Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis
Universität Innsbruck

 

I. Präambel
II. Allgemeine Prinzipien
III. Regeln
IV. Verdacht auf Verstoß gegen die Regeln


I. Präambel

Wissenschaftliche Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Transparenz und die Beachtung verbindlicher Praxis sind unverzichtbare Voraussetzungen wissenschaftlicher Arbeit, wenn diese dem wahren Erkenntnisgewinn dient und von der Gesellschaft aufgenommen und entsprechend respektiert werden soll. Jede Wissenschaftlerin, jeder Wissenschaftler ist daher eigenverantwortlich für ihre/seine wissenschaftliche Arbeitsweise, die sich an den Leitsätzen der guten wissenschaftlichen Praxis zu orientieren hat. Verstöße gegen solche Grundsätze sind sorgfältig zu unterscheiden von wissenschaftlichem Irrtum, der auch trotz der Beachtung der Grundsätze von guter wissenschaftlicher Praxis nicht immer vermeidbar ist.

Aufgrund einer immer stärker werdenden Kompetition im wissenschaftlichen Bereich und der Tatsache, dass sich die wiederholte Feststellung von messbarem, wissenschaftlichen Erfolg stärker als früher auf die Laufbahn und die Existenz von WissenschaftlerInnen auswirkt, steigt die Gefahr, dass dieser Druck verstärkt die Nichtbeachtung von Regeln des guten wissenschaftlichen Arbeitens begünstigt. Schwere Fälle von wissenschaftlicher Unredlichkeit in den letzten Jahren legen die Erlassung eines Regelwerkes und die Etablierung von organisatorischen Strukturen beim Verstoß gegen dieselben nahe. Diese Regeln beziehen sich freilich nicht nur auf (publizierte und unpublizierte) wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch auf wissenschaftliche Beiträge, die aus dem Internet übernommen oder ins Internet gestellt werden.

Dieses Regelwerk ersetzt jedoch in keiner Weise allgemeine oder fachspezifische Regelungen und ethische Normen. Es dient vielmehr dazu ergänzende und allgemeingültige Grundsätze wissenschaftlicher guter Praxis auf universitärer Ebene festzulegen.

Die Formulierung des Textes orientiert sich zum Teil nach den Richtlinien der österreichischen Rektorenkonferenz zur Sicherung einer guten wissenschaftlichen Praxis, dem Senatsbeschluss der Leopold-Franzens-Universität vom 2. Mai 2002 „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ sowie den „Grundsätzen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zur Vermeidung von Fehlverhalten in der Wissenschaft“ der Karl-Franzens-Universität Graz. Diese Richtlinien sind zudem an die Empfehlung der Kommission “Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, Weinheim: Wiley-VCH, 1998) angelehnt.

Die Universität Innsbruck bekennt sich zu Grundprinzipien solider wissenschaftlicher Arbeit und wird ein Procedere für den Fall des Verstoßes vorlegen.


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II. Allgemeine Prinzipien

  1. Allgemeine Prinzipien für die gute wissenschaftliche Praxis

    • Es ist nach dem Prinzip lege artis zu arbeiten: Die wissenschaftliche Tätigkeit soll entsprechend den rechtlichen Regelungen, den ethischen Normen wie auch dem aktuellen Stand der Forschung durchgeführt werden.
    • Resultate sollen eindeutig dokumentiert werden. Dazu gehört auch die zuverlässige Sicherung und Aufbewahrung von Primärdokumenten.
    • Ergebnisse sollen konsequent kritisch angezweifelt und hinterfragt werden (Systematischer Skeptizismus und eine Offenheit für Zweifel auch an den eigenen Ergebnissen). Wissenschaftliche Ergebnisse dürfen nicht gegen Kritik immun sein.
    • In Bezug auf Beiträge von Partnerinnen und Partnern, Konkurrentinnen und Konkurrenten sowie Vorgängerinnen und Vorgängern ist eine strikte Ehrlichkeit zu wahren. Wissenschaftliche Arbeiten von Anderen sind nicht zu behindern.
    • Eine verantwortungsvolle Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist sicherzustellen.
    • Kritik und Zweifel von Kolleginnen und Kollegen sind zu respektieren, auf eine uneigennützige und unvoreingenommene Begutachtung der Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen ist zu achten oder bei Befangenheit darauf zu verzichten.
    • Das Prinzip der Öffentlichkeit der Grundlagenforschung ist zu wahren, d.h. eine prinzipielle Veröffentlichung der mit öffentlichen Mitteln erzielten Ergebnisse ist zu gewährleisten.
    • Wissenschaftliches Fehlverhalten im eigenen Umfeld ist zu vermeiden und die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis sind in allen Fällen zu wahren.
    • Die Zusammenarbeit und Leitungsverantwortung in Arbeitsgruppen sollten als aktive Aufgaben wahrgenommen werden.

