Zwischen Erinnerung und Identität
Rekonstruktion und Repräsentation
habsburgischer Architektur in Bosnien
Masterarbeit von Hana Muzaferovic
Betreuerin: Dr. phil. Hilde Strobl
Die Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion zerstörter Bauten in Bosnien und Herzegowina und analysiert, welche Ansätze dabei verfolgt wurden und wie diese eine gesellschaftliche, kulturelle und politische Bedeutung widerspiegeln. Im Mittelpunkt stehen öffentliche Bauten aus der Habsburgerzeit (1878–1918), insbesondere im sogenannten pseudo-maurischen Stil. Untersucht werden sowohl ihre ursprüngliche Funktion und symbolische Bedeutung als auch ihr heutiger Umgang, etwa im Zuge von Wiederaufbauprojekten nach dem Bosnienkrieg. Die Arbeit geht der Frage nach, ob diese Bauten Ausdruck habsburgischer Machtinszenierung waren und wie sie heute Teil kultureller Identitätsbildung sind.
Bosnien stand über vier Jahrhunderte unter osmanischer Herrschaft, bevor es 1878 von Österreich-Ungarn besetzt und 1908 offiziell annektiert wurde. Die Habsburger modernisierten das Land umfassend und prägten es mit einer Vielzahl öffentlicher Bauten, die westliche Stile mit lokalen Elementen verbanden. Besonders in der Architektur zeigt sich der Wandel: Neue Gebäude spiegelten Machtanspruch, technische Fortschritte und eine inszenierte kulturelle Differenz wider. Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 verlor dieses Erbe zunächst an Bedeutung, wurde aber nach dem Bosnienkrieg und in der Phase der Rekonstruktion wieder verstärkt wahrgenommen – heute gelten viele dieser Bauten als Teil eines vielschichtigen kulturellen Gedächtnisses.
Die Arbeit untersucht, welche Rolle Repräsentationsbauten aus der Zeit der österreich-ungarischen Monarchie in der Rekonstruktion Bosniens spielen und wie deren architektonische Formensprache, insbesondere der pseudo-maurische Stil, Prozesse der Erinnerungskultur und Identitätsbildung in der Nachkriegsgesellschaft beeinflussen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die zeigen soll, dass die heutige Rekonstruktion dieser Bauten nicht nur als Denkmalpflege verstanden werden kann, sondern als aktiver kultureller Prozess, der mit Fragen von Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit verknüpft ist.
Ziel ist es, die symbolische Funktion ausgewählter Bauten aus der Habsburgerzeit zu analysieren und deren heutige Bedeutung im Kontext von Rekonstruktion, kollektiver Erinnerung und kultureller Identität zu untersuchen.



