Ge­schlech­ter­theo­retische Per­spek­tiven auf Ko­mik, Hu­mor und La­chen

Komik, Humor und Lachen sind als soziale Phänomene alltäglicher Bestandteil unseres Lebens. Geschlechtertheoretische Perspektiven darauf standen Mitte Juni im Zentrum einer Tagung an der Universität Innsbruck.
Die Tagung fand am 17. und 18. Juni im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck statt.
Bild: Die Tagung fand am 17. und 18. Juni im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck statt. (Credit: Daniel Jarosch)

Komik, Humor und Lachen sind Teil des zwischenmenschlichen, aber auch unseres kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens. Sie können dabei auf sehr unterschiedliche Weise agieren und sowohl Gemeinschaft konstituieren als auch Ausschlüsse erzeugen. Verletzende Formen von Witz zielen oft darauf ab, bestimmte gesellschaftliche Gruppen zu verlachen und diese in sozialen Zusammenhängen gewaltsam auf „ihren Platz“ zu verweisen. Umgekehrt dienen gerade auch komische Verfahren und Lachen – etwa von sozialen Bewegungen – dazu, gesellschaftliche Missstände und Ungleichheitsverhältnisse aufzuzeigen und deren Veränderung einzufordern. „Feministische Bewegungen nutzten und nutzen das subversive Potenzial von Komik beispielsweise dafür, bestehende Gechlechterordnungen in Frage zu stellen und das Ziel von Geschlechtergerechtigkeit zu befördern“, erklärt Verena Sperk vom Lehr- und Forschungsbereich „Kritische Geschlechterforschung“ am Institut für Erziehungswissenschaft. Gemeinsam mit Maria Wolf organisierte sie die interdisziplinäre Tagung „Feministisches Lachen. Geschlechtertheoretische Perspektiven auf Komik, Humor und Lachen“, die am 17. und 18. Juni 2021 im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck stattfand. „Unter strengen COVID-Sicherheitsauflagen war es uns möglich, die Tagung in Präsenz abzuhalten. So war nach langer Online-Phase endlich wieder ein Austausch abseits der Bildschirme möglich“, erklärt Verena Sperk.

Umfassendes Programm

An zwei Tagen beleuchteten verschiedene wissenschaftliche und künstlerischer Beiträge die drei Phänomene Komik, Humor und Lachen in ihrer kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Dimension in Bezug auf Geschlecht und Geschlechterordnungen. Die Tagung eröffnete die Germanistin Helga Kotthoff (Universität Freiburg) mit ihrem Vortrag zu deutschsprachigen Komikerinnen und der Dekonstruktion von Körpernormen. Im Anschluss las die Satirikerin Stefanie Sargnagel (Wien) aus ihren Texten, in denen sie sich mit Absurditäten aus dem Alltag und der Politik auseinandersetzt.

Am zweiten Tagungstag fanden vormittags drei Parallelworkshops statt, in denen innerhalb von Kleingruppen teils kreativ und teils analytisch zum Tagungsthema gearbeitet wurde. Im Workshop von Journalistin Caren Miesenberger (Berlin) setzte sich die Gruppe mit Onlinehumor auseinander und gestaltete gemeinsam feministische Memes. Der Literaturwissenschaftler und Kulturschaffende Martin Fritz (Innsbruck) sprach in seinem Workshop zu Geschlechterverhältnissen im Literaturbetrieb und insbesondere auf Poetry-Slam-Bühnen. Im dritten Workshop analysierte die Gruppe gemeinsam mit der Geschlechterforscherin Verena Sperk (Universität Innsbruck) Videoclips queer*feministischer Komiker:innen.

Christian Quendler vom Institut für Amerikastudien der Universität Innsbruck eröffnete den zweiten Tagungsnachmittag mit seinem Vortrag zur „Queeren Chimäre“. Er diskutierte darin anhand von filmischen Beispielen die Zusammenhänge von Humortheorien und von Assemblage-Theorie. Die Kunsthistorikerin Ivana Marjanovic (Kunstraum Innsbruck) arbeitete in ihrem Vortrag die humorvollen Strategien des Queer Beograd Cabarets heraus und zeigte, wie darin eine Verbindung von queeren, von anti-faschistischen und von No-Border Politiken möglich wird. Die Erziehungswissenschaftlerin Katharina Lux (Leipzig) zeichnete in ihrem Vortrag zur Zeitschrift „Die Schwarz Botin“ nach, wie Satire innerhalb der zweiten Frauen*bewegung als Werkzeug der Kritik zwischen verschiedenen feministischen Positionen eingesetzt wurde. Für den letzten wissenschaftlichen Beitrag der Tagung wurde die Politikwissenschaftlerin Nikita Dhawan (Universität Gießen) und ehemalige Sprecherin der Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck online zugeschalten. Sie sprach in ihrem Vortrag über Redefreiheit, Hate Speech und die Politik der Zensur. Hat Satire Grenzen? Beispielsweise wenn es um Hate Speech geht? Passend dazu zeigte anschließend der „Political Correct Comedy Club“ (Wien), dass Political Correctness nicht, wie häufig vorgeworfen, den Spaß verderben muss. Denice Bourbon, Lia Sudermann und Malarina beschlossen die zwei intensiven Tagungstage mit mitreißender Stand-up Comedy, die nach oben und nicht nach unten tritt.

Verena Sperk

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