  2. Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis

    • Plagiat (unbefugte Verwertung unter Anmaßung der eigenen Autorenschaft)
    • Ideendiebstahl
    • Inanspruchnahme der (Mit-)Autorenschaft eines/r anderen ohne dessen/deren Genehmigung
    • Erfindungen, Fälschung, Manipulationen und Unterdrückung von Daten und Darstellungen
    • Verfälschung des Inhalts
    • Unbefugte Veröffentlichung
    • Beseitigung oder unzulängliche Dokumentation von Primärdaten
    • Erschlichene Autorenschaft in Publikationen
    • Ausschließen berechtigter Autorenschaft
    • Fehlende oder unzureichende akademische Diskussion in Arbeitsgruppen
    • Unzureichende Betreuung von DiplomandInnen und DoktorandInnen
    • Fehlende Belehrung der an der Forschung Beteiligten hinsichtlich der guten wissenschaftlichen Praxis
    • Verletzung von geistigem Eigentum
    • Sabotage von Forschungstätigkeit
    • Üble Nachrede in Bezug auf gute wissenschaftliche Praxis
    • Vertrauensbruch als Gutachter

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III. Regeln

  1. Förderung von Qualität
    Gute wissenschaftliche Forschung ist auf allen Ebenen zu fördern. Ausschlaggebend für die Entscheidung, Forschungsvorhaben zu fördern, kann nur die Qualität der Forschung sein. Diese ist durch geeignete, objektivierbare Evaluationsmaßnahmen zu bestimmen.

  2. Fach- und disziplinspezifische Regeln
    Wissenschaftliche Arbeiten haben unter Beachtung von fach- und disziplinspezifischen Regeln nach dem neuesten Stand der Forschung durchgeführt zu werden. Dies setzt voraus, dass man sich vor Beginn der wissenschaftlichen Untersuchung die notwendigen methodischen und theoretischen Fähigkeiten aneignet. Im Falle des wissenschaftlichen Nachwuchses (DiplomandInnen, DissertantInnen) trifft die Betreuerin/den Betreuer die Verpflichtung, eine entsprechende Vorbereitung und Einführung des ihm anvertrauten wissenschaftlichen Nachwuchses sicherzustellen.

  3. Dokumentation
    Methoden, Organisation und Ablauf, sowie die Resultate wissenschaftlicher Forschungstätigkeit sind zu dokumentieren, zu sichern und aufzubewahren. Dies bedeutet, dass wissenschaftliche Resultate, Rohdaten und Messergebnisse zumindest für 5 Jahre nach Abschluss eines Projektes/einer Studie bzw. der Publikation der Daten verfügbar gehalten werden müssen. Auch Ergebnisse und Befunde, die im Zuge einer Untersuchung gewonnen wurden und die nicht unmittelbar in einer Publikation ihren Niederschlag finden, sind zu dokumentieren und aufzubewahren. Dies bedingt weiters, dass die Originalprotokolle und alle notwendigen Unterlagen von wissenschaftlichen Untersuchungen im Institut verbleiben. Die Verantwortung dafür trifft die/den Leiterin/Leiter des Instituts. Nur dokumentierte Ergebnisse können als Grundlage für wissenschaftliche Publikationen oder wissenschaftliche Anwendungen dienen.

