Flur­namen sind UNESCO-Kulturerbe

Seit kurzem zählen die Tiroler Flurnamen zum immateriellen nationalen Kulturerbe der UNESCO. Grundlage dafür war die umfassende, über zehn Jahre andauernde Erhebung der Flurnamen, die unter Federführung eines Teams vom Bereich Sprachwissenschaft am Institut für Sprachen und Literaturen erfolgte.
Flurnamen
Bild: Die Flurnamen wurden geografisch verortet und in einer Datenbank erfasst. (Credit: Screenshot)

Flurnamen dienen bereits seit mehr als 2.000 Jahren als Orientierungshilfe in Tirol und erleichtern die Kommunikation innerhalb der Bevölkerung. Die Vermittlung des Wissens über Namen und Verortung wird durch Begehungen, Bearbeitung der Wirtschaftsflächen und über Erlebnisse sowie soziale Beziehungen durch mehrfache Wiederholung garantiert und weitergegeben. Mehrere hundert Chronistinnen und Chronisten, Informanten und lokale Wissensträger bemühten sich in den 279 politischen Gemeinden Tirols ehrenamtlich um die lückenlose Erhebung aller Flurnamen. Die rund 120.000 erhobenen Bezeichnungen der Fluren wurden in einem geographischen Informationssystem verortet und in einer Datenbank gesammelt. Die Erhebung fand von 2007 bis 2017 statt. Dabei wurden die Flurnamen in den Gemeinden Tirols vollständig und umfassend zu erhoben, gesichert und nutzbar gemacht. Neben der Sicherung des kulturellen Erbes findet die Datenbank auch ganz konkrete Anwendung im Alltag. So greift etwa die Leitstelle Tirol für Katastropheneinsätze und die Einsatzplanungen darauf zu.

Unter der Leitung von Mag. Dr. Gerhard Rampl und MMag. Bernhard Mertelseder, M.A., waren neben dem Bereich Sprachwissenschaft am Institut für Sprachen und Literaturen die Leitstelle Tirol, die Tiroler Nomenklaturkommission und das Tiroler Bildungsforum als Projektpartner beteiligt. 

Die UNESCO veröffentlichte am vergangenen Dienstag 14 Kulturgüter, die neu in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurden. Darunter ist neben den Flurnamen auch eine jahrhundertealte Bewässerungsmethode aus dem Tiroler Oberland. Insgesamt zählt das österreichische Verzeichnis aktuell 117 Eintragungen.

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