Gemein­same Wurzeln, Heraus­forde­rungen und Zukunft

In diesem Jahr wurde zum zweiten Mal die Euregio-Akademie organisiert. An drei Seminarwochenenden hatten Studierende und Interessierte unter 35 die Gelegenheit, intensiv in die Grundlagen und Kernthemen der Europaregion einzutauchen. Die nächste Chance zur Teilnahme an der Euregio-Akademie gibt es 2019.
Euregio Akademie
Bild: Ein Teil der Teilnehmer am Ende des Seminars im Schloss Tirol. (Credit: Giulia Gritsch)

„Ein Berg und ein Berg können nicht zusammenkommen, Menschen aber können es.“ Dieses jiddische Sprichwort repräsentiert einen wichtigen Grundgedanken der Euregio-Akademie, in der junge Menschen der drei Regionen zusammenkommen, die gemeinsame Geschichte, die Ähnlichkeiten, zugleich aber auch die kulturelle Vielfalt der Regionen aufarbeiten und neu diskutieren.

Euregio-Akademie: drei Regionen – drei Seminare

Die Euregio-Akademie fand im Rahmen von drei Seminarwochenenden statt, wobei jede Region jeweils einmal Zielort der Seminare war. So wurde das erste Seminar Ende März in Pieve Tesino im Trentino organisiert, bei dem im Zentrum der Diskussion das Thema „Geschichte, Politik und Recht“ stand. Neben zahlreichen interessanten Vorträgen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Arbeit in verschiedenen Workshops aktiv mit den Themen auseinandersetzen und gemeinsam verschiedene Ansichten und Ideen, aber auch Gemeinsamkeiten herausarbeiten. „Pieve Tesino hat mir besonders gut gefallen, da wir dort zuerst die Gemeinsamkeiten der drei Regionen entdeckt haben und auch auf die Geschichte der drei Regionen eingegangen sind“, so Maria aus Südtirol. Im ersten Seminar wurde den Teilnehmenden bereits die enge historische Verflechtung und die aktuell starke sowie politisch, kulturell und wirtschaftlich wichtige Verbindung der drei Tiroler Landesteile deutlich. Außerdem konnte man durch die direkten Diskussionsrunden mit wichtigen Persönlichkeiten, wie unter anderem Luis Durnwalder, ehemaliger Landeshauptmann von Südtirol, oder Herwig van Staa, Präsident des Tiroler Landtages, die Euregio-Politik von heute hautnah erleben und sich intensiv damit auseinandersetzen. Von Beginn an spürten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Dynamik, die die Akademie mit sich bringt, die durch das Zusammenkommen und den Austausch hoch motivierter und interessierter junger Menschen der Regionen entsteht, die sowohl die Bedeutung der Euregio als auch jene der Europäischen Union als friedensgarantierende Vereinigung erkennen und schätzen zu wissen und sich mit den Problematiken und aktuellen Themen Europas und der Euregio auseinandersetzen möchten.

Im zweiten Seminar fanden sich die Teilnehmenden Mitte April im Schloss Tirol in Meran zusammen. In diesem nahezu magischen Ambiente des Schlosses wurden sie mit einem sehr anspruchsvollen Thema konfrontiert: Europa und Identität: „Multiple Identitäten in einer ‚glokalen‘ Welt“. Es wurde die Frage nach der Identität intensiv diskutiert. Einerseits wurde der Aspekt der multiplen Identitäten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diskutiert und besprochen, vor allem in Bezug auf die Südtiroler, die täglich mit zwei bis drei verschiedenen Sprachen, Mentalitäten und Identitäten leben. Im weiteren Verlauf wurde Identität an sich diskutiert, mit der Erkenntnis, dass eine genaue Definition dieses Begriffes nahezu unmöglich ist, da er vor allem in der aktuellen Zeit stets in der Schwebe zwischen „lokal“ und „global“ steht. Daher wurde das interessante Konzept einer „glokalen Identität“ besprochen, die es den Bürgerinnen und Bürgern, sowohl der Euregio als auch aus dem restlichen Europa, ermöglicht, sowohl Weltbürger zu sein als auch die regionale oder lokale Zugehörigkeit zu leben. Der Ausgangspunkt ist dabei das Lokale, das im Verlauf auf das Globale übergeht, sodass eine „glokale Identität“ entsteht. Diese Idee prägte die verschiedenen Vorträge und Diskussionen, in denen auch weitere Gedanken angesprochen und behandelt wurden. Schlussendlich wurde ein wichtiger Aspekt aufgegriffen, der für die Bildung einer Identität in der Euregio von entscheidender Wichtigkeit ist: Jener der Mobilität. Dieser Aspekt wurde im dritten Seminar weitergeführt.