  4. Interessenskonflikte
    In Publikationen, Vorträgen, Präsentationen von Ergebnissen anderer Art sowie Gutachten und Auftragsforschung sind wirtschaftliche und andere Interessenkonflikte offen zu legen.

  5. Autorenschaft
    Die Nennung als Autorin/Autor oder Co-Autor/in hat die tatsächliche Beteiligung am Zustandekommen einer Veröffentlichung widerzuspiegeln. Eine Autorenschaft wird dann begründet, wenn jemand wesentlich zum Forschungsplan, zur Durchführung der Forschungsarbeiten, zur Auswertung und/oder Interpretation der Ergebnisse oder zur Ausarbeitung des Manuskriptes beigetragen hat. Die Leitung der Einrichtung, in der das Forschungsvorhaben durchgeführt wurde, ein Vorgesetztenverhältnis, die Finanzierung der Untersuchungen oder das Lesen des Manuskriptes können eine Autorenschaft nicht begründen. Die Universität Innsbruck lehnt zudem jede Art der Ehren-Autorenschaft (honorary authorship) strikt ab. Für den Inhalt einer Publikation sind stets sämtliche Co-AutorInnen gemeinsam verantwortlich. Die Reihenfolge der Autorenliste muss im Team mit allen Co-AutorInnen besprochen werden. Neue wissenschaftliche Ergebnisse sind in Publikationen vollständig und nachvollziehbar zu beschreiben. Sowohl eigene als auch fremde Erkenntnisse und Vorarbeiten sind korrekt nachzuweisen (Zitate).

  6. Patente
    Bei der Meldung von Erfindungen sind alle MiterfinderInnen zu nennen, die einen eigenständigen, konzeptionellen Beitrag zur Erfindung geleistet haben. Die prozentuelle Aufteilung des ErfinderInnenanteiles bei der Erfindervergütung ist einvernehmlich und auf einer fairen Basis zu ermitteln und in der Erfindungsmeldung anzugeben. Nachträgliche Änderungen der Aufteilung sind jederzeit, jedoch nur in gegenseitigem Einvernehmen möglich (beispielsweise aufgrund von Ansprüchen in der Patentschrift oder im Zuge der Verlizensierung eines Patent-Portfolios).

  7. Kollegialität und Kooperation
    In der wissenschaftlichen Forschung ist Kollegialität und Kooperationsbereitschaft oberstes Gebot. Wissenschaftliche Arbeiten anderer dürfen auch im Fall direkter Konkurrenz weder behindert noch verzögert werden. Die Begutachtung von Projekten, Publikationen oder akademischen Arbeiten (Diplomarbeiten, Dissertationen) ist bei Befangenheit oder direkter Konkurrenzsituation abzulehnen. Erkenntnisse, Resultate und Ideen anderer Wissenschaftler/innen sowie deren Publikationen sind in der üblichen angemessenen Weise zu zitieren.

  8. Information und Aufsicht
    Die/der Leiterin/Leiter des Instituts hat die Mitarbeiter/innen seiner Einrichtung über die Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu informieren und sich dies durch Unterschrift bestätigen zu lassen. Dies trifft insbesondere auf den wissenschaftlichen Nachwuchs (DiplomandInnen, DissertantInnen) zu. Die Organe der Universität (Rektor/Rektorin, Dekan/Dekanin, Leiterin/Leiter des Instituts) haben über die Information hinausgehend auch die primäre Aufsicht über die Einhaltung der Regeln in ihrem jeweiligen Bereich wahrzunehmen. Sie haben im Falle eines Verstoßes gegen diese Regeln geeignete Maßnahmen zu ergreifen, auf jeden Fall aber die nächst höhere Instanz (Dekan/in, Rektor/in) davon in Kenntnis zu setzen.

