Arbeitsgruppe Notfallpsychologie

Leitung:
Univ.-Prof. Dr. Barbara Juen

Team:
Ass.-Prof. Vanessa Kulcar, PhD
Mag. Dietmar Kratzer
Mag. Michael J. Lindenthal
Alexander Kreh, MSc

Schwerpunkt

  • Forschung auf dem Gebiet der akuten Psychotraumatologie und Notfallpsychologie
  • Prävention und Gesundheitsaspekte
  • Enge Vernetzung von Forschung und Praxis sowie die Verbesserung von Transferleistungen im Bereich der Akutpsychotraumatologie
  • Das Haupteinsatzgebiet dieser seit 1998 bestehenden Arbeitsgruppe ist die Qualitätssicherung, Evaluierung und Begleitforschung der psychosozialen Dienste des Österreichischen Roten Kreuzes (Krisenintervention, Notfallnachsorge, Ö3 Kummernummer)

Prävention und Gesundheitsaspekte

  • wie besonders gefährdete Gruppen aktiver in alle Phasen einer Katastrophe (Vorbeugung/Minderung/Vorbereitung) einbezogen werden können, um die kollektive Widerstandsfähigkeit der gesamten Bevölkerung zu erhöhen
  • wie der spontanen Hilfsbereitschaft und dem zunehmenden Wunsch der Betroffenen, sich aktiv an der Katastrophenhilfe und dem Wiederaufbau zu beteiligen, in Europa künftig Rechnung getragen werden kann
  • wie die Resilienz der im Gesundheits- und Sozialwesen tätigen Personen gefördert und die Katastrophenprävention gestärkt werden kann

Perspektive über die Lebensspanne

  • Wir untersuchen den Verlauf von posttraumatischem Wachstum und posttraumatischen Defiziten für alle Altersgruppen und über die gesamte Lebensspanne
  • Wie die lebenslange Erfahrung von Krisen und kritischen Ereignissen die Resilienz in den drei Aspekten Widerstand, Erholung und Wachstum fördert und behindert
  • Wie Weisheit durch die Erfahrung kritischer Ereignisse über die gesamte Lebensspanne hinweg definiert und gewonnen werden kann

Extern finanzierte Projekte

  • IPP - Increasing Knowledge and Partnerships in Psychosocial Support for Helpers in Pandemics ist ein Projekt, das im Rahmen der Austrian Development Coordination durchgeführt wird. Es findet in Kooperation mit Rot Kreuz-Organisationen statt und soll zur Verbesserung der psychosozialen Unterstützung von Gesundheitspersonal in Armenien und Georgien während Pandemien beitragen. Hierfür wurden Fokusgruppen und Fragebogenerhebungen mit verschiedenen Helfer:innentypen durchgeführt, darunter Freiwillige im Roten Kreuz, Hotline-Betreiber, Pflegekräfte und Ärzt:innen. Im Rahmen des Projekts wird eine Onlineplattform mit Empfehlungen und Best Practice Beispielen zur Unterstützung von Helfer:innen in Pandemien erstellt.
  • Auswirkungen der COVID-19 Krise auf junge Menschen in Tirol ist ein Projekt, das vom Förderkreis 1669 der Universität Innsbruck gefördert wird. Der Fokus liegt hierbei auf der Situation und dem Erleben der Pandemie durch Studierende, welche durch wiederholte Fragebogen-Erhebungen und durch Interviews erfasst werden. Neben dem Befinden spielt hier auch die Einstellung zu den Pandemiemaßnahmen und der Impfung eine Rolle (siehe Kulcar et al., 2021). Neben Studierenden werden auch junge Menschen mit psychischen und physischen Vorerkrankungen befragt und psychosoziale Unterstützungsmöglichkeiten werden erfasst. In Kooperation mit der Research Group Transient Spaces & Societies und unterstützt durch das Vizerektorat für Lehre und Studierende wurde darüber hinaus eine Untersuchung der Distanzlehresituation an der Universität Innsbruck durchgeführt. Ergebnisse wurden in Bork-Hüffer et al. (2021) veröffentlicht.
  • CAVE - Community Engagement und Vulnerabilitäten in der Bewältigung von Epidemien ist ein Projekt, das von der FFG im Rahmen der KIRAS Sicherheitsforschung gefördert wird. Es beschäftigt sich mit Partizipation bzw. Community Engagement und vulnerablen Gruppen während Epidemiesituationen in Österreich. Dabei wird auch technische Expertise einbezogen, um durch die Verknüpfung mit geospacial Daten in Zukunft vulnerable Gruppen besser in das Pandemiemanagement einzubinden. Das Ziel ist dabei, eine fundierte Basis für die weitere Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen zur Umsetzung von Community Engagement Ansätzen in der Epidemievorsorge und -bekämpfung, zu schaffen. Dabei kann auf bestehende Untersuchungen der Lebenshilfe GmbH in Tirol aufgebaut werden, welche die Relevanz von Dialogen, einem wertschätzenden Umgang und organisationaler Gerechtigkeit betonen (Riedel et al., 2021).
  • Nike-med wird ebenfalls von der FFG im Rahmen der KIRAS Sicherheitsforschung gefördert. Im Fokus stehen hier Ereignisse unter Tage, wie Unfälle in Tunneln oder Bergwerken oder Terroranschläge in einer U-Bahn. Die AG Notfallpsychologie beschäftigt sich hierbei mit den psychosozialen Aspekten solcher Katastrophen für Einsatzkräfte und Betroffene.
  • makingAchange ist ein vom Bundesministerium für Umwelt gefördertes Projekt zur Klimawandelbildung. Die AG Notfallpsychologie ist hier für die Evaluation und Wirksamkeitsanalyse zuständig. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der partizipativen Einbindung von Jugendlichen und auf deren psychosozialen Unterstützung im Angesicht der Bedrohlichkeit des Klimawandels.

