In Tirol wird Räumschnee – oft auch mit Salz, Staub, Gummi und anderen Fremdstoffen – direkt in größeren Flüssen entsorgt. In vielen Ortschaften und entlang von Straßen wird Räumschnee üblicherweise an die Bachufer geräumt und gelangt bei Schneeschmelze in die Gewässer. Ein solcher Eintrag soll insbesondere bei kleineren Gewässern als problematisch erachtet werden

Win­ter­liche Ver­sal­zung in alpi­nen Fließ­ge­wässern

Alpine Gewässer mit enger Anbindung an intensiv genutzte urbane Strukturen haben am Ende des Winters erhebliche Salzgehaltsspitzen. Dies ergab die Analyse von langfristig aufgezeichneten Leitfähigkeitsdaten in ausgewählten Fließgewässern Tirols, die kürzlich im Fachmagazin Environmental Science and Pollution Research publiziert wurde.

An einigen Gewässern betreibt der Hydrographische Dienst Tirol Messeinrichtungen, die neben dem Abfluss auch die elektrische Leitfähigkeit dieser aquatischen Lebensräume aufzeichnen. „Dieser Indikatorparameter weist üblicherweise auf die Gesamtkonzentration verschiedener Stoffe, wie zum Beispiel Mineralien, aber auch Dünger und Salze hin. Zudem zeigt er bei rascher Veränderung auch Verschmutzungen an, weshalb diese Kenngröße zur allgemeinen Überwachung der Gewässerqualität geeignet ist“, erklärt Georg Niedrist vom Institut für Ökologie, ein Autor dieser Studie zur Leitfähigkeit der Gewässer.

Spitzenwerte am Ende des Winters

Die elektrische Leitfähigkeit von Alpengewässern unterliegt natürlichen Schwankungen, hängt jedoch grundsätzlich negativ mit dem Abfluss zusammen. „Während der Wintermonate – und insbesondere am Ende des Winters – wird diese natürliche Wechselwirkung in einigen Alpenflüssen deutlich gestört“, erläutert Niedrist. Vieles deute dabei auf einen vermehrten Eintrag von Straßensalzen in diese Gewässer hin. So zeigt der Vergleich verschiedener Einzugsgebiete, dass diese Störung natürlicher Situationen insbesondere in jenen Gewässern auftritt, die nah an urbanen Strukturen entlangführen, die im Winter intensiv genutzt werden, wie etwa Parkplätze von Skigebieten, Straßen oder Wintersportorten. „Zusätzlich zu diesem stetigen winterlichen Anstieg des Salzgehaltes konnten die Spitzenwerte am Ende des Winters – also bei Schneeschmelze – beobachtet werden“, so der Ökologe.

Maßnahmen zur Verbesserung

Weil die unnatürlich hohen Leitfähigkeiten in den beobachteten Gewässern im internationalen Vergleich noch relativ niedrig und für aquatische Lebensgemeinschaften nicht unmittelbar toxisch sind, wurde diese Art der Verschmutzung laut dem Gewässerökologen im Alpenraum bisher nur wenig beachtet. „Neue experimentelle Studien an Wirbellosen aus anderen Bergregionen zeigen jedoch, dass Organismen aus salzarmen Gewässern besonders sensibel auf Versalzung reagieren, weshalb zumindest davon ausgegangen werden muss, dass die hier festgestellten unnatürlichen Schwankungen deren Verhalten und Leistungen beeinträchtigen“, erklärt Niedrist. Zur Verbesserung der Situation in Alpengewässern haben die Wissenschaftler*innen in dieser Studie mehrere Maßnahmen identifiziert. So könnten anhand gezielter Messungen von Salzkonzentrationen – insbesondere des Streusalzes Natriumchlorid – und Wasserführungen kleiner Fließgewässer nahe intensiv genutzten urbanen Strukturen erstmals Ausmaß und Zeitraum von Versalzungen abgeschätzt werden. Zudem könnte durch eine Optimierung der erforderlichen Salzmengen sowie durch die Sensibilisierung der ausführenden Dienste der übermäßigen Versalzung von Fließgewässern entgegengewirkt werden. „Generell unterstreichen die Ergebnisse dieser Studie den Vorteil von Gewässerschutzstreifen und Uferbegleitvegetation, da solche Strukturen die Salzeinträge teilweise zurückhalten können“, resümiert Georg Niedrist.

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