Leben­de Skulptur im Centre Pom­pidou

Im weltberühmten Centre Pompidou in Paris wird seit 20. Februar ein Objekt der Architektin Claudia Pasquero im Rahmen der Ausstellung „La Fabrique du Vivant“ präsentiert. Die Professorin für Landschaftsarchitektur am Institut für Städtebau und Raumplanung arbeitet dabei mit Bakterien, die sich in 3D-gedruckten Formationen befinden.
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Bild: In der Skulptur H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g leben und gedeihen Cyanobakterien. (Credit: NAARO)

Die Ausstellung „ La Fabrique du Vivant“ beschäftigt sich mit Fragen von Leben im digitalen Zeitalter. Die Ausstellung ist Teil der „Mutations-Créations“-Serie, kuratiert von Marie-Ange Brayer und Olivier Zeitoun: Sie zeichnet die Archäologie des Lebens und künstlicher Lebenssysteme nach. Die Kuratoren gehen davon aus, dass im digitalen Zeitalter eine neue Wechselwirkung zwischen der Schöpfung und den Bereichen Life Science, Neurowissenschaften und synthetischer Biologie entsteht. Der Begriff „Leben“ nimmt eine neue Form der Künstlichkeit an, die die gesamte Urbansphäre durchdringt - den globalen Apparat der zeitgenössischen Urbanität.

Cyanobakterien 

In diesem Zusammenhang hat ein multidisziplinäres Team unter der Leitung von Professorin Claudia Pasquero und Dr. Marco Poletto einen „In-Human-Garten“ geschaffen. Dabei handelt es sich um eine 3D-gedruckte lebende Skulptur, die für menschliches und nicht-menschliches Leben empfänglich ist. „H. O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g“ konfrontiert mit Diktaten menschlicher Rationalität die Auswirkungen der Nähe zur bio-künstlichen Intelligenz. Die Skulptur wurde in „Zusammenarbeit“ mit lebenden Organismen entwickelt, insbesondere Kolonien von photosynthetischen Cyanobakterien. Deren Handlung wird durch räumliche Substrukturen vermittelt, die von den Künstlern entwickelt wurden, während sie biologische Modelle der Endosymbiose studierten. Diese Strukturen werden algorithmisch entworfen und mittels großflächiger, hochauflösender 3D-Drucktechnologie hergestellt. Die Skulptur soll ein spekulativer Prototyp für lebende Architektur im Maßstab 1:1 sein, eine neue Generation von dicken Architekturhäuten, die für das urbane Leben empfänglich sind. 

Bildergalerie
(Credit bei allen Bildern: NAARO)

Biodigitale Architektur

Mit H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g simuliert ein digitaler Algorithmus das Wachstum eines von Korallen inspirierten Substrats. Diese wird von 3D-Druckern in Schichten von 400 µm physisch abgeschieden, von dreieckigen Einheiten mit 46 mm unterstützt und in sechseckige Blöcke von 18,5 cm unterteilt. Photosynthetische Cyanobakterien werden auf einem Biogel-Medium in die einzelnen dreieckigen Zellen oder Biopixel geimpft und bilden die Einheiten der biologischen Intelligenz des Systems. Ihr Metabolismus, der durch Photosynthese angetrieben wird, wandelt Strahlung in Sauerstoff und Biomasse um. Der Dichtewert jedes Biopixels wird digital berechnet, um die photosynthetischen Organismen entlang der Isoflächen einer verstärkten einfallenden Strahlung optimal anzuordnen. Unter den ältesten Organismen der Erde wird die einzigartige biologische Intelligenz von Cyanobakterien als Teil einer neuen Form der biologisch digitalen Architektur gesammelt. Im Frühjahr 2019 wird H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g im MAK - Museum für angewandte Kunst in Wien ausgestellt.  

Credits des Projekts:

H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g, 2019, 3d gedrucktes Substrat, Mikroalgen in Biogel-Medium, Größe 320 x 272 x 114 cm
Design: ecoLogicStudio (Claudia Pasquero, Marco Poletto, Konstantinos Alexopoulos, Matteo Baldissarra, Michael Brewster)
Forschungs- und Kooperationspartner für 3D Druck-Systeme und Produktionsentwicklung: Synthetic Landscape Lab am Institut für Städtebau und Raumplanung der Universität Innsbruck (Prof. Claudia Pasquero, Maria Kuptsova, Terezia Greskova, Emiliano Rando, Jens Burkart, Niko Jabadari, Simon Posch); Photosynthetica consortium (www.photosynthetica.co.uk)
Forschungspartner für 3D Drucksysteme und Produktionsentwicklung: CREATE Group / WASP Hub Denmark - University of Southern Denmark (SDU) (Prof. Roberto Naboni, Furio Magaraggia)
Technik und Arrangement: YIP structural engineering, Manja Van De Worp
Mikro-Algen Medien, Material Support: Ecoduna AG
3D Druck Material Support: Extrudr

(Caroline Pichler/Ingomar Hafele/red)

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