ARCHIV: Grundsätzlicher Aufbau des Wahlfachstudienganges
ACHTUNG: Sie befinden sich auf einer Dokumentationsseite. Diese Seite wird nicht mehr gewartet. Mit Ende Sommersemester 2006 sind ALLE Wahlfachstudiengänge der Universität Innsbruck ausgelaufen.
Der Wahlfachstudiengang „Feministische Gesellschafts- und Kulturwissenschaften. Interdisziplinäre Frauenforschung und Gender Studies“ kann auf zwei Arten belegt werden:
- als ganzer im Ausmaß von 48 Semesterstunden in vier aufeinander aufbauenden Modulen von je 12 Semesterstunden;
- es ist auch möglich, einzelne Module zu wählen.
(VO = Vorlesung, PS = Proseminar, UE = Übung, KU = Kurs, SE = Seminar, KO = Kolloquium, SSt = Semesterstunden )
Modul 1 (12 SSt)
Grundlagen feministischer Gesellschafts- und Kulturwissenschaften
| Dieses Modul gliedert sich in vier Bereiche: | |
|---|---|
| Einführung in feministische Gesellschafts- und Kulturtheorien | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Theorie - Empirie | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Geschichte der Frauenbewegung | VO2/PS2 (2 SSt) |
| Kommunikatives Handeln: Aneignung und Vermittlung | KU2/PS2 (2 SSt) |
Modul 1 hat einführenden und grundlegenden Charakter, daher empfiehlt es sich, die anderen 3 Module auf ihm aufbauend zu belegen, bzw. für den Besuch der anderen 3 Module gleichwertige Vorkenntnisse mitzubringen.
Modul 2 (12 SSt)
Vertiefungen feministischer Gesellschafts- und Kulturwissenschaften
| Modul 2 gliedert sich in zwei Bereiche: | |
|---|---|
| Geschlechterverhältnisse als Praxisverhältnisse | VO2/PS2/KU2 (6 SSt) |
| Geschlechterverhältnisse als Denkverhältnisse | VO2/PS2/KU2 (6 SSt) |
In beiden Fällen soll mindestens eine VO2 und ein PS2 belegt werden. Es empfiehlt sich, für Modul 2 ebenso wie für die Module 3 und 4 Kenntnisse der feministischen Gesellschafts- und Kulturwissenschaften oder das Wissen aus Modul 1 mitzubringen.
Die „Vertiefungen feministischer Gesellschafts- und Kulturwissenschaften“ sind in die Inhaltsbereiche 1 bis 5 (Geschlechterverhältnisse als Praxisverhältnisse) und 5 bis 8 (Geschlechterverhältnisse als Denkverhältnisse) gegliedert, Inhaltsbereich 5 stellt eine Schnittstelle dar, die beiden Vertiefungsbereichen – sowohl „Praxisverhältnisse“ als auch „Denkverhältnisse“ gleichermaßen zugeordnet werden kann, Erläuterungen dazu weiter unten. Die Vertiefungsbereiche sind im Modul 2 gleichgewichtig und jeweils im Ausmaß von 6 SSt vorgesehen.
Eine Spezialisierung erfolgt erst in den Modulen 3 und 4.
Modul 3 (12 SSt)
Spezialisierung: Geschlechterverhältnisse als Praxisverhältnisse
| Dieses Modul gliedert sich in vier Bereiche: | |
|---|---|
| Einführung in feministische Gesellschafts- und Kulturtheorien | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Theorie - Empirie | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Geschichte der Frauenbewegung | VO2/PS2 (2 SSt) |
| Kommunikatives Handeln: Aneignung und Vermittlung | KU2/PS2 (2 SSt) |
In beiden Fällen soll mindestens eine VO2 und ein PS2 belegt werden. Es empfiehlt sich, für Modul 2 ebenso wie für die Module 3 und 4 Kenntnisse der feministischen Gesellschafts- und Kulturwissenschaften oder das Wissen aus Modul 1 mitzubringen.
Auch für Modul 3 empfiehlt es sich, Modul 1 oder vergleichbare Vorkenntnisse aus den Pflichtfächern oder einem anderen Fach mitzubringen.
Modul 4 (12 SSt)
Spezialisierung: Geschlechterverhältnisse als Denkverhältnisse
| Dieses Modul gliedert sich in vier Bereiche: | |
|---|---|
| Einführung in feministische Gesellschafts- und Kulturtheorien | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Theorie - Empirie | VO2 u. PS2/UE2 (4 SSt) |
| Geschichte der Frauenbewegung | VO2/PS2 (2 SSt) |
| Kommunikatives Handeln: Aneignung und Vermittlung | KU2/PS2 (2 SSt) |
In beiden Fällen soll mindestens eine VO2 und ein PS2 belegt werden. Es empfiehlt sich, für Modul 2 ebenso wie für die Module 3 und 4 Kenntnisse der feministischen Gesellschafts- und Kulturwissenschaften oder das Wissen aus Modul 1 mitzubringen.
Wieder empfiehlt es sich, das in Modul 1 erworbene Wissen oder vergleichbare Vorkenntnisse mitzubringen.
Erläuterungen zu „Vertiefungen“ und „Spezialisierungen“
Das Spannungsgefüge zwischen Praxisverhältnissen und Denkverhältnissen ist der Bereich, in dem die Vertiefungen und Spezialisierungen angesiedelt sind: Theorie und Praxis beziehen sind nicht als einfache Opposition aufeinander, sondern es gibt keine Praxis ohne Denken und kein Denken ohne Praxis. Diese beiden Dimensionen sind in mehrere Inhaltsbereiche gegliedert, die sich in einem Bereich (Inhaltsbereich 5), dem Bereich „Körper- und Seelenverhältnisse“ überschneiden.