  9. Lehrangebot zu guter wissenschaftlicher Praxis
    In den Studienplänen ist Vorsorge zu treffen, dass Lehrveranstaltungen angeboten werden, in denen die Thematik der guten wissenschaftlichen Praxis vermittelt wird, die diesen Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis zugrunde liegt. Bei den Studierenden sollte in diesen Lehrveranstaltungen das Bewusstsein und Verständnis für die Probleme wissenschaftlicher Tätigkeit geweckt werden. Die Notwendigkeit des wissenschaftlichen Kriteriums der Kritik an jedweden Forschungsergebnissen und des Zweifelns an der Validität der eigenen Daten sowie die fachspezifischen Standards und Qualitätsmerkmale von wissenschaftlichen Ergebnissen sind auf jeden Fall als Lehrinhalte für solche Lehrveranstaltungen festzulegen.

  10. Verstoß gegen die Regeln
    Wissenschaftliches Fehlverhalten bzw. der Verstoß gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis kann arbeitsrechtliche/dienstrechtliche, strafrechtliche und zivilrechtliche Folgen haben.
    Abgesehen von diesen erwähnten möglichen rechtlichen Konsequenzen kann im Falle eines solchen Fehlverhaltens auch ein geeignetes Verfahren zwecks Ahndung auf allen Ebenen der Universität (Institut, Fakultät, Universitätsleitung) durchgeführt werden.

Ausführliche Darstellung zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis


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IV. Verdacht auf Verstoß gegen die Regeln

  1. Verfahren bei Verdacht auf Verstoß gegen die Regeln
    Liegt der Verdacht auf Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis vor, ist dies bei Diplomarbeiten und Dissertationen sowohl dem für Lehre zuständigen als auch dem für Forschung zuständigen, bei allen anderen wissenschaftlichen Arbeiten bzw. Tätigkeiten dem für Forschung zuständigen Rektoratsmitglied zur Kenntnis zu bringen. Vorgesetzte haben die Pflicht, das zuständige Rektoratsmitglied vollständig zu informieren. Erfolgt eine Meldung schriftlich, hat sie alle Beweismittel des vermuteten wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu enthalten.
    Es obliegt sodann den genannten Vizerektorinnen/Vizerektoren eine interne Sachverhaltsdarstellung in Auftrag zu geben und eine Beurteilung des vermuteten wissenschaftlichen Fehlverhaltens anzustellen. In dieser Erhebung sind die Personen, die das vermutete Fehlverhalten angezeigt haben, sowie jene Personen, gegen die sich der Verdacht richtet, anzuhören. Das Erhebungsergebnis (Beurteilung einschließlich Sachverhaltsdarstellung) ist unverzüglich dem Rektorat bzw. dem/der Universitätsstudienleiter/in vorzulegen; das jeweils zuständige Organ entscheidet über die weitere Vorgangsweise in seinem Bereich.
    Das Rektorat kann anhand dieser ersten Sachverhaltsdarstellung die Einstellung des Falles beschließen – wodurch zugleich festgestellt ist, dass keine Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis vorliegt - oder die weitere Begutachtung durch interne oder externe Gutachterinnen oder Gutachter veranlassen. Die eingeforderten Gutachten zur vermuteten Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis bilden die Basis zur Entscheidung, ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt. Diese Entscheidung hat in freier Beweiswürdigung unter Berücksichtigung aller be- und entlastenden Umstände und nach Anhörung des/der Betroffenen zu erfolgen.

  2. Folgen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens
    Wissenschaftliches Fehlverhalten bzw. der Verstoß gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis kann arbeitsrechtliche/dienstrechtliche, studienrechtliche, strafrechtliche oder zivilrechtliche Folgen gemäß den jeweils geltenden Rechtsvorschriften haben.
    Alle Personen, die an einem Verfahren zur Untersuchungen gegen vermuteten Verstoß gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis beteiligt sind, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Ausführliche Darstellung zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis


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Rektor
Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Tilmann Märk