Schön­heit vor Weis­heit: Sonder­aus­stellung eröff­net

Am 26. September wurde die Sonder­ausstellung „Schönheit vor Weisheit. Das Wissen der Kunst und die Kunst der Wissen­schaft“ anlässlich des 350-jährigen Jubiläums der Universität Innsbruck in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen eröffnet. Die Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum setzt sich mit dem Verhältnis zwischen Kunst und Wissenschaft auseinander.
Blick in die Sonderausstellung „Schönheit vor Weisheit. Das Wissen der Kunst und die Kunst der Wissenschaft“, bis 1. März 2020 im Ferdinandeum
Bild: Das Kunstprojekt FUTUR II, PRAESENS, GADGET, 2013/2016 ist Teil der Sonderausstellung „Schönheit vor Weisheit“. (Credit: Günter Richard Wett)

Kunst und Wissenschaft sind zwei Bereiche, die sich sowohl ergänzen als auch in Wettstreit miteinander treten. Der Grenzbereich, in dem sie aufeinander treffen und sich gegenseitig beeinflussen, eröffnet ein spannendes Feld. In der Sonderausstellung „Schönheit vor Weisheit“ wird dieses beleuchtet und diskutiert. Die Werke von mehr als dreißig Kunstschaffenden, die in der Sonderausstellung gezeigt werden, verbinden die gegenwärtige künstlerische Praxis mit der wissenschaftlichen Arbeit der letzten Jahrhunderte. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Bruchlinien beleuchtet, die an unterschiedlichen Institutionen und Orten untersucht werden: von der Kunstgeschichte über die Psychologie bis zur Biologie und Quantenphysik. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen treten mit Künstlerinnen und Künstlern in einen Dialog und stellen eingeübte Denk- und Deutungsmuster auf die Probe. Diese Annäherung von Kunst und Wissenschaft stellt historisch gewachsene Grenzen in Frage, Narrative des eigenen Han­delns werden destabilisiert. Es öffnen sich neue gedankliche Räume. Unterstützt von den vielfältigen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen und der Universität Innsbruck werden diese präsentiert.

 

In einem Pressegespräch informierten (v.l.) Helena Pereña (Tiroler Landesmuseen, KuratorInnenteam), Wolfgang Meighörner (Direktor der Tiroler Landesmuseen), Uwe Steger (Pressesprecher der Universität Innsbruck) und Christoph Bertsch (Universität Innsbruck, KuratorInnenteam) über die Sonderausstellung und das Rahmenprogramm. Bild: Universität Innsbruck


Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die intensive Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wissenschaft ist etwa in der künstlerischen Arbeit von Thomas Feuerstein erkennbar, dessen Kunstprojekt „FUTUR II“ sich mit naturwissenschaftlichen Praktiken auseinandersetzt, oder in Lois Weinbergers „Debris Field – Erkundungen im Abgelebten“, das aus den Bereichen Ethnologie und Archäologie schöpft. Weinberger arbeitet für dieses Projekt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Innsbruck zusammen. Die Werke des international renommierten Tiroler Konzeptkünstlers werden nach der documenta in Athen erstmals in Österreich gezeigt. Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand veranschaulichen Aspekte der Quantenphysik auf spannende Weise. Bei all diesen Werken verschieben sich die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft permanent. Die Besucherinnen und Besucher erwarten eine beeindruckende Erzählung beider Bereiche, hervorragende künstlerische und wissenschaftliche Objekte, Bezüge und Gegensätze und im Begleitbuch zur Ausstellung eine methodische Durchdringung dieser Fragestellung von den derzeit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Ferdinandeum: Dauerausstellung integriert

Einige der Räume der Dauerausstel­lung im Ferdinandeum haben sich im Rahmen des Projektes verwandelt. Daraus ergeben sich etwa neue Aspekte im Dialog zwischen älterer und zeitgenössischer Kunst, zwischen den Beständen des Museums und aktuellen Positionen. Auch wenn es sich dabei zum Teil nur um minimale Eingriffe handelt, erzeugen diese eine neue Sichtweise auf das historische Material. Eine Videoinstallation mit Gesprächen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Künstlerinnen und Künstlern verdeutlicht die Dialoge und Brüche. Viele Fragen werden aufgeworfen, unterschiedliche methodische Ansätze und Sichtweisen auf die Welt und das Leben sind zu hören.

Museum öffne dich!

Die Universität ist mit der Sonderausstellung für ein Semester lang Gast im Ferdinandeum. Ausgehend vom Arbeitsbereich Architekturtheorie, unter der Leitung von Bart Lootsma, finden regelmäßig Lehrveranstaltungen im Museum statt. Die daraus entstehenden studentischen Arbeiten werden in die Sonderausstellung integriert.  Zur Ausstellung gehört zudem die „Aula Ferdinandeum“, eine Mischung aus konventionellem Veranstaltungsraum, offenem Wissensraum, Bibliothek und Ort der Kommunikation. Mehr als 30 gemeinsame, kostenlos zugängliche Veranstaltungen vermit­teln zentrale gesellschaftliche Fragestellungen ebenso wie künstlerische und wissenschaftliche Positionen. Tagungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen moderiert von Markus Sommersacher, künstlerische Performances, Filme, Führungen von Künstlerinnen und Künstlern und Workshops ergänzen und berei­chern die Sonderausstellung, die sich als Laboratorium, als Diskussions­plattform und Ideengeber sieht. In der Gesprächsreihe „WissenschaftlerInnen im Gespräch“ erzählen 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität von ihrer Arbeit und ihrem Leben, Studierende präsentieren in der „Aula Ferdinandeum“ ihre Abschlussarbeiten.

Der Auftakt zur Reihe „WissenschaftlerInnen im Gespräch“ findet bereits am 25. Oktober statt:  Georg Kaser (Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften) und Józef Niewiadomski (Institut für Systematische Theologie) diskutieren von 18 bis 20 Uhr im Ferdinandeum. Die insgesamt acht Gesprächsrunden mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Uni Innsbruck werden von Markus Sommersacher moderiert und sind kostenlos zugänglich.

 

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