Kontro­verse De­batten über die Zukunft von Bitcoin und Co.

Beim Bitcoin-Symposium des BAFIT-Netzwerkes vergangenen Donnerstag gewährten führende Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Regulierung einen holistischen Blick auf die Zukunft von Bitcoins und Blockchains. Dabei räumten sie unter anderem mit gängigen Irrtümern auf und debattierten auch kontrovers über deren Nutzen.
Bitcoin Symposium
Bild: Das Symposium wurde von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Steckel, Univ.-Prof. Dr. Matthias Bank und Dipl.-Inform. Christoph Holz von der Wirtschaftskammer eröffnet, welche die eingeladenen Speaker vorstellten und die anwesenden Gäste begrüßten. (Credit: Uni Innsbruck)

Das Symposium fand einen breiten Anklang. Die 180 Sitzplätze im Kaiser-Leopold-Saal waren bis auf den letzten Platz besetzt. Ermöglicht wurde das BAFIT-Symposium auch durch Unterstützung der Wirtschaftskammer Tirol, welche als Co-Sponsor fungierte. Rudolf Steckel, Professor für Wirtschaftsprüfung und Vorstand des Instituts für Rechnungswesen, Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung, Matthias Bank, Professor für Bankwirtschaft und Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft sowie Christoph Holz, Fachgruppenobmann für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT der Wirtschaftskammer Tirol, eröffneten das Symposium. Sie stellten die Speaker, Roman Beck von der IT University of Copenhagen, Paul Pichler von der Österreichischen Nationalbank, Thomas Schneckenleitner von der Finanzmarktaufsicht (FMA) und Allan Hansen, Mitgründer des Start-Ups Braveno, vor.

Drei Tiroler in Singapur

Als erster Speaker trat im Anschluss daran Prof. Dr. Roman Beck von der IT University of Copenhagen auf, welcher zugleich Berater mehrerer Regierungen ist. In seinem Vortrag zeichnete Beck insgesamt ein positives Bild von Bitcoin und Co. So stellte er Bitcoins vor und zeigte, wie diese Geld in seiner bisherigen Form in Frage stellen und zu einem Wettbewerb der Systeme führen. Im Anschluss daran ging er auf verschiedene Arten von Blockchain ein und veranschaulichte deren Anwendungsmöglichkeiten jenseits des Finanzsystems, beispielsweise beim autonomen Fahren oder zur Bekämpfung von Menschenhandel und Überfischung. Dabei räumte er auch mit dem häufigen Irrtum auf, dass Blockchains anonym seien. Vielmehr sind sie lediglich Pseudonym und eine Nachverfolgung der Transaktionen ist durchaus möglich. Abschließend ging er auf ungeklärte technische und regulatorische Fragen in Zusammenhang mit Blockchains ein. Dabei verwies er auf erhebliche Hürden, welchen Start-Ups bei Geschäftsgründungen in diesem Bereich in Europa gegenüberstehen. Dies führt wiederum dazu, dass diese häufig in Drittländer abwandern, wie beispielsweise ein Tiroler Start-Up, welches nach Singapur übersiedelte. Er sprach sich deshalb dafür aus, zügig Rechtssicherheit in Europa zu schaffen, damit die Entwicklungen und die damit einhergehende Wertschöpfung auch hier stattfinden.

Erwartungen an die Blockchain überzogen

Zweiter Speaker des Symposiums war assoz. Prof. Dr. Paul Pichler von der Österreichischen Nationalbank, welcher zugleich an der Universität Wien tätig ist. Den Fokus seines Vortrages legte er auf den Einsatz von Bitcoin als Zahlungsmittel, welche er dem Euro gegenüberstellte. Dabei argumentierte er, dass mit dem Euro bereits ein modernes, digitales und wertstabiles Zahlungsmittel zur Verfügung steht, welches kontinuierlich weiterentwickelt wird. Demgegenüber seien Bitcoins historisch betrachtet wertinstabil, was grundsätzlich zu einer geringeren Akzeptanz als Zahlungsmittel führt. Des Weiteren argumentierte er, dass Bitcoins zudem ineffizient sind und deshalb als Zahlungsmittel im großen Stil nicht zu gebrauchen seien. Zum Abschluss ging er noch auf weitere Anwendungen der Blockchain im wirtschaftlichen Handel ein. Dabei stellte er einmal mehr deren Nutzen in Frage und argumentierte, dass die Erwartungen daran häufig überzogen sind. Seiner Ansicht nach erfüllen Intermediäre wie Notare reichhaltigere Funktionen als Blockchains, so dass diese auch in Zukunft keineswegs obsolet werden.

Bitcoin in Österreich kein Finanzinstrument

Dritter Redner war Thomas Schneckenleitner von der Kontaktstelle FinTech von der Finanzmarktaufsicht (FMA). In seinem Vortrag ging er auf die rechtlichen Aspekte virtueller Währungen ein. So berichtete er, dass Bitcoins in Österreich im Unterschied zu Deutschland kein Finanzinstrument sind. Entscheidend für die Regulierung sei immer, dass es einen Emittenten gibt, was bei Bitcoins nicht der Fall ist. Andere Kryptowährungen, welche im Rahmen von sog. „Initial Coin Offerings“ (ICOs) zur Unternehmensfinanzierung ausgegeben werden, können aber sehr wohl der Regulierung unterliegen. Dabei adressierte er auch das gängige Vorurteil, dass die Finanzmarktaufsicht grundsätzlich eine ablehnende Haltung gegenüber virtuellen Währungen habe. So stellte er heraus, dass die Aufgabe der FMA ist, die Einhaltung bestehender Gesetze zu sichern, unabhängig von der zugrundeliegenden Technologie. Welchen Gesetzen ein ICO unterliegt, ist immer von der spezifischen Ausgestaltung der ICOs im Einzelfall abhängig, d.h. welche Rechte und Pflichten der Emittenten und Käufer damit verbunden sind.

Blockchains für transparentere Finanzmärkte

Als letzter Speaker des Symposiums trat Allan Hansen auf, Mitgründer des Start-Ups Braveno. Er berichtete davon, wie nach seinem Informatikstudium sein Interesse an Finance geweckt wurde, nachdem Freunde und Verwandte von ihm herbe, finanzielle Verluste im Zuge der Finanzkrise vor 10 Jahren einbüßen mussten. Inzwischen arbeitet Hansen bei Braveno und Juno, zwei Start-Ups, deren Geschäftsidee es ist, bestehende Lücken in der Infrastruktur des Finanzsystems durch Blockchain-Technologien zu lösen. Er veranschaulichte dies am Beispiel von sog. Asset-Backed-Securities, mit denen an und für sich illiquide Vermögenswerte handelbar gemacht werden. Ein Problem dieser Finanzinstrumente ist es, dass bei einer mehrfachen Verbriefung nicht mehr nachvollziehbar ist, welche Vermögenswerte ihm eigentlich zu Grunde liegen. Blockchains bieten hier die Möglichkeit, den Verbriefungsprozess nachvollziehbar und transparent zu machen.


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