120 Jahre: Theo­logie­stu­denten aus der Ukraine

Seit 1899 studieren Angehörige der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Innsbruck. Anlässlich des 120-Jahr-Jubiläums besuchte deren Oberhaupt, Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk, Innsbruck und nahm am 8. November an einem Festakt an der Universität teil.
Gruppenbild vom Festakt zum Jubiläum 120 Jahre ukrainische Theologiestudenten an der Theologischen Fakultät
Bild: 1. Reihe v. li.: Dr. Oleksandr Petrynko (Eichstätt), Bischöfe Petro Loza und Volodymyr Hruza (Absolventen der Katholisch-Theologischen Fakultät), Dr. Andreas Schermann SJ (Rektor des Collegium Canisianum), Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM (Salzburg), Bischof Hermann Glettler (Innsbruck), Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk, Yuriy Kolasa (Generalvikar für die katholischen Ostkirchen in Österreich), Botschafter Oleksandr Scherba und Honorarkonsul Walter Peer. (Credit: Roman Petruniv)

Bei der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK) handelt es sich um eine christliche Kirche, die 1596 durch die „Union von Brest“ im damaligen Polen-Litauen entstand und heute ca. 5 Millionen Mitglieder weltweit zählt. Am stärksten verbreitet ist sie in ihrem westukrainischen Stammgebiet mit dem Zentrum L’viv (Lemberg), offizieller Sitz ist seit 2005 Kyiv (Kiew). Die beiden verheerenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die kommunistische Herrschaft sowie die jahrzehntelange Unterdrückung der UGKK in der Sowjetunion führten zur Bildung großer ukrainischer Exil-Gemeinschaften, vor allem in Nordamerika. Die Zahl der Angehörigen der UGKK in Österreich liegt heute im hohen vierstelligen Bereich.

Die UGKK gehört zur Gruppe der „katholischen Ostkirchen“, ihr philosophisches, theologisches und kulturelles Erbe verweist zurück auf das Christentum des oströmischen Reichs mit seiner Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz). Wichtigste Grundlagen sind die Lehrentwicklung und die Rezeption Platons im spätantiken Christentum. Im Unterschied zu den prägenden Denkformen im lateinischen Westeuropa blieb das östliche Christentum stärker von poetischem und metaphorischem Denken geprägt. Das liturgische Zeremoniell der UGKK bewahrt alte byzantinische Ausdrucksformen; Entwicklungen wie der Priesterzölibat der römisch-katholischen Kirche sind ihm dabei fremd geblieben. Während diese Elemente mit dem orthodoxen Christentum übereinstimmen, besteht zugleich durch die Union von Brest volle Kircheneinheit mit der römisch-katholischen Kirche.

Fast ununterbrochen studieren Ukrainer seit 1899 in Innsbruck Theologie und Philosophie; dabei besteht eine enge Anbindung an das Collegium Canisianum in der Sillgasse, an den Jesuiten- und an den Redemptoristenorden.

Anlässlich des 120-Jahr-Jubiläums des ukrainisch-katholischen Gemeindelebens in Tirol besuchte das Oberhaupt der UGKK, Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk, vom 8. bis 10. November 2019 Innsbruck. Am 8. November fand ein Festakt an der Katholisch-Theologischen Fakultät statt, in dessen Rahmen Vizerektorin Ulrike Tanzer die Bedeutung der Internationalität der Universität Innsbruck hervorhob, zu der auch die Katholisch-Theologische Fakultät und die ukrainische Gemeinschaft beitragen. Großerzbischof Sviatoslav deutete in seinem Festvortrag das akademische Studium ausgehend vom Stadtnamen Inns-Bruck als Weg über eine Brücke zur Reifung der Persönlichkeit.

Im Rahmen des Festwochenendes wurde auch jener Innsbrucker Studenten gedacht, die in der Sowjetunion ihre Überzeugungen mit dem Leben bezahlten; besonders das Canisianum hält die Erinnerung an sie wach.

Vorgestellt wurde zudem die Festschrift „120 Jahre ukrainische Theologiestudenten und ukrainische Gemeinde Innsbruck“, erarbeitet von Mitgliedern der ukrainischen Gemeinschaft Tirols, darunter mit Mag. Ihor Hinda und Mag. Volodymyr Mamchyn auch zwei derzeitige Doktoranden der Katholisch-Theologischen Fakultät.

(Liborius Olaf Lumma)

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