Prof. Sejdini (links) begrüßt den Vortragenden Mouhanad Khorchide.
Prof. Sejdini (links) begrüßt den Vortragenden Mouhanad Khorchide.

Gelungener Start der Vortragsreihe „Islam in Europa“

Die Vortragsreihe „Islam in Europa – Begegnungen, Konflikte und Lösungen“ des Bereiches Islamische Religionspädagogik wurde mit dem Auftaktvortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide zum Thema „Der Islam als Religion der Barmherzigkeit statt des Gesetzes. Gott/Mensch-Beziehung dialogisch statt monologisch“ eröffnet.

Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Religion, Politik und Gesellschaft besuchten den Auftakt zur Vortragsreihe am 20.10.2016 im Kaiser-Leopold-Saal der Katholisch-Theologischen Fakultät. Die Veranstaltung begann mit den Grußworten von Univ.-Prof. Mag. Dr. Zekirija Sejdini, Leiter des Bereiches Islamische Religionspädagogik, und von Mag. Gerhard Fritz, Stadtrat der Stadt Innsbruck.

Prof. Sejdini erklärte in seinem Grußwort, auf die Charta der gesellschaftlichen Vielfalt der Universität Innsbruck bezugnehmend, dass sich der Bereich IRP neben seiner primären Aufgabe in Forschung und Lehre angesichts der Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft ebenso zur Behandlung von gesellschaftspolitisch bedeutsamen Themen in der breiten Öffentlichkeit, die zur Förderung der Pluralitätsfähigkeit der Gesellschaft beitragen, verpflichtet sieht. In diesem Sinne soll die Vortragsreihe durch die Vorträge von FachexpertInnen aus dem In- und Ausland eine Diskussionsplattform bieten, welche die Ängste der Menschen ernst nimmt, gleichzeitig die Begegnung und das Gespräch fördert und einen differenzierten, sachlichen Zugang zur herrschenden Islam-Debatte ermöglicht.

Im Anschluss daran betonte Stadtrat Gerhard Fritz in seiner Ansprache den seit Jahrhunderten existierenden kulturellen und religiösen Austausch zwischen dem Islam und dem Westen und erklärte, dass der Islam in Österreich seit Jahrhunderten heimisch ist. Zu den wesentlichen Aufgaben der Stadtverwaltung gehöre es, ein gutes Zusammenleben in der hiesigen, pluralen Gesellschaft zu ermöglichen. Daher sei es ihm und der Stadtverwaltung ein wichtiges Anliegen, die Vortragsreihe des Bereichs IRP zu unterstützen.

Nach den einleitenden Worten hielt Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, den Auftaktvortrag mit dem Titel: „Der Islam als Religion der Barmherzigkeit statt des Gesetzes. Gott/Mensch-Beziehung dialogisch statt monologisch“.

In seinem aufsehenerregenden Vortrag unterschied Khorchide zwischen einem monologischen und einem dialogischen Zugang zum Koran. Während der monologische Zugang den Koran als Selbstrede Gottes wahrnehme und von einem starren Gottesbild ausgehe, das unbeweglich sei und seine Beziehung zum Menschen per Gesetz regele, verstehe der dialogische Zugang den Koran als Medium zur Kommunikation Gottes mit den Menschen als Ergebnis seiner Barmherzigkeit.

Er plädierte für eine dialogische Gott-Mensch-Beziehung, die im Wesen der Offenbarung ihre Wurzeln findet und aus einem Koranverständnis heraus resultiert, in dem die Schrift und der Sinngehalt der göttlichen Rede angesichts des historischen Offenbarungskontextes voneinander unterschieden werden, wobei die Barmherzigkeit als Selbstanspruch Gottes im Koran zu einer zentralen und universellen Kategorie erhoben wird. 

Die Vortragsreihe wird mit weiteren interessanten Vorträgen zu den Themen: innerislamische Pluralität, Gewalt und Islam, spirituelle Dimension des Islams, Stellung der Frau im Islam, befreiungstheologische Ansätze in der islamischen Theologie und Umgang mit den religiösen Minderheiten in der islamischen Welt bis zum 26.01.2017 fortgeführt.

Die Vorträge finden in unregelmäßigen Abständen jeweils donnerstags um 18:30 Uhr im Hörsaal 3, SOWI-Gebäude EG (Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck) statt.  

Die Vortragsreihe wird gefördert von der Stadt Innsbruck, der Islamischen Religionsgemeinschaft für das Bundesland Tirol, dem Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“ der Universität Innsbruck und der Katholisch-Theologischen Fakultät.

(Fatima Çavis)

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