CAMC – Creating Awareness for Multispecies Cities
Die fortschreitende Urbanisierung fordert Städte im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit heraus. Indem Stadtentwicklungsprogramme primär auf menschliche Bedürfnisse ausgerichtet sind und nicht-menschliche Lebensformen vergleichsweise wenig Berücksichtigung finden, kommt es zu Biodiversitätsverlust und Habitatsfragmentierung. Zwar geht aus Studien hervor, dass urbane Räume oft artenreicher sind als das intensiv genutzte agrarische Umland, doch ist die Biodiversität mitteleuropäischer Städte derzeit dennoch im Abnehmen begriffen. Diese Entwicklung wird durch politisch-ökonomische Dynamiken bzw. planerische Zielkonflikte verschärft, die sich beispielhaft an der Reduktion urbaner Grün-/Brachflächen durch bauliche Nachverdichtung, dem Quartiersverlust für Gebäudebrüter durch energetische Fassadensanierungen sowie einem reaktiven statt proaktiven kommunalen Naturschutz zeigen.

Das Konzept der multispecies city setzt genau hier an: Es versteht die Stadt als ein Gefüge, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen, Wassersysteme und andere Lebensformen eng miteinander verwoben sind und deren Bedürfnisse gleichermaßen Berücksichtigung finden. Das Projekt untersucht am Beispiel von Innsbruck, wie eine solche Multispezies-Perspektive in Stadt- und Infrastrukturplanung sowie Gebäudeentwürfe integriert werden kann. Dazu werden mithilfe von Expert:innenbefragungen, Beobachtungen, narrativen Interviews/Go-Alongs sowie partizipativer Formate bestehende Hemmnisse und Handlungsspielräume in Verwaltung, Politik, Planungspraxis und der Bevölkerung ausgelotet. Ziel ist es, neben Bewusstseinsbildung und dem gemeinsamen Erarbeiten von Zukunftsbildern, transformative Strategien für eine ökologisch verträgliche, speziesübergreifende Stadtentwicklung zu entwerfen.
Aktuelles & Veranstaltungen
Workshop: Multispezies-Stadtgestaltung/-planung in Innsbruck
Im Rahmen des Projekts fand am 19. Mai 2026 mit Vertreter:innen aus der Architektur, Human-Animal Studies, Geographie, Zoologie, Gewässerökologie, der Stadtverwaltung und -politik ein interaktiver Workshop statt, um konkrete Handlungsoptionen für eine multispezies-orientierte Raumentwicklung Innsbrucks zu diskutieren. Im Fokus standen Zukunftsbilder einer Stadt, in der die Bedürfnisse von Insekten, Vögeln, Kleinsäugern und Wassersystemen bereits in Entwurfs- und Entscheidungsfindungsphasen berücksichtigt werden. Gemeinsam wurde beleuchtet, welche gesellschaftlichen, rechtlichen und politischen Hemmnisse diesem Zukunftsbild noch im Weg stehen und welche Instrumente, Maßnahmen sowie Aktivitäten durch Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Bauträgerschaft und Planer:innen notwendig sind.

Projektteam
- Dr. Verena Schröder (Projektleitung)
- Tim Otten, BSc. (Masterarbeit zum Thema: "Perspektiven und Handlungsspielräume für eine multispezies-basierte Planung in Innsbruck")
- Eileen Knobloch, BSc.
Kontakt und Anfragen
Mail: verena.schroeder@uibk.ac.at
Tel.: +43-512-507-54057
Projektdaten
Laufzeit: 01.07.2025 – 30.06.2026
Gefördert durch: Förderkreis 1669 der Universität Innsbruck