Univ.-Prof. Dr. Thomas Magauer ist seit 1. August an der Uni Innsbruck.

Vorgestellt: Von der Natur lernen

Thomas Magauer, seit August Professor für Organische Chemie an der Uni Innsbruck, liebt Herausforderungen. Aus diesem Grund wählte er mit seinem Forschungsgebiet Synthese-Chemie ein relativ anspruchsvolles Gebiet der Chemie, das versucht, von der Natur zu lernen.

„Wir arbeiten daran, biologisch aktive Naturstoffe im Labor herzustellen“, erklärt Thomas Magauer seinen Forschungsbereich in einem Satz. So kommen beispielsweise in Pilzen bestimmte Antibiotika vor, die für den medizinischen Einsatz sehr gut geeignet sind, allerdings nicht in ausreichender Menge aus den Pilzen gewonnen werden können. Vorbild für die chemische Synthese ist die Natur: „Im Bereich der biomimetischen Synthese analysieren wir die einzelnen Schritte in der natürlichen Biosynthese genau und arbeiten dann im Labor daran, diese Schritt für Schritt zu imitieren“, erklärt der Chemiker. Weil dieser Weg nicht immer möglich ist, gehen die Wissenschaftler manchmal auch den Weg der bioinspirierten Synthese: „Die natürlichen Bedingungen können wir im Labor nicht immer imitieren, manchmal würde dies zum Beispiel einfach zu lange dauern“, so Magauer. „Hier versuchen wir – angelehnt an die natürliche Synthese – den Syntheseweg zu beschleunigen.“ Neben der künstlichen Herstellung von Naturstoffen arbeiten die Wissenschaftler um Magauer auch daran, einzelne Verbindungen so zu modifizieren, dass ihre biologische Aktivität – und damit ihre medizinische Wirksamkeit – erhöht wird, beziehungsweise auch mögliche vorhandene Nebenwirkungen verringert werden. Damit einher geht ein weiterer wichtiger Bereich von Thomas Magauers Forschungsarbeit: die Methoden-Entwicklung. „Im Bereich der Methoden hat sich in der Synthese-Chemie in den letzten Jahren sehr viel getan: Waren noch vor 30 Jahren 30 bis 40 Arbeitsschritte für die Synthese eines Naturstoffes notwendig, reichen dafür heute oft 10 bis 15 Arbeitsschritte“, verdeutlicht der Chemiker. Konkret forscht Thomas Magauer derzeit an der Synthese von neuartigen Antibiotika und Chemotherapeutika sowie an neuen Pflanzenschutzmitteln für die Landwirtschaft.

Herausforderung als Faszination

Auch wenn Thomas Magauer darauf verweist, dass 90 Prozent der Arbeit in der Naturstoff-Synthese von Misserfolgen geprägt ist, macht gerade das für ihn den Reiz an seinem Gebiet aus: „Gerade im Bereich von neuen Antibiotika oder Chemotherapeutika kann ein Forschungserfolg die Behandlungsmethoden revolutionieren.“ Die Kompetenz, Probleme selbständig zu lösen, ist neben dem entsprechenden Basiswissen auch ein wesentlicher Punkt, den Thomas Magauer an seine Studierenden weitergeben will. „Für die Naturstoff-Synthese ist neben einem sehr breiten Basiswissen auch lösungsorientiertes Arbeiten nötig – treffen diese Voraussetzungen auf das entsprechende Maß an Motivation, stehen den Studierenden alle Türen offen.“

Zur Person

Thomas Magauer wurde 1983 in Linz geboren und begann 2002 mit dem Chemie-Studium an der Uni Wien, das er 2007 abschloss. 2009 folgte das Doktorat in der Forschungsgruppe von Johann Mulzer. 2010 ging Thomas Magauer im Rahmen eines Erwin Schrödinger Postdoctoral-Fellowship an die Harvard University, wo er zwei Jahre in der Arbeitsgruppe von Andrew G. Myers forschte. 2012 begann er, gefördert durch ein Liebig-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie, mit dem Aufbau seiner unabhängigen Nachwuchsgruppe an der LMU München. Von 2013 bis 2017 leitete er dort eine von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderte Emmy-Noether-Gruppe. Seit 1. August 2017 ist Thomas Magauer Universitätsprofessor für Organische Chemie an der Universität Innsbruck. Der Chemiker erhielt für seine Arbeit bereits zahlreiche Auszeichnungen und Preise, zuletzt den ERC Starting Grant, mit dem der Europäische Forschungsrat grundlagenorientiere Forschung erfolgsversprechender, junger Wissenschaftler unterstützt.

 


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