For­schungs­zent­rum Social Theory eröffnet

Mit einem Gastvortrag von Patrick Baert, Professor für Sozialtheorie an der Universität Cambridge, wurde Mitte Oktober an der SOWI das Forschungszentrum Social Theory eröffnet. Einleitende Worte Worten sprachen der Dekan der Fakultät für Soziale und Politische Wissenschaften, Helmut Staubmann, und Forschungs-Vizerektorin Ulrike Tanzer.
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Bild: Patrick Baert bei seinem Vortrag. (Credit: Simon Salvenmoser)

Nach den einleitenden Worten hielt Patrick Baert seinen gut besuchten Vortrag zum Thema Taboos and shifts in intellectual and political currents: a historical perspective. Baert arbeitete heraus, dass Tabus selbstverständlich zum Leben moderner Gesellschaften gehören. Er demonstrierte den Zuhörern anhand der Beispiele von Jean-Paul Sartres Aufstieg zum öffentlichen Intellektuellen in Frankreich (The Existentialist Moment: Sartre’s Rise as a Public Intellectual, Cambridge: Polity Press) sowie dem Entstehen der politischen Protestbewegung Podemos in Spanien, dass Tabus einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis des Aufstiegs (und Falls) von neuen politischen und philosophischen Ideen darstellen. 

Eröffnungsworkshop des FZ Social Theory

Zwei Tage nach seiner offiziellen Eröffnung folgte ein erster Workshop des Forschungszentrums. Eine Auswahl der verschiedenen, am Forschungszentrum beteiligten Disziplinen sollte erste Einblicke in deren jeweilige theoretischen Perspektivierungen eröffnen. Moderiert von den beiden Sprecher/innen des FZ, Kristina Stoeckl und Frank Welz, kam es dabei zu spannenden Diskussionen entlang der Impulsvorträge von Ulrich Metschl (Institut für Philosophie) zum Thema Wahlverfahren und die Krise der Demokratie, Niels Grüne (Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie) über Sozialtheoretische Tendenzen in der Geschichtswissenschaft, Markus Walzl (Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und –geschichte) über Märkte und Moral sowie Norbert Koppensteiner (AB ULG Peace Studies) über Transrationale Friedensforschung.

Das FZ Social Theory wurde im Februar 2018 von der Universitätsleitung bestätigt. Verbunden mit der Forschungsplattform Organizations & Society kooperieren im FZ Forscher/innen aus den Instituten Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Musikwissenschaft, Organisation und Lernen, Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie, Systematische Theologie, Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte und dem ULG Peace Studies.

Ziele des Forschungszentrums Social Theory

Ziel des FZ Social Theory ist es, die Theoriearbeit selbst in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit zu stellen und die metatheoretische, epistemologische Reflexion und Diskussion unter den Mitgliedern zu fördern.

In Zeiten von fake news, media bubbles und um sich greifender Skepsis gegenüber Wahrheitsansprüchen ist die Wissenschaft herausgefordert. Jede/r einzelne Forschende ist vor die Aufgabe gestellt, einen Beitrag zu leisten zu einem verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit Wissen. Dafür braucht es neben Expertenwissen auch ein breites Verständnis von epistemologischen Debatten. Fake news sind nicht nur ein Problem falscher Fakten, sie sind ein epistemologisches Problem.

Von Max Weber (1904) bis Pierre Bourdieu (1996) ist „Objektivität“ in den Kulturwissenschaften allein über die kritische Offenlegung und Reflexion der eigenen Erkenntnisposition zu erlangen. Entsprechend ist die sorgfältige und transparent gemachte epistemische Reflexion über die zur Anwendung kommenden theoretischen Grundlagen ebenso Dreh- und Angelpunkt universitärer Forschung wie Medium deren Erkenntnisfortschritts und dies insbesondere in den Wissenschaften, für welche die menschliche Reflexivität selbst Teil ihres Gegenstandsbereichs und d.h. der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Vergangenheit und Gegenwart ist.

Das FZ Social Theory blickt auf die Gesamtheit sozialwissenschaftlicher Theorien in ihrer historischen Genese, aktuellen Virulenz und Kritik und fördert den offenen Austausch zwischen theoretischen Schulen und Ansätzen. Alle an theoretischen Debatten Interessierten sind jenseits aller Fachgrenzen herzlich willkommen, an zukünftigen Social Theory Lectures und Workshops teilzunehmen und mitzudiskutieren.

(Frank Welz & Kristina Stoeckl)

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