Abstract: Der Vortrag analysiert die Entwicklung des kollektiven Ethos französischer rechtsextremer Parteien in der Fünften Republik (1958 bis heute) anhand ihrer Namensgebung. Dabei wird untersucht, wie in den Parteinamen diskursive Wirklichkeiten konstruiert werden, um ein bestimmtes Selbstbild zu schaffen – etwa durch Bedrohungsszenarien, die dazu dienen, die Partei als Retterin vor einem vermeintlichen nationalen Niedergang zu inszenieren. Ein zentraler Aspekt des Vortrags ist die strategische Veränderung des Selbstbildes durch Namenswechsel, wie beispielsweise von Front National zu Rassemblement National. Die Analyse hinterfragt, welche Aspekte des Selbstbilds bei Namenswechseln gezielt verändert werden (retravail de l’ethos), etwa die Abkehr von einem radikalen Ethos hin zur Aneignung republikanischer Werte, um durch ein gemäßigteres kollektives Selbstbild breitere Wählerschichten anzusprechen.
Svenja Dufferain-Ottmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Universität Mannheim (Postdoc) und befasst sich in ihrem Habilitationsprojekt mit der Verzahnung diskursanalytischer Praktiken unterschiedlicher nationaler Fachkulturen im Rahmen einer romanistischen Diskurslinguistik.
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