Hohe Birga: Über 2.000 Jahre alter Weg entdeckt

Bei Ausgrabungen konnte ein Team von Archäologinnen und Archäologen um Florian Müller in den vergangenen Wochen einen über 2.000 Jahre alten Weg freilegen, der zur eisenzeitlichen Siedlung auf der „Hohen Birga“ in Birgitz bei Innsbruck führte.
Grabungsarbeiten auf der Hohen Birga
Bild: Freilegung des eisenzeitlichen Weges (Credit: Florian Müller)

Bei der „Hohen Birga“ handelt es sich um einen kleinen bewaldeten Hügel nördlich von Birgitz im westlichen Mittelgebirge bei Innsbruck, auf dem bereits 1937 die Überreste einer über 2.000 Jahre alten rätischen Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt worden waren. Die Räter bewohnten seit dem Ende des 6. Jahrhunderts v.Chr. den Alpenraum vom Unterengadin im Westen bis in das Virgental im Osten und im Süden bis an den Gardasee. Insbesondere in den 1940er- und 1950er-Jahren wurde auf der „Hohen Birga“ archäologisch geforscht, dann geriet der Platz jedoch zunehmend in Vergessenheit, die bislang entdeckten Überreste verfielen und wucherten zu. Erst vor einigen Jahren wurden unter der Leitung von Florian Müller vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck die archäologischen Ausgrabungen wieder aufgenommen und dabei mehrere Gebäude freigelegt. 

Der Weg zur Siedlung auf der „Hohen Birga“

Bislang war jedoch unklar, wo und wie genau der Zugang zur Siedlung erfolgte. Da der Hügel nach Norden, Osten und Westen steil abfällt, musste dieser im flacheren Südhang zu suchen sein. Dort war angeblich bereits 1953 durch den Prähistoriker Osmund Menghin ein Weg gefunden worden. Da diese Grabungen jedoch nie publiziert wurden und die alte Grabungsdokumentation dazu verschollen ist, konnte dem bislang nie weiter nachgegangen werden.

In den vergangenen Jahrzehnten waren am gesamten Südhang ohne archäologische Begleitung Wohnhäuser errichtet worden. Nur zwei Parzellen im östlichen Bereich blieben frei und im Vorfeld eines weiteren im Frühjahr 2020 geplanten Hausbaues wurden daher durch das Bundesdenkmalamt dort durchzuführende archäologische Untersuchungen angeordnet. Da die Zeit drängte, wurden die Arbeiten trotz Corona-Krise durch Florian Müller und sein Team im April und Mai vorgenommen.

In zwei langen Suchschnitten konnten unter massiven Steinverstürzen mehrere Terrassen im Hang festgestellt werden. Die nördlichste war offensichtlichen bewusst zur Anlage eines Weges errichtet worden. „Dieser stieg von Ost nach West leicht an, dürfte etwa zwei Meter breit gewesen sein und bestand aus einer sorgfältig verlegten Rollierung aus faustgroßen Steinen“, berichtet Müller. Zur Hangkante war er gegen ein Abrutschen durch große Steine gestützt. Bei den Grabungen fanden sich zudem zahlreiche Fragmente verzierter eisenzeitlicher Keramik, ein Webgewicht, Tierknochen sowie eine eiserne Lanzenspitze. Nach genauer Dokumentation und Aufnahme der freigelegten Befunde wird in Kürze der Hausbau starten. Auf Basis der Orientierung des exakt vermessenen Weges soll nun aber weiter geklärt werden, wo dieser genau in die eigentlichen Siedlungsterrassen oben am Hügel einmündete und wie dieser Bereich ursprünglich einmal architektonisch, möglicherweise in Form einer Toranlage, ausgestaltet war.

Für Juli ist die Fortsetzung der regulären Forschungsgrabungen im eigentlichen Siedlungsbereich geplant, bei der zwei im Vorjahr entdeckte eisenzeitliche Gebäude weiter untersucht werden sollen. Diese Arbeiten finden gleichzeitig als Lehrgrabung statt, bei der über ein Dutzend junger Studierender archäologische Grabungspraxis im Rahmen ihrer Ausbildung sammelt.

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