Martin Korenjak

Advanced Grant des ERC für Innsbrucker Latinisten

Mit der Rolle von Latein in der frühen Wissenschaftsgeschichte beschäftigt sich Prof. Martin Korenjak vom Institut für Sprachen und Literaturen. Mit einem entsprechenden Antrag war der Latinist nun beim Europäischen Forschungsrat (ERC) erfolgreich – für „Nova Scientia. Early Modern Scientific Literature and Latin“ erhält er einen Advanced Grant und damit 2,4 Millionen Euro.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) unterstützt Pionierforschung von herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit den ERC Advanced Grants werden etablierte Spitzenforscher ausgezeichnet, die beantragte Fördersumme von bis zu 2,5 Millionen Euro wird über fünf Jahre ausbezahlt. Martin Korenjak ist nach dem Physiker Rainer Blatt der zweite Forscher der Uni Innsbruck, der einen Advanced Grant des ERC erhält. Dieses Jahr bekommt außerdem Christian Roos, Forscher an dem an die Universität Innsbruck angebundenen ÖAW-Institut IQOQI, einen Advanced Grant.

Wissenschaft, wie wir sie kennen

Die Art, wie wir Natur betrachten und Phänomene unserer Umwelt beschreiben, hat sich zwischen dem späten 15. und frühen 18. Jahrhundert fundamental verändert und zur Herausbildung dessen beigetragen, was wir heute unter (Natur-)Wissenschaft verstehen. Latein – schon damals ohne Muttersprachler als aktive Sprecher – spielte dabei eine zentrale Rolle. „Ohne Latein als damalige lingua franca der Gelehrtenwelt wäre dieser Prozess nicht vorstellbar. Erst Latein ermöglichte es Forschern der frühen Neuzeit, miteinander über europäische Landes- und Reichsgrenzen hinweg zu kommunizieren – es nahm in der damals entstehenden Wissenschaft jene Rolle ein, die heute Englisch spielt“, erklärt Prof. Martin Korenjak. In seiner bisherigen Arbeit hat der Latinist unter anderem zur vollständigen Erfassung der in Tirol erschienenen neulateinischen Literatur beigetragen und leitet eine Forschungsgruppe zu Mentalitäten am Ludwig-Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien in Innsbruck. „Über die Arbeit zur Mentalitätsgeschichte, insbesondere zum Verhältnis der Menschen zur Natur – das änderte sich vom Mittelalter zur Neuzeit stark – bin ich auf frühe wissenschaftliche Texte gestoßen, die sich eben mit der Beschreibung und Erforschung dieser Natur befassen“, sagt er.

Neulatein in Innsbruck

Forschung zum Neulatein, also dem Latein der Neuzeit, hat in Innsbruck lange und erfolgreiche Tradition, die bislang 2011 in der Einrichtung eines eigenen, mit der Universität durch eine Partnerschaft verbundenen Ludwig-Boltzmann-Instituts für Neulateinische Studien gipfelte und nun in der Zuerkennung eines ERC Advanced Grants für Prof. Martin Korenjak eine logische Fortsetzung findet. Im Rahmen des Projekts „Nova Scientia. Early Modern Scientific Literature and Latin“ ist nun geplant, wissenschaftliche Texte in lateinischer Sprache aus der frühen Neuzeit systematisch zu erfassen und zu untersuchen. Die Texte werden dabei auch für die interessierte Öffentlichkeit digital zugänglich gemacht. „Bei mir persönlich trifft sich hier meine literaturwissenschaftliche Forschung mit einem inzwischen schon etwas verschütteten Interesse an Naturwissenschaft und Mathematik – ein Ziel ist, mit diesem Projekt auch den Graben zwischen Geistes- und Naturwissenschaft schließen zu helfen“, erläutert der Latinist. Das Projekt beginnt 2018, bis dahin hat der Forscher Zeit, sein Team zusammenzustellen. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung durch den ERC. Und klar ist auch: Ohne die Unterstützung durch das gesamte engere und weitere Umfeld an der Universität – seien es Uni-Leitung, Fakultät, Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft oder Institut – wäre ich nicht so weit gekommen.“

Zur Person

Martin Korenjak (*1971 in Wels, Oberösterreich) ist seit 2009 Professor am Institut für Sprachen und Literaturen der Uni Innsbruck. Er ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften, seit 2014 Vizepräsident der „Deutschen Neulateinischen Gesellschaft“ und hat eine Reihe wissenschaftlicher Konferenzen organisiert und geleitet. Gemeinsam mit Karlheinz Töchterle hat er außerdem 1999 die Konferenzreihe PONTES zur Rezeption der klassischen Antike initiiert, die zuletzt 2014 stattgefunden hat und von ihm organisiert wurde. Vor seinem Ruf nach Innsbruck war Martin Korenjak Professor an der Universität Bern. Seit 2006 hat der Latinist unter anderem eine Monografie, sechs Bände als Mit-Herausgeber und über sechzig Beiträge für Fachzeitschriften und Sammelbände verfasst, außerdem über vierzig Vorträge und Präsentationen auf Fachkonferenzen gehalten. Hervorzuheben ist unter anderem sein Beitrag im Projekt „Tyrolis Latina“, der ersten detaillierten Erfassung der neulateinischen Literatur in einer europäischen Region, die in zwei Bänden publiziert wurde. Martin Korenjak leitet eine Forschungsgruppe am Innsbrucker Ludwig-Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien.


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