Gedenken an Christoph Probst

Am Donnerstagabend gedachten die beiden Innsbrucker Universitäten gemeinsam mit der Universitätspfarre des vor 75 Jahren vom Nazi-Regime hingerichteten Studenten Christoph Probst. Er war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose und studierte zur Zeit seiner Verhaftung in Innsbruck Medizin.
Gedenktafel für Christoph Probst am Vorplatz der Universität Innsbruck
Bild: Gedenktafel für Christoph Probst am Vorplatz der Universität Innsbruck (Credit: Uni Innsbruck)

Zahlreiche Universitätsangehörige waren am Donnerstag in die Aula gekommen, um Christoph Probst zu gedenken. „Lange wurde über das Schicksal von Christoph Probst und anderen vom NS-Regime Verfolgten an dieser Universität geschwiegen“, erinnerte Rektor Tilmann Märk bei der Begrüßung. „Doch seit über 30 Jahren nimmt das Gedenken an seine Person und an all die anderen unter dem NS-Regime Verfolgten und Vertriebenen einen festen Platz an der Universität Innsbruck ein.“ Am 6. November 1984, dem 65. Geburtstag von Christoph Probst, wurde zum Gedenken an ihn am Ehrenmal vor dem Universitäts-Hauptgebäude eine Gedenktafel angebracht. Seither wurde nicht zuletzt auf Initiative von Universitätspfarre und HochschülerInnenschaft jedes Jahr seiner gedacht. Im Jahr 1994 benannte die Stadt Innsbruck auf Antrag der ÖH den Platz vor dem Hauptgebäude in „Christoph-Probst-Platz“ um. Seither tragen die Universitäten seinen Namen in ihren offiziellen Anschriften. „Mit der heutigen Veranstaltung setzen wir, die beiden Universitäten und die Unipfarre, gemeinsam ein neuerliches Zeichen dafür, dass Menschen, die ihrer tiefen Überzeugung folgen und im Kampf gegen den totalitären Terror ihr Leben auf Spiel setzen und letztlich verloren haben, niemals dem Vergessen überlassen werden dürfen“, sagte Rektor Märk. „‘Einer muss ja schließlich einmal damit anfangen.‘ Dieser schlichte Satz Sophie Scholls an ihrem Todestag wirkt umso beeindruckender, je mehr wir über die Lebensläufe der Mitglieder der Weißen Rose erfahren dürfen. So begrüßen wir es als Medizinische Universität, wenn wir heute unser Wissen über den Innsbrucker Medizinstudenten Christoph Probst vertiefen können und damit einen wichtigen Beitrag im Kontext internationaler Gedenkkultur für die Widerstandsgruppe Weiße Rose leisten dürfen“, betonte Vizerektorin Christine Bandtlow von der Medizinischen Universität. „Wir können mit dem Theologen Karl Rahner davon reden, dass Probst und die anderen Mitglieder der Weißen Rose Märtyrer, Zeugen der Treue zum Gewissen sind“, sagte Universitätspfarrer Gernot Wisser. „Ihr Zeugnis ist ein Zeugnis der Treue zum Gewissen, eine Art objektiver Tatbestand, das Bekenntnis also gültig für jede und jeden.“

Vizerektor Wolfgang Meixner zeichnete detailliert das Leben von Christoph Probst bis zur Hinrichtung am 22. Februar 1943 in München nach. Probst war im Herbst 1942 mit seiner Studentenkompagnie nach Innsbruck verlegt worden und hatte hier sein in München begonnenes Medizinstudium weitergeführt. Es fiel ihm freilich schwer, hier Kontakte zu knüpfen und so schrieb er in einem Brief: „In Innsbruck ist es nicht ganz leicht zu leben.“ Eng blieb sein Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der „Weißen Rose“, die im Februar 1943 nach einer Flugblattaktion an der Münchner Uni verhaftet wurden. Christoph Probst wurde als Mitglied enttarnt und in Innsbruck verhaftet. Nach einem kurzen Prozess wurde er gemeinsam mit Sophie und Hans Scholl hingerichtet. Die Autorin und Historikerin Gisela Hormayr schilderte im Anschluss das Schicksal weiterer Studenten und Absolventen der Innsbrucker Universität, die vom NS-Regime verfolgt und hingerichtet wurden. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung schilderte der Zeithistoriker Dirk Rupnow die Geschichte der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Er wies auch darauf hin, dass die Universität Innsbruck den Studenten Christoph Probst bereits kurz nach seiner Verhaftung vom Studium ausgeschlossen hatte. Die Erinnerungen an Christoph Probst auf dem Vorplatz seien deshalb auch Zeichen der bleibenden Aufgabe für die Universität. Das gleiche gelte für die erst kürzlich freigelegten Überreste eines Glasmosaiks an der Stirnseite der Aula, das nach dem Anschluss 1938 angebracht wurde und Adolf Hitler in Rüstung und auf einem Pferd reitend mit der Hakenkreuzfahne zeigte.

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