Große welt­weite Nach­frage nach Doktorats­pro­grammen

International besetzt werden 27 Marie-Skłodowska-Curie-Stellen für den Forschungsnachwuchs im Rahmen von zwei Doktoratsprogrammen an der Universität Innsbruck. Im Rahmen einer gemeinsamen Kick-off-Veranstaltung präsentierten sich die beiden Programme mit ihren zukünftigen Schwerpunkten.
Die Sprecher der neuen Doktoratsprogramme
Bild: Vizerektorin Ulrike Tanzer mit den Sprechern der beiden Doktoratsprogramme (Credit: Uni Innsbruck)

Die Europäische Union fördert im Rahmen der Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) wissenschaftliche Karrieren unter besonderem Augenmerk auf offenen Austausch zwischen Ländern, zwischen gesellschaftlichen Sektoren und zwischen Fachdisziplinen. Eine tragende Rolle sowohl für die Entwicklung der Wissenschaft an sich als auch für die Entwicklung einzelner Karrieren spielt die Unterstützung der Ausbildung in der ersten Stufe der Forschungslaufbahn bei der Arbeit an der eigenen Promotion. Zwei ausgezeichnete Doktoratskollegs der Universität Innsbruck werden ab diesem Jahr mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro im Rahmen des MSCA Programms der EU gefördert. 27 Stellen im wissenschaftlichen Nachwuchs werden damit derzeit im Bereich Modellierung und Simulation sowie in den Biowissenschaften neu geschaffen. Die erste Ausschreibung erzeugte eine große internationale Resonanz mit zusammen 331 Bewerbungen aus 50 Nationen.
Die EU unterstützt in diesem Jahr europaweit 14 neue kofinanzierte Marie-Skłodowska-Curie-Doktoratsprogramme im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. Gleich zwei dieser hochrangigen wissenschaftlichen Ausbildungszentren konnte die Universität Innsbruck heuer in ihrem Jubiläumsjahr nach Tirol holen. Die beiden Förderprogramme „DOCC“ und „ARDRE“ gingen dabei aus internen Doktoratskollegs im Rahmen des Schwerpunktssystems der Forschung an der Universität Innsbruck hervor.

Im Rahmen einer gemeinsamen Kick-off-Veranstaltung präsentierten sich die beiden Programme mit ihren zukünftigen Schwerpunkten. Der Rektor der Universität Innsbruck, Tilmann Märk, und die Vizerektorin für Forschung, Ulrike Tanzer, gratulierten im Rahmen der Vorstellung der beiden Exzellenzinitiativen zu deren „Geburtstag“.

Das Doktoratsprogramm „Dynamics of Complex Continua“ (DOCC) wird 15 internationale Promovierende im Bereich der mathematischen Modellierung und numerischen Simulation aufnehmen, und umfasst die Fachgebiete Mathematik und Informatik, Ingenieur- und Materialwisssenschaften, Chemie und Atmosphärenwissenschaften, sowie Physik. "Im Rahmen von DOCC wollen wir neben forschungsspezifischen auch berufsbezogene Kenntnisse vermitteln", erläutert der Sprecher des Programms, Alexander Kendl. „Wir bieten den Promovierenden die Möglichkeit, ihre Expertise in den zukunftsrelevanten Gebieten der computergestützten Material- und Fluiddynamik zu erweitern.“ Diese Fachbereiche beinhalteten vielfältige technische, gesellschaftliche und medizinische Anwendungen mit Bedeutung für Klima, Energie, Sicherheit, oder Nano- und Lebenswissenschaften. „Alle diese Bereiche erfordern die Fähigkeit zu voraussagekräftiger Modellbildung und ein tiefgehendes Verständnis der strukturellen und dynamischen Eigenschaften von Materie und Materialien, die oft ein hohes Maß an dynamischer Komplexität aufweisen“, so Kendl. DOCC will zukünftige Modellierer darauf vorbereiten, ihre Computer-Simulationen mit der echten Welt zu verknüpfen. Neben der wesentlichen technischen Expertise sollen in dem Programm dazu auch Schlüsselkompetenzen in Kommunikation und Methodentransfer vermittelt werden.

Pidder Jansen-Dürr, Sprecher des Doktoratsprogramms „Ageing, Regeneration, and Drug Research“ (ARDRE), betonte die gesellschaftliche Relevanz von Forschung und Ausbildung in biochemischen und interdisziplinären Alternswissenschaften: „Da die Lebenserwartung und der Anteil älterer Menschen stetig steigen, muss sich die Gesellschaft den Herausforderungen stellen, welche diesen demografischen Wandel begleiten.“ In der Europäischen Union wird sich der Bevölkerungsanteil von Menschen über 80 Jahren zwischen 2017 und 2080 mehr als verdoppeln. Bisher sind unser Gesundheitssystem sowie öffentliche und private Einrichtungen zur Altenfürsorge nicht genügend auf diesen Anstieg vorbereitet, und die Kosten zur Behandlung altersbedingter Krankheiten werden als enorm eingeschätzt. Daher werden wirksame Maßnahmen zur Förderung gesunden Alterns dringend benötigt. ARDRE ist ein inter- und multidisziplinäres Konsortium aus WissenschaftlerInnen der Fakultät für Biologie und der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität Innsbruck. In diesem Doktoratsprogramm bekommen 12 junge Forschende fortgeschrittene Kenntnisse zu Alterung, Regeneration und Arzneiforschung vermittelt. „In wissenschaftlicher Hinsicht fördert ARDRE im Rahmen einer gut koordinierten Netzwerkstruktur wesentliche Forschungsarbeiten im Bereich der zellulären und organismischen Alterungsmechanismen sowie in Stammzellen- und Regenerationsbiologie, ergänzt durch neue Strategien in der Wirkstoffentdeckung“, so Jansen-Dürr.

Derzeit begutachten die beiden Programme DOCC und ARDRE in mehrstufigen Auswahlverfahren ihre internationalen BewerberInnen. Der Start des wissenschaftlichen Programms ist jeweils in der ersten Hälfte des Jahrs 2020 vorgesehen. So wird DOCC beispielsweise die neuen Promovierenden im Rahmen einer einwöchigen Winterschule zum Thema „Numerische Methoden für wissenschaftliche Simulationen“ unter anderem am alpinen Universitätszentrum in Obergurgl begrüßen.

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