Geschlechterverhältnisse als Praxisverhältnisse (1-5)
Praxisverhältnisse stellen soziale Bewegung, Politik, Herrschaft, Produktivität, individuelle Werdensprozesse, Körper und Seele dar. Die Inhaltsbereiche 1-5 geben all jene Thematiken wieder, die sich unter der Geschlechterperspektive als problematisch erweisen und die zur weiteren Bearbeitung herausfordern. Wo es sinnvoll erscheint, werden Spannungsverhältnisse genannt, um die jeweils andere Begriffsseite mit wach z u halten.
- Feminismus/Feminismen als Bewegungsgeschichte(n) und politische Praxis(en)
Utopien; Politische Partizipation und Einmischung; Demokratiekonzepte; Feministinnen in Institutionen
- Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse ("Rasse", Klasse, Geschlecht)
Peripherie - Zentrum; Stadt - Land; Trikont; Migration; Ethnizität; Globalisierung; Finanzmärkte; Produktivkraftentwicklung und gesellschaftliches Naturverhältnis; ökosoziale Fragen; Gesellschaftsvertrag -Geschlechtervertrag; Staatstheorien; Demokratietheorien; antidemokratische Bewegungen; Frau im Recht
- Vergeschlechtlichung der Produktivität
Geschlechtliche Ausbildung; geschlechtliche Arbeitsteilung; Feminisierung von Armut und Arbeit; Hausfrauisierung; soziale Sicherung; Generationen-, Ehe- und Familienordnungen; Institutionalisierungen heterosexueller Verhältnisse; Kulturbetrieb - Kulturarbeit
- Geschlechterspezifische Vergesellschaftung (Sozialisation)
Kindheit; Jugend; Erwachsenenalter; Alter, Mutterschaft; Vaterschaft; Kulturtechniken; Biografien und Selbstbeschreibungen; institutionelle Interventionen, Formen der Vergesellschaftung
- Körper-/Seelenverhältnisse
Soziogenese des Körpers; Leib und Leiblichkeit; anthropologische Konstanten: Geburtlichkeit und Sterblichkeit; Körper-Technikverhältnisse (Körpermaschine-Maschinenkörper, Bio- und Informationstechnologien, Cyborg); Normierung, Kontrolle und Produktivität von Sexualität und Generativität; Saluto- und Pathogenese des Körpers; Kreativität und Eros; Geschichtlichkeit und Semantik der "Psyche"; Geschichte der Gefühle und Fühlformen; (sexuelle) Gewalt; Differenz als Pathologie; Individualisierung; Befriedungsformen sinnlich vitaler Bedürfnisse; Dienstleistungsverhältnisse: Medikalisierung, Therapeutisierung; Beratungsgesellschaft
Geschlechterverhältnisse als Denkverhältnisse (5-8)
Die Leitfrage dieses Vertiefungsbereichs lautet: Wie ist Denken (in seinen Formen von Wissenschaft, Wissen, Kunst, Repräsentation und Zeichensystem) vergesellschaftet und welche Brüche weist es auf? Klassische Fragestellungen, wie die nach den Traditions- und epistemologischen Brüchen finden darin ebenso ihren Platz wie dekonstruktivistische Herangehensweisen.
- Körper-/Seelenverhältnisse: siehe oben
- Wissens- und Denkverhältnisse
Wissenschaftsgeschichte/Wissenschaftskritik; Transformationen des Vernünftigen; Gebrauchs- und Tauschwert von Wissen; Zugänge zu Wissensressourcen; Bildung; Erziehung; Sprache und Sprechen; Feministische Sprachkritik; Gedächtniskulturen: Mündlichkeit, Schrift, Druck, Bild, elektronische Speicher; Religion; Spiritualität; Verwissenschaftlichung von Lebensverhältnissen
- Kunst und kulturelle Imaginationen
(Re)Konstruktion, Dekonstruktion und Reproduktion von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen in kulturellen Symbolisierungsformen (Literatur, Theater, Musik(-theater), Architektur, Kunst und (neuen) Medien) in unterschiedlichen historischen und sozialen Kontexten in Bezug auf: Praxisverhältnisse-Stoffe/Motive/Themen; historisch-politische, soziale Verhältnisse- vergeschlechtlichte Symbolisierungsweisen/Rhetorik des Geschlechts; Geschlecht-Kunstgattung/genre; empirische Rezeption-Kanonbildung und literarische Wertung; männliche und weibliche Ich-Entwürfe – Subjekt-theorien; Fiktionalisierung von Geschlecht und Geschlechterverhältnis / kulturelles Geschlechtergedächtnis; Ästhetik-(Kunst-/Literatur-)Theorien-weibliche Produktivität; institutionelle Kunst-/Literaturvermittlung - Agentinnen im Kunst-/Literatursystem; Kunst/Literaturgeschichten- Geschichten über Kunst und Literatur; Geschlecht und Geschlechtertheorien - Theorien und Methoden der Kulturwissenschaften
- Trennungszusammenhänge
öffentlich/privat; sex/gender; Individuum/Gesellschaft; Natur/Gesellschaft; Ökonomie/ Politik; Kultur/Ökonomie; Ideologie/Wissenschaft; Normalität/Stigma; Geschichte/Gegenwart/Zukunft; Selbstbestimmung/Fremdbestimmung