In der Ver­gan­gen­heit graben

Armenien ist reich an kulturellen Hinterlassenschaften und archäologischen Stätten. Sandra Heinsch und Walter Kuntner kennen die archäologische Vielfalt des Landes bereits seit über 15 Jahren und bieten Interessierten die Möglichkeit, ihr Wissen vor Ort zu erweitern. Auch im kommenden Herbst ist eine mehrwöchige Summer School in Armenien geplant.
Grabung in Aramus
Bild: Armenien liegt im Bergland zwischen Georgien, Aserbeidschan, dem Iran und der Türkei und birgt noch zahlreiche Schätze. (Credit: Heinsch-Kuntner)

In Aramus, ein Dorf in der Nähe von Jerewan in Armenien, befindet sich der Ausgrabungsort, an dem Sandra Heinsch und Walter Kuntner schon viele Jahre archäologische Forschungen betreiben. Auf einem Areal von etwa zehn Hektar erstreckte sich in der Eisenzeit von etwa 1500 v.Chr. bis 500/400 v.Chr. eine gigantische Festung, deren wissenschaftliche Untersuchung die Bedeutung des Königreichs von Urartu zeigen soll. „Das Königreich Biainili-Urartu war eine altorientalische Großmacht. Die Geschichte, sowie die charakteristischen materiellen Hinterlassenschaften dieses Königreiches bilden die wichtigsten chronologischen Referenzpunkte für die Forschung zur Eisenzeit Transkaukasiens, das Gebiet der heutigen Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Ungeachtet dessen sind sowohl die Entstehung Biainili-Urartus, als auch die Ursachen und Folgen seines Untergangs ungelöste Fragen“, erläutert Walter Kuntner, der gemeinsam mit Sandra Heinsch und ihrem Team die Vermutung hegt, dass sich die Ereignisse in der Geschichte anders zugetragen haben, als schriftliche Quellen bisher vermuten lassen. Ergänzend zu wissenschaftlichen Untersuchungen engagieren sich die Expertinnen und Experten auch für das Cultural Heritage in dieser Region. „Im Rahmen der Archäologischen Schule vermitteln wir Studierenden aber auch interessierten Laien einfache und kostengünstige Methoden, wie etwa Open Source Software, mit denen sie zumindest semi-professionelle 3D-Aufnahmen von Denkmälern in der Region fertigen können. Die dafür notwendige Rechenleistung wird durch die Teilnahme am Forschungsschwerpunkt ‚Scientific Computing‘ an der Universität Innsbruck abgedeckt“, so der Archäologe. Die gewonnen Daten  sind über eine öffentlich zugängliche Datenbank allen Forschenden, aber auch am Thema Interessierten zugänglich. Im Rahmen von Forschungs- und Lehrtätigkeiten in diesem Gebiet, unterrichten die Archäologin und der Archäologe von der Uni Innsbruck nicht nur Studierende des Faches, sondern auch Archäologie-Interessierte, die nicht an der Universität inskribiert sind. Im Rahmen der universitären Weiterbildung erhalten auch Laien Zugang zu ihrem Wissen und bekommen die Möglichkeit, vor Ort an Grabungen teilzunehmen.

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Im kommenden Herbst ist eine mehrwöchige Summer School in Armenien geplant. (Bild: Archäologische Schule)

Summer School in Armenien

Im September ist eine dreiwöchige Summer School im Grabungsgebiet in Aramus, in Armenien, geplant. „Unter dem neuen Label ‚Summer School‘ ist es auch möglich, Zertifikate der Uni Innsbruck auszustellen und den Teilnehmenden eine Anrechnung der Lehrveranstaltung an ihrer Universität zu gewährleisten“, so Kuntner. Eine archäologische Vorerfahrung sei dafür sehr wünschenswert, allerdings nicht unbedingt notwendig. Sandra Heinsch und Walter Kuntner freuen sich auch über die Teilnahme von interessierten Laien an der Grabung. „Die Vernetzung zwischen Forschung, Hochschullehre, Wirtschaft und Studierende hat sich als ausgezeichnete Kombination erwiesen, um mit der raschen Innovationsdynamik der archäologischen Methodik Schritt halten zu können. Die praxisorientierte Ausbildung, an der seit Projektbestehen über 300 Studierende aus aller Welt mit Erfolg teilgenommen haben, soll den Einstieg in die Arbeitswelt vor allem auch dadurch erleichtern, dass die Vielfalt der Berufsmöglichkeiten dargelegt wird, die weit über das ‚einfache‘ Graben hinaus gehen“, verdeutlichen die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler, die sich nicht nur für die Forschung, sondern auch für die verstärkte Mobilität von Studierenden zwischen den Ländern einsetzen.

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