2.000 Jahre alte Häuser aus der Eisenzeit entdeckt

Bei Ausgrabungen konnten Archäologen der Universität Innsbruck in den letzten Wochen zwei über 2.000 Jahre alte Gebäude aus der Eisenzeit auf der „Hohen Birga“ in Birgitz bei Innsbruck freilegen.
Häuser auf der Hohen Birga
Bild: Die Häuser wurden in Trockenbauweise gebaut. (Credit: Florian Müller)

Bei der „Hohen Birga“ handelt es sich um einen kleinen bewaldeten Hügel nördlich von Birgitz im westlichen Mittelgebirge bei Innsbruck auf dem bereits 1937 die Überreste einer über 2.000 Jahre alten rätischen Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt worden waren. Die Räter bewohnten seit dem Ende des 6. Jahrhunderts v.Chr. den Alpenraum vom Unterengadin im Westen bis in das Virgental im Osten und im Süden bis an den Gardasee. Insbesondere in den 1940er und 1950er Jahren wurde auf der „Hohen Birga“ archäologisch geforscht, dann geriet der Platz jedoch zunehmend in Vergessenheit, die bislang entdeckten Überreste verfielen und wucherten zu. Erst vor einigen Jahren wurden durch das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck die archäologischen Ausgrabungen wieder aufgenommen und dabei mehrere Gebäude freigelegt.

Zwei Gebäude aus der Eisenzeit und reiche Funde

“Im heurigen Jahr konnten gezielt zwei Bereiche im Osten des Hügels untersucht und dabei zwei Gebäude entdeckt werden“ berichtet assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller vom Institut für Archäologien, der langjährige Grabungsleiter. Das erste Haus, welches in den Hang eingetieft war, besaß an seiner Ostseite einen über sechs Meter langen Korridor über welchen man zunächst in einen Vorraum und dann über mehrere Stufen in den eigentlichen Innenraum gelangen konnte. Die Mauern, die zum Teil aus massiven behauenen Steinen in Trockenbauweise errichteten worden waren, waren noch in einem sehr guten Erhaltungszustand. Auch vom zweiten Haus konnten mehrere Mauern freigelegt werden. Auf diesen fanden sich noch in Originallage die verkohlten Balken der ursprünglichen Holzwände. Alles spricht dafür, dass das Gebäude im Zuge eines Brandes zerstört worden war. Trotzdem hatten sich im Innenraum der gestampfte Lehmfußboden und eine aus mehreren Steinplatten gebildete Herdstelle sowie erhalten. „Durch eine für das kommende Jahr geplante Fortsetzung der Arbeiten soll das genaue Aussehen des zweiten Gebäudes definitiv geklärt werden“, hofft Müller.

Überreste der verkohlten Balken, das vor über 2.000 Jahren abgebrannten Gebäudes.
Überreste der verkohlten Balken, das vor über 2.000 Jahren abgebrannten Gebäudes. (Credit: Florian Müller)

Die Arbeiten auf der „Hohen Birga“ fanden im Zuge eine Lehrgrabung der Universität statt, d.h. über ein Dutzend junger Studierender konnte dabei auch archäologische Grabungspraxis im Rahmen ihrer Ausbildung sammeln. In den zwei Gebäuden wurden von den Studierenden zahlreiche Kleinfunde entdeckt u.a. keltische Silbermünzen, Fragmente von Glasperlen und Glasarmeifen, eine Gewandadel und mehre Anhänger aus Bronze sowie eine große Anzahl von zum Teil auch verzierten Keramikfragmenten.

Die Siedlung auf der „Hohen Birga“, die zu den bislang größten der damaligen Zeit in Nordtirol gezählt werden kann, dürfte nach fast 300 Jahren wohl mit der Eroberung und militärischen Besatzung Nordtirols durch die Römer 15 v.Chr. ihr rasches Ende gefunden haben.

Konservierung und Rekonstruktion als Archäologischer Park 

Neben den neuen wissenschaftlichen Untersuchungen auf der „Hohen Birga“ wurde in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem lokalen Verein Archäotop Hohe Birga und der Gemeinde Birgitz auch an der Erschließung des Hügels als archäologischem Park gearbeitet. Auf Basis der Grabungsbefunde konnten bereits früher entdeckte Gebäude teilweise rekonstruiert werden. „Um an der Vergangenheit interessierten Besucherinnen und Besucher ein noch besseres Bild vom Leben der Menschen auf der Hohen Birga zu geben, wird derzeit gerade auch an der Entwicklung eines Audioguides gearbeitet“ berichtet Müller.

(Florian M. Müller)

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