Vorlesungen ohne Grenzen

Das Russlandzentrum der Universität Innsbruck war in diesem Sommersemester Veranstaltungsort eines Distant-Learning-Kurses, in dem die Vortragende von Moskau aus mit Studierenden der Universität Innsbruck arbeitete und ihnen die russische Kunst des 20. Jahrhunderts näher brachte.
LV-Leiterinnen und Teilnehmerinnen und Teilnehmer im virtuellen Unterrichtsraum von Adobe Connect.
Bild: LV-Leiterinnen und Teilnehmerinnen und Teilnehmer im virtuellen Unterrichtsraum von Adobe Connect. (Screenshot von Eva Binder)

Dank der neuen Informationstechnologien können Lehrende und Studierende heute über Grenzen hinweg miteinander kommunizieren. Eva Binder, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Slawistik der Universität Innsbruck, nützt diese neuen technischen Möglichkeiten dazu, um jeweils im Sommersemester einen Kurs für Russisch-Studierende gemeinsam mit einer/m Lehrenden in Russland abzuhalten. Sie macht das nicht nur deshalb, um das Lehrveranstaltungsangebot des Instituts zu erweitern, sondern auch, um den österreichischen Studierenden, die sich in ihrem Studium mit Russland und der russischen Kultur beschäftigen, unmittelbare Einblicke in aktuelle Wissenschaftsdiskurse in Russland zu bieten und andere Perspektiven und Sichtweisen zu eröffnen. Das Thema des diesjährigen Kurses war die russische Kunst des 20. Jahrhundert und als Vortragende konnte Julija Liderman aus Moskau gewonnen werden. An der Lehrveranstaltung nahmen 10 Studierende der Universität Innsbruck teil, Unterrichtssprache war selbstverständlich Russisch.

Für die Studierenden war der Kurs in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich: Das Russlandzentrum, das technisch für einen derartigen Kurs ausgezeichnet ausgestattet ist, bietet eine weit persönlichere Atmosphäre als die Unterrichtsräume an der Universität, und über die russische Kunst und die Künstlerkultur in Russland hatten die Studierenden vorher in ihrem Studium kaum etwas gehört. Darüber hinaus ahnte kaum jemand, dass nur zwei Fahrstunden von Innsbruck entfernt, im nahegelegenen München, einer der international bekanntesten, aus Russland stammenden Künstler als einer der ersten den Weg von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion beschritten hatte – Wassily Kandinsky. Um diesen Weg nachzuvollziehen, unternahmen die Studierenden gemeinsam mit Eva Binder eine Exkursion in das Münchner Lenbachhaus. Dabei wurde den Teilnehmer/innen deutlich, dass es nicht darum geht, das Alte – den konkreten Ort, das Originalbild, die unmittelbare Begegnung – durch das Neue, nämlich den virtuellen Raum und die neuen Kommunikationstechnologien, zu ersetzen, sondern vielmehr darum, beide ideal zu nützen.

(Eva Binder)


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