Ein Über­setzungs­projekt, ein Buch, ein Video

„Von der Lehrveranstaltung zum Buch“ – so lautete der Titel eines Kurzbeitrags, der vor einigen Monaten im Newsroom erschien. Jetzt müsste der Titel lauten: „Vom Buch zum Video“. Und da wir uns alle im Corona-Modus befinden, konnte die Buchpräsentation „Alpi noir. Racconti di demoni e spiriti nelle valli alpine”, IUP 2020, als Video nur in virtueller Form stattfinden.
Virtuelle Buchpräsentation in der Universitäts- und Landesbibliothek.
Bild: Carla Festi, Buchautor Christian Kössler und Alessandra Pfitscher bei der virtuellen Buchpräsentation. (Credit: Uni Innsbruck)

Der Tiroler Autor und Bibliothekar Christian Kössler, die Leiterin des Übersetzungsprojekts, Carla Festi, und eine Projektteilnehmerin, Alessandra Pfitscher, folgten hier einer Einladung der italienischen Landesbibliothek in Bozen. Da die Präsentation online ausgestrahlt werden musste, konnte mit der großen technischen Unterstützung der Abteilung Neue Medien der Universität Innsbruck ein professionelles Video erstellt werden, das nun ab Dienstag, 1. Dezember in der Bozner Landesbibliothek Claudia Augusta auf Youtube zu sehen ist. Das Video ist auch auf der Homepage des INTRAWI/Instituts für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck verfügbar. Der Präsentationstermin trifft sich gut mit einer Veranstaltung, die derzeit in Bozen läuft: „AlpiMagia“ – so der Titel einer sehenswerten Fotoausstellung von Stefano Torrione im Sitz des italienischen Alpenverein CAI anlässlich seines 100-jährigen Bestehens.

Die Alpen, die Bergregion, ist seit Menschengedenken ein Ort voller Magie und Geheimnisse, an die Bräuche, Rituale, Sagen und Traditionen anknüpfen.  Diese historischen und dämonologischen Sagen in ihrer mündlichen Überlieferung und späteren Verschriftlichung dienten als Inspirationsquelle für Kösslers Kurzgeschichten.  Er kam auf die Idee, sie in eine moderne Sprache umzugestalten. So entstanden spannende, knackige Horrorgeschichten, die im Kern den Geist der alten Sagen ahnen lassen. Nordtiroler wie Südtiroler Sagen wurden berücksichtigt ebenso eine Legende, die im Mailand der dreißiger Jahre spielt.

Neben einer zweisprachigen Lesung und einem Gespräch mit dem Autor wird im Video auch auf das 2017 am Institut für Translationswissenschaft gestartete Übersetzungsprojekt hingewiesen, auf dem die italienischsprachige Publikation beruht. Vier Studierende (Janina Kick, Alessandra Pfitscher, Katharina Weiss und Lisa Lanthaler) unter der Leitung von Mag. Carla Festi setzten sich mit den Texten in einer Art „kooperativer“ Übersetzung auseinander. Im Video konnte man auch erfahren, welche Probleme eine adäquate Übertragung in die andere Sprache mit sich bringt. Ortsnamen, bestimmte Realia, ein besonderer Gruselstil wurden als Probleme angesehen. Aber vor allem kam es auf die „Stimme“ des Textes an, auf den bestimmten Ton, der Sprache zum Schwingen bringt und die Leser oder Zuhörer fesselt.

Alpi noir: Geister, Teufel, der Tod mit der Sense, Wesen aus einer Zwischenwelt, vor der wir uns in Sicherheit wähnen. In einem Schlußwort von der Bozner Ethnologin und Sagenforscherin Brunamaria Dal Lago Veneri heißt es, dass Berge immer als Grenze und als Übergang gesehen wurden. Orte, an denen Menschen mit ihrer Unzulänglichkeit konfrontiert werden. Davon berichten uns Sagen immer wieder, wenn auch in einer altertümlichen Sprache. Davon erzählt Christian Kössler nun auch in italienischer Sprache.

(Mag. Carla Festi, Institut für Translationswissenschaft)

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