Akade­mische Ant­worten auf Krieg und Gewalt

Eine irakische Delegation mit Wissenschaftsminister Abdul Razzaq Jalel al-Esa an der Spitze kam im Juni zu einem höchst erfolgreichen Arbeitstreffen an die Universität Innsbruck. Eingeladen hatte der Arbeitsbereich für Friedens- und Konfliktforschung, um sich über eine zukünftige Zusammenarbeit zu einigen. Die Delegation wurde auch von Rektor Tilmann Märk empfangen.
al-Esa an der Uni Innsbruck
Bild: Der irakische Wissenschaftsminister Abdul Razzaq Jalel al-Esa (1. Reihe, 4. von rechts) wurde am 22. Juni im Salon des Rektors empfangen. (Credit: Universität Innsbruck)

Um sich über das Innsbrucker Modell der Friedens- und Konfliktforschung zu informieren und Unterstützung beim Wiederaufbau universitärer Strukturen und einer Scientific Community zu erhalten, war der Irakische Wissenschaftsminister auf Einladung von Universitätsprofessor Wolfgang Dietrich, UNESCO-Chairholder for Peace Studies, nach Innsbruck gekommen. Zu seiner Begrüßung am 22. Juni haben sich neben Rektor Tilmann Märk und Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg weitere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Universität Innsbruck im Salon des Rektors eingefunden. „Für uns war dieser Besuch von äußerst großer Bedeutung und eine große internationale Anerkennung für die Qualität der Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Innsbruck“, erklärte Wolfgang Dietrich im Rahmen des offiziellen Empfangs im Salon des Rektors.

Bereits bei dieser Gelegenheit wurden die Herausforderungen, vor denen Lehrende, Studierende und Forschende an irakischen Universitäten derzeit stehen, sehr eindrücklich von Minister al-Esa geschildert: Viele Universitäten wurden in den vergangenen Jahren von IS kontrolliert, die Studierenden und Lehrenden sind vom Krieg traumatisiert und die Infrastruktur liegt teilweise in Trümmern, sodass der Wiederaufbau gerade erst am Anfang steht.

Die Einsicht, dass Konflikttransformation nach derartigen Eskalationen der Gewalt unter guten Bedingungen zumindest drei Generationen braucht und diese Prozesse verstanden und begleitet werden müssen, ist Ausgangspunkt der Kooperation mit den Friedens- und Konfliktforscherinnen und -forschern der Universität Innsbruck. Unter ihrer Federführung will man im Irak eigene Kapazitäten für Friedens- und Konfliktforschung an irakischen Unis aufbauen. Im Verlauf des Besuchs informierte sich Minister Al-Esa daher bei UNESCO Chairholder Prof. Wolfgang Dietrich, der internationalen Projektkoordinatorin des UNESCO Chairs Dr. Josefina Echavarría Alvarez und beim Tiroler Militärkommandanten Generalmajor Herbert Bauer über die curricularen und didaktischen Besonderheiten des Innsbrucker Master Curriculums in Friedens- und Konfliktforschung. „Uns ist es dabei wichtig, in unserer Arbeit für unsere Projektpartnerinnen und -partner eine begleitende und unterstützende Rolle zu spielen und dabei immer die Frage nach den vorhandenen Ressourcen und Potentialen ins Zentrum unserer Bemühungen zu stellen. Wir wollen nicht unser Innsbrucker Modell der Friedens- und Konfliktforschung eins zu eins in andere Kontexte zu übersetzen, sondern verstehen uns in diesen Prozessen immer als BegleiterInnen und niemals als ExpertInnen“, betonen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitsbereiches für Friedens- und Konfliktforschung unisono.

Vielfältige Kooperation

Beim Arbeitsbesuch von Minister al-Esa kam man zu mehreren konkreten Ergebnissen: Es wurde über das United Nations Development Programme UNDP und die Iraqi Al Amal Association ein größeres Projekt im Bereich des Capacity Buildings für Friedens- und Konfliktforschung im Irak angebahnt. Dabei soll unter Federführung des UNESCO Chair for Peace Studies ein Diplom-Programm für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Baghdad aufgebaut werden. Außerdem sollen transdisziplinäre Workshops und Trainings im Bereich von Lehre und Forschung in den Peace and Conflict Studies für irakische Kolleginnen und Kollegen angeboten werden. Darüber hinaus ist geplant, Konflikttransformationsworkshops für Studierende verschiedener irakischer Universitäten durchzuführen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dann im Weiteren einen eigenen aktiven Beitrag zur Friedensarbeit mit unterschiedlichen ethno-politischen Gruppen an ihren jeweiligen Universitäten leisten.
Zudem wurde der Grundstein für die Einrichtung eines Stipendienprogramms für Studierende aus dem Irak gelegt, um in den Bereichen Digital Humanities, archäologische Grabungsmethoden und Friedens- und Konfliktforschung Ausbildungsmöglichkeiten an der Universität Innsbruck zu gewährleisten.

(Adham Hamed/red)

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