For­schungs­treffen: Gesichter der Migration

Am 31. Jänner 2018 fand das erste Forschungstreffen des Sparkling-Science-Projektes „Gesichter der Migration. Jugendliche aus Tirol erforschen gemeinsam ihre familiale Migrationsgeschichte“ statt. Es setzten sich alle KooperationspartnerInnen und Projektschulen sowie das universitäre Forschungsteam zusammen und diskutierten über den Start des Projektes.
von oben links: Marc Hill, Angelika Kerber, Dirk Rupnow, Roberta Bortolotti, Erol Yildiz, Josef Wetzinger, Brigitte Winkler-Greimel, Karl C. Berger, Alexander Böttcher, Miriam Hill, Anita Rotter, Christoph Zangerl, Edith Niedertscheider,Andrei Siclodi
Bild: von oben links: Marc Hill, Angelika Kerber, Dirk Rupnow, Roberta Bortolotti, Erol Yildiz, Josef Wetzinger, Brigitte Winkler-Greimel, Karl C. Berger, Alexander Böttcher, Miriam Hill, Anita Rotter, Christoph Zangerl, Edith Niedertscheider,Andrei Siclodi (Credit: Die Fotografen)

Seit dem Wintersemester 2017/2018 unterrichten MigrationsforscherInnen der Universität Innsbruck an zwei Neuen Mittelschulen in Tirol. Die eine Schule befindet sich im Innsbrucker Stadtbezirk Pradl, die andere in Fulpmes im Stubaital. Im Unterricht selbst sind die Themen Migration, Mobilität, Biografie und Familie von zentraler Bedeutung. Da die SchülerInnen von Anfang an aktiv in den Forschungsprozess mit einbezogen werden, lernen sie auch den Umgang mit qualitativen Methoden der Sozialforschung. Dabei werden sie u.a. mit dem narrativen Interview vertraut gemacht und sind in der Lage, selber Interviews mit Familienangehörigen zu führen. Familiale Migrationsgeschichten sind in diesem Kontext von besonderem Interesse. Durch die aktive Mitgestaltung und die eigene Forschungsaktivität entwickeln sich die SchülerInnen zu ForscherInnen ihres eigenen Lebensumfeldes.

Beim ersten Forschungstreffen wurde unter Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen, schulischen und bildungswissenschaftlichen Perspektiven über die ersten Unterrichtsergebnisse gesprochen. Dabei wurde berichtet, dass bereits eine Vielzahl der SchülerInnen eigene Interviews mit nahen Verwandten oder engen Bezugspersonen durchgeführt hat. Die narrativen Interviews wurden vor allem im Hinblick auf familiale Migrationsgeschichten hin betrachtet. So wurden während des Forschungstreffens einzelne Interviewpassagen von den wissenschaftlichen Projektmitarbeiterinnen exemplarisch vorgestellt.

Dabei wurde deutlich, dass Migration ein bewegendes Familienthema sein kann, auch in Familien, denen von außen kein Migrationshintergrund zugeschrieben wird. Anhand von biografischen Erzählungen und Familiengeschichten wurde im Weiteren deutlich, dass Lebenswege und familiale Aushandlungspraxen ergiebige Quellen zum Thema Migration, Vielheit und Bildung darstellen können. Schrittweise, so die ProjektpartnerInnen, soll die Interviewarbeit in den Schulen weiter vorangetrieben werden. Für die Öffentlichkeitsarbeit und insbesondere im Hinblick auf eine geplante SchülerInnen-Tagung mit Projekt-Ausstellung stehen die außerschulischen KooperationspartnerInnen wie das Künstlerhaus Büchsenhausen und das Volkskunstmuseum unterstützend zur Seite. Das nächste Projektziel wird darin bestehen, mehrheimische Portraits in Form von „Biografieprotokollen“ einzelner SchülerInnen und ihrer Familien auf der Langen Nacht der Forschung im April 2018 an der Universität Innsbruck vorzustellen und ein breiteres Publikum an den Projektinhalten teilhaben zu lassen.

Die Schulen, beim Forschungstreffen vertreten durch engagiertes Lehrpersonal und Schulleitung, begrüßen die Sparkling-Science-Initiative sehr, vor allem, weil sie daran den besonderen Bildungszugang schätzen und dadurch das forschende Lernen erprobt werden kann. Darüber hinaus arbeiten in allen Phasen des Projektes WissenschaftlerInnen, LehrerInnen und DirektorInnen intensiv zusammen. Der Austausch findet insbesondere über Forschungstreffen, didaktische Gestaltung und Reflexion von Unterrichtseinheiten sowie über die gemeinsame Planung weiterer Schritte statt. Auf diese Weise sollen die langjährigen Praxiserfahrungen der LehrerInnen in Bezug auf die Projektarbeit gezielt genutzt werden. Darüber hinaus bekommen die LehrerInnen Einblicke in aktuelle Diskurse und Erkenntnisse der Migrations-, Stadt-, Familien- und Bildungsforschung. Schulen können die neuen Erkenntnisse über familiale Alltagspraxen und Lebenswirklichkeiten vor Ort in die schulische Bildungsnormalität und in die Gestaltung von Bildung einbeziehen. Insgesamt soll das Projekt zur Öffnung von Bildungseinrichtungen beitragen und die SchülerInnen dazu befähigen, wissenschaftlich zu arbeiten. Dabei lernen sie bereits in der Schule, sich über einen längeren Zeitraum mit einer konkreten Thematik auseinanderzusetzen, eigenes Vorwissen in den Forschungsprozess einfließen zu lassen und aktuelle Diskurse zu reflektieren. So werden die SchülerInnen zu ExpertInnen ihrer eigenen Lebenswelt und können sich während des gesamten Forschungsprozesses aktiv in die Projektarbeit einbringen, lautet das Fazit des ersten Forschungstreffens.

Im Projektblog gibt es laufend Neuigkeiten rund um das Projekt nachzulesen: https://www.uibk.ac.at/iezw/migration-bildung/

 (Red. Gesichter der Migration)

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