Das (Nicht)-Ver­stehen in Unter­richts­diskursen

Im Rahmen der Vortragsreihe „Didaktik am Abend“ hielt am vergangenen Montag, 21. Oktober 2019, die renommierte Pragmatik-Forscherin Dr. Gabriele Kasper von der University of Hawai’i einen spannenden Gastvortrag zum Thema Unterrichtsinteraktion vor einem interessierten Publikum aus LinguistInnen und FachdidaktikerInnen.
Gabriele Kasper
Bild: Gabriele Kasper bei ihrem Vortrag an der Uni Innsbruck. (Credit: Wolfgang Stadler)

Dem Institut für Fachdidaktik war es gelungen, Dr. Gabriele Kasper, die in den 1990ern durch Standardwerke zur Pragmatik und insbesondere zur Pragmatikkompetenz von L2-Lernenden große Bekanntheit erlangte und sich seit nunmehr 20 Jahren vor allem mit konversationsanalytischer Forschung beschäftigt, nach Innsbruck zu holen. Vergangene Woche war Dr. Kasper nun in Innsbruck zu Besuch und hielt zunächst am Montagnachmittag einen Impulsvortrag im Rahmen einer Gesprächsrunde mit Nachwuchsforscherinnen und -forscher, gefolgt von einer angeregten Diskussionsrunde.

In ihrem öffentlichen Abendvortrag mit dem Titel „Understanding Understanding in Second Language Interaction“ ging Dr. Kasper dann der Frage nach, wie Schülerinnen und Schüler in einem CLIL-Kontext (als Fallbeispiel: Physik-Unterricht auf Englisch in Finnland) in Erklärsequenzen im plenaren Unterrichtsgespräch signalisieren, dass sie etwas verstanden oder nicht verstanden haben und wie die Lehrperson mit solchen (Nicht)-Verstehens-Situationen umgeht. Dr. Kasper zeigte in detaillierten Sequenzanalysen anhand von Videoaufnahmen aus einem Unterrichtsinteraktionskorpus aus Finnland, wie komplex die Abläufe in solchen Interaktionssituationen sind und in welch enger Verzahnung sprachliche Ressourcen mit anderen Modalitäten wie Mimik, Gestik oder Blick von den Interaktionsteilnehmenden kombiniert werden. Die face-to-face Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden kann nicht im Voraus geplant werden, sondern sie entsteht spontan, d.h. Lehrende müssen in Erklärsequenzen ad hoc auf Schüler*innen reagieren und eine Entscheidung darüber treffen, ob eine gegebene Erklärung in dem Moment verstanden wurde oder ob weitere Ausführungen oder Rückfragen etc. nötig sind. Insgesamt wurde aus den Daten ersichtlich, dass Lehrer*innen einer hohen Sensibilität bedürfen, um die Gesamtheit an multimodalen Ressourcen wahrzunehmen, die Lernende zum Ausdruck ihres Verstehens (oder Nicht-Verstehens) einsetzen und um entsprechend adäquat reagieren zu können.

(Carmen Konzett-Firth)

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