Sich aus der Masse abheben

Raus aus der Masse

Ein Hochschul­studium allein ist noch kein Garant für gut dotierte Jobs. Julia Brandl, Professorin für Personal­politik an der Uni Innsbruck, hat gemeinsam mit ihrem Team den Stellenmarkt für Absolventinnen und Absolventen eines Informatik­studiums analysiert. Ihre Ergebnisse zeigen, dass zusätzlich Management­kompetenzen, Mobilität und ein Blick über die IT-Branche hinaus wichtig sind.

Der Arbeitsmarkt in der Informations- und Kommunikations­technologie­branche boomt und Fachkräfte sind heiß umkämpft. „Dass die Absolventinnen und Absolventen eines Informatikstudiums an der Uni Innsbruck einen Arbeitsplatz bekommen, ist gewiss. Wie gut dieser dann tatsächlich dotiert ist, hängt von weiteren Faktoren ab“, erklärt Julia Brandl. Die Wissenschaftlerin untersucht gemeinsam mit ihrem Team um Levent Yilmaz, Anna Schneider, Bianca Schönherr und Gabriela Gateva den Onlinestellenmarkt in diesem Bereich. Dabei gingen sie der Frage nach, welche Kompetenzen von zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwartet werden und wie sich diese und weitere Faktoren auf das Jahresbruttoeinkommen auswirken. Diese Fragestellungen wurden in Analysen des Online-Stellenmarktes vom Arbeitsbereich Human Resource Management an der Uni Innsbruck beantwortet. Als Basis dienten dem Team über 3.500 Stellenausschreibungen aus 2015, vorwiegend aus Online-Portalen und den Inseraten auf den firmeneigenen Homepages. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik und beauftragt vom Career Center der Uni Innsbruck haben die Expertinnen und Experten diese Studie im vergangenen Jahr durchgeführt. „Unser Ziel war es auch, den Studierenden eine Informationsgrundlage für ihr Studium und den Möglichkeiten am Arbeitsmarkt zu geben“, so Levent Yilmaz.

Mobilität und Offenheit

Reisebereitschaft, selbstständiges Arbeiten, Teamfähigkeit oder interpersonale Kompetenzen sind nur ein paar der Schlagworte, die in Stellenanzeigen vermehrt aufscheinen. Das tatsächliche Fachwissen scheint auf den ersten Blick keine so zentrale Rolle zu spielen. „Sieht man sich beispielsweise eine Stellenausschreibung für einen SAP-Berater oder eine SAP-Beraterin an, dann entsteht der Eindruck, als könnten alle Interessierten die Managementkompetenzen mitbringen, die Anforderungen an den Job erfüllen und die SAP-Kenntnisse würde man schon irgendwie erlernen. So ist es natürlich nicht“, verdeutlicht Brandl. Ergebnis ihrer Untersuchungen war es jedoch, dass Unternehmen in den Jobbeschreibungen vermehrt auf zusätzliche Kompetenzen wert legen, um Menschen zu finden, die sich über die fachlichen Kenntnisse hinaus von Mitbewerberinnen und Mitbewerbern absetzen. Auch die Bereitschaft zum Ortswechsel für einen Arbeitsplatz sowie die Offenheit für andere Branchen seien für IT-Spezialistinnen und IT-Spezialisten rentabel. „In unseren Analysen konnten wir zeigen, dass das durchschnittliche Einkommen in Salzburg unter dem von Tirol liegt. Auf der anderen Seite kann es sich für Absolventinnen und Absolventen monetär durchaus rentieren, sich in Graz nach Jobs umzusehen“, so die Personalforscherin, die für einen offenen Blick bei der Standortwahl plädiert. Zudem weisen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf hin, dass es nicht ratsam sei, sich nur auf eine Branche zu konzentrieren. „Die IT-Branche mit den großen Arbeitgebern wie SAP, Microsoft, Google oder Siemens sind nicht die einzigen Möglichkeiten für Absolventinnen und Absolventen, einen Job zu ergattern“, erklärt Yilmaz. Im Gegenteil würde gerade die Automobil- und Automobilzuliefererindustrie IT-Fachkräfte suchen. Im Untersuchungszeitraum von neun Monaten waren in diesem Bereich ein Fünftel aller IT-Jobs ausgeschrieben. Erst danach kamen Stellenausschreibungen im eigentlichen Kernbereich der Informationstechnologien.

Kein Tunnelblick

Brandl und ihr Team machen die Studierenden darauf aufmerksam, dass sie sich nicht nur auf die technischen Kernfächer konzentrieren sollen, sondern dass sich ein Blick über den Tellerrand hinaus in die Managementkompetenzen auch finanziell rentieren wird. „Während ihrer Zeit auf der Uni wird von den Studierenden erwartet, dass sie in Seminaren, Gruppenarbeiten oder außerhalb der Universität Kompetenzen in der Koordination einer studentischen Arbeit, interpersonale Kenntnisse oder im Management erwerben“, so Yilmaz, der betont, dass man nicht für alle zusätzlichen Qualifikationen ein Zertifikat ausgestellt bekommt. Trotzdem sind es genau diese Fähigkeiten, die speziell bei besser dotieren Stellen von den Personalchefs zur Vorauswahl von Kandidatinnen und Kandidaten genutzt werden. Von den notwendigen fachspezifischen Kompetenzen können sich nach der ersten Selektion in der Personalabteilung die zuständigen Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter selbst überzeugen. Brandl und ihr Team weisen eindrücklich darauf hin, dass sich außeruniversitäre Aktivitäten, Sprachenkenntnisse oder zusätzlich erworbene Kenntnisse im Management auch positiv am Lohnzettel auswirken werden.


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