Fest­körper­chemie im Tief­schnee

Im tief verschneiten Obergurgl fand von 23. bis 26. Januar das 3. Obergurgl-Seminar Festkörperchemie statt. Die Veranstaltung im Universitätszentrum Obergurgl wurde von Hubert Huppertz vom Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie organisiert.
TeilnehmerInnen des 3. Obergurgl-Seminars Festkörperchemie
Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genossen das tiefwinterliche Ambiente in Obergurgl. (Credit: C. Löhnert)

Im Anschluss an den ersten gelungenen Schitag empfing Hubert Huppertz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Universitätszentrum Obergurgl im „University of Innsbruck“-Sweater. Nach mehr oder weniger langer Anreise waren alle entspannt in Obergurgl angekommen. Das inzwischen schon zur Tradition gewordene Seminar war mit 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wieder sehr gut besucht. Die 23 kurzweiligen Vorträge wurden allesamt angeregt diskutiert. Nichtsdestotrotz blieb dank des von Organisator Hubert Huppertz wieder perfekt schifahrerfreundlich geplanten Programms auch noch ausreichend Zeit für den Bergsport.

Niklas Cordes aus dem AK von Wolfgang Schnick eröffnete die Tagung mit einem Rückblick auf das Obergurgl-Seminar vor zwei Jahren: Das Essen sei dort auch schon spitze gewesen, es gab viel weniger Schnee, und seine Haare wären noch kürzer (jetzt fast schulterlang) gewesen. Tolle Einleitung, tolle Oxonitridoperowskite. Niklas’ Hauptsorge war übrigens, dass seine Kristalle zu groß sind. Schlimm. Die beiden darauffolgenden Vorträge aus den Arbeitsgruppen von Dirk Johrendt und Hubert Huppertz knüpfen ebenfalls nahtlos an das letzte Obergurgl-Seminar an. Am Ende der ersten Session wurde unter lautem Gelächter des Publikums beschlossen, dass sich alle Studierenden duzen sollten. Dann ging es zum Get-together über.

Tag zwei begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und einem wie erwartet superleckeren Frühstücksbuffet. Tobias Rackl aus München eröffnete die zweite Session mit einem spannenden Vortrag über Mag. MAX-Phasen (auch die Vortragsthemen haben hier akademische Titel!). Die drei folgenden Vorträge dieser Session waren allesamt ebenfalls erstklassig – ob die berichteten Syntheseerfolge nun geplant waren oder nicht. Es wird die Piste gestürmt; Hals- und Beinbruch!
Session 3 nach einem spektakulären Tiefschneetag eröffnete Viktoria Falkowski mit zackigen GeSchichten von Mn(OH)Cl. Die beiden weiteren Vorträge der Session beeindrucken ebenfalls: Für Otto Zemann sind sowohl 207Pb als auch Einkristalle leicht zu züchten. Er schaffte sogar die grundsätzliche Aversion von Hubert Huppertz gegenüber seinem Gebiet, den Apatiten, in Wohlgefallen zu verwandeln.
Nach einem überragenden Abendessen startete Sebastian Wendl die vierte Session. Er widmete seinen in sympathischem Bayrisch präsentierten Vortrag der Weiterbildung der Innsbrucker Borchemiker in Sachen Nitridophosphate. Die Innsbrucker revanchieren sich mit einer Bildungsmaßnahme in Sachen Pressen-Assembly und Kantenverknüpfung. Zwei Vortragende aus Innsbruck schlossen mit spannenden Beiträgen, die von Jörn Bruns äußerst charmant geleitete Session.

Tag drei beglückte uns einmal mehr mit strahlendem Sonnenschein. Sandra Schönegger eröffnete Session 5 mit einem gelungenen Vortrag mit dem Titel „Das macht Zinn!“. Im Anschluss durften wir drei weitere Vorträge der Vormittagssession, eine super Präsentation zu Supertetraedern, einen informativen Einblick in die Kohlenstoffnitrid-Chemie und eine komplexe Erörterung von Pilzen und Tannen genießen. Eingestimmt durch den Waldspaziergang mit Martin Schmitt, machten sich die Seminarteilnehmer wieder auf, die Gipfel zu stürmen.
Gestärkt vom Kuchenbuffet starten wir mit Dominik Wilhelm in die vorletzte, Leuchtmittel-geprägte Session. Seiner Präsentation des Nachwuchses der Klasse der Nitridosilikate folgten zwei ebenso erstklassige, erleuchtende Vorträge aus dem AK Schnick.
Nach dem letzten gemeinsamen Abendessen startete Jonathan Sappl mit einem tollen Vortrag „für den hohlen Zahn“. Die siebte Vortragssession schlossen zwei Forscherinnen aus München und Innsbruck mit ebenfalls erstklassigen Vorträgen.

Auch dieses Jahr wurde der Semantik wieder Aufmerksamkeit geschenkt: Neue Wortkreationen wie „gerietveldet“ und „scientistin“ fielen auf. Die feinen Unterschiede zwischen „lila“ und „violett“ wurden angeregt diskutiert. Wir einigten uns darauf, dass das Plural von Druck „die Drücke“ sind, und dass man sich auf eine einheitliche Nomenklatur der Nitridosilikate noch einigen sollte.

Alles in allem wieder eine sehr gelungene, spannende Tagung mit entspanntem, hoch interessantem Programm. Wir freuen uns außerordentlich, dass das Obergurgl-Seminar Festkörperchemie durch das enorme Interesse der wachsenden Gruppen Schnick, Johrendt und Huppertz ab jetzt jährlich stattfinden kann. Vielen herzlichen Dank für die tolle Organisation an Hubert Huppertz sowie die finanzielle Unterstützung durch das Vizerektorat für Forschung! 

(Teresa Ortner)

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