ÖAW-Preise für Inns­brucker Physik

Francesca Ferlaino erhielt für die Erschließung des neuen Forschungsbereichs der dipolaren Quantengase am Dienstag den Erwin Schrödinger Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Wolfgang Lechner wurde für seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Quantenoptik, insbesondere zur Quantum Annealing Architecture, mit dem Hans und Walter Thirring-Preis ausgezeichnet.
Francesca Ferlaino und Wolfgang Lechner
Bild: Francesca Ferlaino und Wolfgang Lechner (Credit: Martin Vandory/Uni Innsbruck)

Am 21. November verlieh die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien ihre höchsten Preise und Auszeichnungen. Mit Francesca Ferlaino wurde eine international führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Quantengase geehrt. In den vergangenen Jahren ist es ihr und ihrem Team gelungen, bahnbrechende Experimente im Bereich ultrakalter Quantengase durchzuführen. Francesca Ferlaino ist eine Pionierin auf dem Gebiet von Quantengasen mit dipolaren magnetischen Wechselwirkungen. Ihr ist es erstmalig gelungen, ein quantenentartetes Erbiumgas zu erzeugen und magnetische Wechselwirkungen in einem optischen Gitter nachzuweisen. Aufbauend auf Arbeiten von Physikern der Universität Stuttgart ist Francesca Ferlaino mit der Beobachtung von Quantentropfen ein wesentlicher Schritt auf dem Gebiet der Quantengase gelungen. Diese Systeme unterscheiden sich von allen bisherigen dadurch, dass sie sich selbst in ihrer Form stabilisieren und die Atome nicht durch eine Falle zusammengehalten werden müssen. Dies eröffnet völlig neue Perspektiven, wie z.B. selbst-organisierende Quantensysteme. Die Publikationen von Francesca Ferlaino zu diesen Forschungen zählen zu den weltweit einflussreichsten, die in den letzten Jahren auf dem sehr dynamischen Gebiet der Quantengase veröffentlicht worden sind.
Francesca Ferlaino hat an der Universität Neapel Federico II Physik studiert. Das Diplomstudium schloss sie 2000 mit einer theoretischen Arbeit zu Bose-Einstein-Kondensaten ab, die in Neapel und an der International School for Advanced Studies (SISSA) in Triest entstand. Sie wendete ihr Forschungsinteresse dann der Experimentalphysik zu und promovierte am European Laboratory for Non-linear Spectroscopy (LENS) in Florenz. Francesca arbeitete an der ersten Realisierung eines Quantengases von Atomen verschiedener chemischer Elemente mit. 2007 kam sie nach Innsbruck, wo sie zunächst als Gastwissenschaftlerin, dann als Postdoc und Lise-Meitner-Fellow tätig war. Seit 2014 ist Francesca Ferlaino Professorin für Atomphysik an der Universität Innsbruck und wissenschaftliche Direktorin am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI).
Die 39-jährige Wissenschaftlerin wurde bereits vielfach für ihre Leistungen ausgezeichnet, so mit dem Antonio-Feltrinelli-Nachwuchspreis in Physik, der Nominierung für eine Alexander-von-Humboldt-Professur, dem Ignaz L. Lieben-Preis, dem Wissenschaftspreis der Stadt Innsbruck und dem Fritz-Kohlrausch-Preis. Sie erhielt außerdem den START-Preis sowie einen ERC-Starting Grant und einen ERC-Consolidator-Grants.

Thirring-Preis für Quantentheoretiker

Der Hans und Walter Thirring-Preis wurde für hervorragende Leistungen aus allen Bereichen der Physik vergeben. In diesem Jahr ging diese Auszeichnung an Wolfgang Lechner vom Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck und dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Die Auszeichnung würdigt besondere Leistungen in zwei unterschiedlichen Arbeitsgebieten: einerseits der Physik der weichen kondensierten Materie und andererseits beschäftigt sich Wolfgang Lechner mit aktuellen Fragestellungen der Quantenoptik und Quanteninformation. Seine Arbeiten resultierten 2015 in einer neuen Quantum Annealing Architektur, die einen Durchbruch auf diesem Gebiet darstellt. Die Architektur erlaubt es, einen voll programmierbaren und skalierbaren adiabatischen Quantencomputer zu realisieren. Dabei werden nicht wie bisher die Wechselwirkungen zwischen Quantenbits programmiert, sondern lokale Felder, die auf Quantenbits wirken. Weiters sind alle Wechselwirkungen auf die nächstgelegenen Quantenbits beschränkt, was essentiell ist, um den Quantencomputer skalierbar zu machen.
Wolfang Lechner hat 2009 das Doktoratsstudium im Fach Physik an der Universität Wien bei Christoph Dellago abgeschlossen; von 2009-2011 hatte er eine Postdoc-Stelle am Van´t Hoff Institute for Molecular Science der Universität Amsterdam. Im Frühjahr 2011 kehrte Wolfgang Lechner nach Österreich zurück und wurde Postdoc in der Gruppe von Peter Zoller. Seit 2013 arbeitet Wolfgang Lechner als Senior Scientist am IQOQI und ist seit 2017 START Preisträger und Assistant Professor an der Universität Innsbruck, wo er eine unabhängige Forschungsgruppe leitet. 

Vizerektorin Ulrike Tanzer mit Francesca Ferlaino und Wolfgang Lechner (Foto: Daniel Hinterramskogler)

 


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