situation auch inhaltliche Änderungen vorzunehmen: Stärken zu stärken und Schwächen möglichst zu beheben. So gut das innerhalb der gesetzlichen Vorgaben eben möglich ist (lacht). Über alle Unterrichtsfächer hinweg finden so auch neue Schwerpunktsetzungen stärkere Berücksichtigung, z. B. digitale Kompetenzen und Medienkompetenz, Inklusion und Deutsch als Zweitsprache.
Neu ist auch, dass im 5. Semester des Bachelorstudiums ein sogenanntes „Praxissemester“ vorgesehen ist. Ein Großteil der bisher vereinzelt stattfindenden Praktika wird nun in einem Semester gebündelt, in dem der Fokus auf die Schulpraxis und einige begleitende, zusätzliche Lehrveranstaltungen gelegt wird. So soll ein tieferes Eintauchen in die Schulwirklichkeit möglich werden, knapp vor Abschluss des Bachelorstudiums.

Was wird im Unterrichtsfach Katholische Religion anders werden?

Karin Peter: Über die alle Fächer betreffenden Änderungen hinaus – Verkürzung des Studiums und Praxissemester – ist es im Fach Katholische Religion aufgrund des Praxissemesters auch so, dass einige Lehrveranstaltungen nun vom Bachelorstudium in das Masterstudium wandern.
Außerdem haben wir – wesentlich aufgrund der Erfahrungen mit dem bisherigen Curriculum, besonders aufgrund der Rückmeldungen der Studierenden – auch einige inhaltliche Veränderungen vorgenommen. So haben wir zum Beispiel die Vorlesung „Einführung ins Judentum“ neu ins Lehramtsstudium aufgenommen. Damit reagieren wir auf die wachsende religiöse und weltanschauliche Pluralität und auf den zunehmenden Antisemitismus und Antijudaismus in unserer Gesellschaft. Auf diese Weise soll insgesamt gewährleistet werden, dass sich die angehenden Religionslehrer:innen mit der christlichen Tradition katholischer Prägung vertieft auseinandersetzen und auch kompetent, kritisch und konstruktiv mit dem Phänomen Religion in den verschiedenen Ausprägungen umgehen können.

Haben die Änderungen im Lehramtsstudium Auswirkungen auf die anderen Studienrichtungen an der Fakultät?

Porträt von Maria Juen

Maria Juen: Obwohl das Lehramtsstudium an unserer Fakultät eng mit den Studien der Katholischen Fachtheologie und der Katholischen Religionspädagogik verzahnt ist, sind die Auswirkungen gering. Das Bachelor- und Masterstudium Katholische Religionspädagogik dauerte ja bisher schon sechs bzw. vier Semester.
Der Studiengang Katholische Religionspädagogik ist kein klassisches Lehramtsstudium, bei dem immer zwei verschiedene Fächer zu wählen sind. Er ist ein sogenanntes polyvalentes, also ein „mehr-wertiges“ Studium, das sich ganz auf die Theologie konzentriert und zugleich für den Religionsunterricht und für den pastoralen Bereich qualifiziert. Mit dem Bachelorstudium Katholischen Religionspädagogik erwirbt man die Qualifikation, in der Volksschule Religion zu unterrichten, mit dem Masterstudium wird diese Kompetenz auch auf die Sekundarstufe I und II ausgeweitet.
Dieses Studium bleibt in seinen Grundzügen unverändert. Es ist nach wie vor eine bleibend gute Option, sich in Theologie zu vertiefen und umfassende berufliche Qualifikationen zu erwerben.

Wie sind die Berufsperspektiven für diejenigen, die die Qualifikation für katholischen Religionsunterricht erwerben?

Maria Juen: Besser könnten sie fast nicht sein! Aktuell werden Lehrer:innen für Religion in den verschiedenen Schultypen gesucht – beste Berufsaussichten also! Und die Absolvent:innen der Katholischen Religionspädagogik erwerben ohnehin parallel zu ihrer schulischen Qualifikation auch fundierte Kompetenzen für den pastoralen Bereich.

Was zeichnet die Studiengänge in Innsbruck, die zum katholischen Religionsunterricht qualifizieren, besonders aus?

Maria Juen: Zunächst, was alle theologischen Studien – von Fachtheologie über Religionspädagogik hin zum Lehramt – auszeichnet: Es sind breit angelegte, horizontweitende Studien, die auch in Sachen eigene Persönlichkeitsentwicklung viele Anregungen bieten. Gerade in den religionspädagogischen und -didaktischen Lehrveranstaltungen bemühen wir uns um große Praxisnähe, ohne die theoretische Reflexion zu vernachlässigen.
Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal in ganz Österreich ist sicherlich die interreligiöse Kooperation in einigen fachdidaktischen Lehrveranstaltungen. Die Zusammenarbeit mit unseren Kolleg:innen vom Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik ist im Lehramtsstudium und noch mehr in der Katholischen Religionspädagogik fix im Curriculum verankert. Diese Möglichkeit der unmittelbaren Begegnung wird von den Studierenden sehr geschätzt.
Und die Vorzüge der Fakultät in Innsbruck kommen insgesamt natürlich auch zum Tragen: Wir sind eine kleine, aber feine Fakultät, die persönliche Begegnungen und individuelle Betreuung möglich macht. Und die jesuitische Anbindung gewährleistet eine fundierte, verwurzelte und zugleich offene Spiritualität.

Karin Peter: Ja, „Karl-Rahner-Platz“ – da bürgt schon die Adresse der Fakultät für Qualität (lacht).
Was den Reiz der Qualifizierung für den Beruf des Religionslehrers/der Religionslehrerin insgesamt betrifft: Ein Kollege hat mir zu Beginn des Wintersemesters ein Plakat von einer Universität in Deutschland geschickt, mit dem für das Lehramtsstudium geworben worden ist. „Dein Beitrag für Demokratie und Freiheit: das Lehramt“. Diese Gelegenheit zur Gesellschaftsmitgestaltung möchten wir mit der Qualifizierung für den Religionsunterricht in Innsbruck auch bieten. Wir freuen uns über alles Interesse!

Das Gespräch führte Liborius Lumma.

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