Methoden

  • Gemischter Methodenansatz und Längsschnittdesigns
  • Qualitative und quantitative Ansätze, um tiefere Einblicke in die Forschungsfragen zu gewinnen
  • Längsschnittforschung, wann immer möglich, um Prädiktoren und Entwicklungen zu ermitteln

Ausgewählte Publikationen

  • Bork-Hüffer, T., Mahlknecht, B., & Markl, A. (2020). Kollektivität in und durch cON/FFlating spaces: 8 Thesen zu Verschränkungen, multiplen Historizitäten und Intra-Aktionen in sozio-materiell-technologischen (Alltags-)Räumen. Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaften, 6(2), 131-170. https://doi.org/10.14361/zkkw-2020-060208
  • Bork-Hüffer, T., Kulcar, V., Brielmair, F., Markl, A., Immer, D. M., Juen, B., Walter, M. H., & Kaufmann, K. (2021). Wahrnehmung, Bewertung und Räume des Fernstudiums durch Studierende während der COVID-19-Pandemie in Österreich: Was können wir für die Bildungszukunft nach der Pandemie lernen? Sustainability, 13(4), 7595. https://doi.org/10.3390/su13147595
  • Juen, B. & Kreh, A. (2021). COVID-19 Pandemie: Ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und was wir aus anderen Pandemien lernen können. Psychologie in Österreich, 41, 215-222.
  • Juen, B., Kreh, A., Flad, B., Trigler, M., Kaiser, A., Mathes, G., Warger, R., Steiner, E., Sax, M., Hausmann, C., Immer, D. (2021). Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Gesundheitspersonal: Organisatorische Risiko- und Schutzfaktoren. Trauma - Zeitschrift für Psychotraumatologie und ihre Anwendungen, 19(3), 80-92.
  • Kaufmann, K., Peil, C., & Bork-Hüffer, T. (2021). Producing in situ Data from a Distance with Mobile Instant Messaging Interviews (MIMIs) - Examples from the COVID-19 Pandemic. International Journal of Qualitative Methods. https://doi.org/10.1177/16094069211029697
  • Kaufmann, K., Straganz, C., & Bork-Hüffer, T. (2020). City-life No More? Die gestörten Stadterfahrungen junger Erwachsener und ihre digitale Vermittlung unter COVID-19. Urban Planning, 5(4). https://doi.org/10.17645/up.v5i4.3479
  • Kreh, A., Brancaleoni, R., Magalini, S. C., Chieffo, D. P. R., Flad, B., Ellebrecht, N., & Juen, B. (2021). Ethische und psychosoziale Überlegungen für Krankenhauspersonal in der Covid-19-Krise: Moralische Verletzung und Resilienz. PloS one, 16(4), e0249609. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249609
  • Kulcar, V., Straganz, C., Kreh, A., Siller, H., File, N., Canazei, M., Bork-Hüffer, T., & Juen, B. (2021). Adhärenz und Impfeigenschaften von Universitätsstudenten während der COVID-19-Pandemie: Focusing on costs and benefits. Angewandte Psychologie: Gesundheit und Wohlbefinden. https://doi.org/10.1111/aphw.12320
  • Riedel, P.-L., Kulcar, V., Kreh, A., Reiter, M., & Juen, B. (2021). Führen in der Krise - Organisatorisches Krisenmanagement während der COVID-19 Pandemie ("coronavirus disease 2019") am Beispiel der Lebenshilfe Tirol. Prävention und Gesundheitsförderung. https://doi.org/10.1007/s11553-021-00914-0
  • Siller, H., & Hilber, M. (2021). Ein Fazit über die Bedeutungen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen. Tagung "Corona verstehen". AEP Informationen. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, 1, 46.
  • Siller, H., Voithofer, C., & Hochleitner, M. (2021). Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit während des 1. Lockdowns der COVID-19-Pandemie: Ergebnisse einer empirischen Erhebung. juridikum, 3, 296-299
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