Das dritte Seminar war Mitte August in Alpbach, wo zugleich das Forum Alpbach stattfand. Ein kleines Dorf, das in diesen Tagen zum Ort der Begegnung und der Transkulturalität wurde, an dem sich Jugendliche aus aller Welt trafen um ein wichtiges Thema zu behandeln, das aktuell die gesamte Welt betrifft: Konflikt und Kooperation. Die Euregio-Akademie durfte auch das Forum Alpbach näher kennen lernen und in gemeinsamen Veranstaltungen die Dynamik dieser gelebten kulturellen Interaktion erleben. Parallel dazu stand für die Akademie ein anderes Thema im Mittelpunkt: Mobilität, Bildung und Zukunft. Dabei war im dritten Seminar der Bezug zur Praxis deutlich spürbar. „Was mir am meisten gefallen hat an diesem Wochenende, war der Vortrag vom Geschäftsführer der VVT, in dem er uns über das Liniennetz informiert hat und auch beschrieben hat, wie die Zukunftsgestaltung sich entwickelt“, sagte Josef aus Tirol am Ende des Seminars. Neben den Vorträgen und Diskussionen konnten die Teilnehmenden in diesem Seminar durch Workshops wiederum den Bezug zur Praxis erkennen und die Komplexität der Transportstrukturen begreifen.

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Das Schloss Tirol bei Meran war traumhafter Ort für das zweite Seminar. (Bild: Giulia Gritsch)

Euregio – wichtig für Europa?

Zwischen dem zweiten und dritten Seminar bestand die Möglichkeit, bei einer Exkursion nach Brüssel dabei zu sein. Dabei wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Rolle der Euregio auf europäischer Ebene klar. Durch das Vorleben der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit repräsentiert die Euregio den europäischen Gedanken auf seine eigene Weise und trägt somit dazu bei, die europäische Einheit zu fördern und im Kleinen vorzuleben. Es wurde bewusst gemacht, wie wichtig die Euregio im europäischen Kontext ist und dass diese Friedensgemeinschaft mit ihrem speziellen historischen Hintergrund eine große Bedeutung und Verantwortung für das friedliche, grenzüberschreitende und effektive Zusammenleben der Bewohner aller drei Regionen hat.

Die Akademie – was bringt sie?

Neben dem immensen Gewinn an theoretischem Wissen, den die Teilnehmenden in der Akademie erleben durften, wurden auch das Feingefühl für die Euregio gestärkt, neue Ansichten entdeckt und der Umgang mit Fragen wie zum Beispiel nach Identität sensibilisiert. Des Weiteren entstanden in diesen Seminaren Kontakte, die exakt das Ideal der Euregio vorleben: Grenzüberschreitende Freundschaften, die die Personen mobilisieren und zusammenbringen. Die Teilnehmer der Akademie wurden von den verschiedensten Eindrücken geprägt, wobei ein Aspekt bei allen wichtig ist, den Alessia aus dem Trentino wie folgt beschreibt: „Come esperienza ricorderò sicuramente l’incontro tra tre culture che poi tanto diverse non sono e quindi le similitudini che ci sono tra le tre identità e tra le tre provincie. Un’esperienza anche positiva che abbiamo compreso soprattutto nel primo seminario è quello della vicinanza tra Südtirol, Tirol e Trentino con l’argomentazione storica.” Die Akademie war für die Teilnehmer eine Bereicherung in jeglicher Hinsicht und eine wertvolle Erfahrung für junge Menschen, die sich gerade in der aktuellen Zeit der Krise der Wichtigkeit der Euregio und der Europäischen Union bewusst sind und aktiv daran Interesse zeigen.

Die Euregio-Akadamie wird vom gemeinsamen Büro der Europaregion und der Fondazione Alcide De Gasperi im Zweijahresrhythmus organisiert. Nach 2015 und 2017 ist die nächste Ausgabe 2019 geplant. 2018 wird es wiederum ein Follow-up-Wochenende mit den Teilnehmern der ersten beiden Ausgaben geben

(Giulia Gritsch)

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