Preis für Histo­rikerin Brigitte Mazohl

Die Stiftung „Walther-von-der-Vogelweide-Preis“ würdigte die Historikerin Brigitte Mazohl mit dem Hauptpreis 2016. Die Forscherin wurde für ihr herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet. Ihr Hauptthema ist die Geschichte der Habsburgermonarchie und Italiens im „langen“ 19. Jahrhundert.
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Bild: Historikerin Brigitte Mazohl (Credit: Florian Lechner)

Brigitte Mazohl, geboren 1947 in Bozen, ist eine der ersten Frauen aus Südtirol, denen es gelungen ist, eine universitäre wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Ihr Ausbildungsweg führte sie nach Salzburg und nach Wien. Sie studierte Geschichte und Publizistik. Ihre Dissertation (1971) behandelte das Thema „Die Autonomiebestrebungen im Trentino 1848/49“. Nach ihrer Promotion folgten Forschungsaufenthalte am Österreichischen Kulturinstitut in Rom, an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und in Mainz am Institut für Europäische Geschichte. Ihre universitäre Laufbahn und Lehrtätigkeit begann sie als Assistentin in Salzburg, wo sie sich 1986 zum Thema „Österreichischer Verwaltungsstaat und administrative Eliten im Königreich Lombardo-Venetien 1815–1859“ habilitierte. Ihre Vertrautheit mit der Kultur und Sprache beider Länder befähigten sie in besonderer Weise, die österreichisch-italienischen Beziehungen und Konfliktlagen zu vertiefen. Nach Forschungsaufenthalten in Venedig und Florenz war sie als Gastprofessorin an den Universitäten Innsbruck und Klagenfurt tätig. 1993 erhielt sie die Berufung als Ordinaria für österreichische Geschichte an die Universität Innsbruck, wo sie von 1993 bis 2015 lehrt. Daneben hatte sie zahlreiche Leitungsfunktionen inne, darunter die Leitung des Instituts für Geschichtswissenschaften (1996–1998 und 2005–2013) und zwischen 2012 und 2015 die (stellvertretende) Leitung des Forschungsschwerpunkts „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“.

Schwerpunkte ihrer Forschungsarbeit liegen im Bereich der österreichischen, deutschen und italienischen Geschichte in der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und dem Ersten Weltkrieg und greifen im Besonderen Aspekte von Recht, Verwaltung und Politik, von Herrschaft und Kommunikation auf. Mit besonderer Aufmerksamkeit widmet sie sich in zahlreichen Arbeiten und Publikationen der Frauen- und Geschlechtergeschichte, aber auch der Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte. Mit großem Engagement war und ist sie in verschiedenen Einrichtungen tätig und präsent, unter anderem von 2003 bis 2008 als Referentin für Geschichtswissenschaften im Kuratorium des FWF, seit 2008 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dort seit 2013 Präsidentin der Philosophisch-Historischen Klasse, weiters ist sie in Innsbruck Sprecherin des Internationalen Graduiertenkollegs: "Politische Kommunikation von der Antike bis zur Gegenwart".

Der Hauptpreis „Walther von der Vogelweide“ wurde ihr am 21. Oktober im Bozner Waltherhaus vom Vorsitzenden des Stiftungsrates Dr. Eduard Höcherl und vom Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes Johannes Eigelsreiter überreicht. Die Laudatio hielt die Historikerin Margret Friedrich. Der Walther-von-der-Vogelweide-Preis wurde 1960 vom Kulturwerk für Südtirol in München zur Anerkennung wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen in Südtirol gestiftet. Der Hauptpreis wird alle drei Jahre vergeben und ging zuletzt 2013 an Helmut Stampfer.


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