Oswald von Wolkenstein-Ritt


Der Oswald von Wolkenstein-Ritt ist ein mittelalterlichen Reitturnieren nachempfundenes Reiterspiel, welches alljährlich im Frühling in den Gemeinden Prösels, Völs, Seis und Kastelruth stattfindet. Dabei versuchen 35 Mannschaften zu je 4 ReiterInnen, vier Prüfungen so schnell und fehlerfrei wie möglich zu bewältigen. Neben dem Preisgeld für die 10 bestplazierten Teams gibt es für die Siegermannschaft die Oswald von Wolkenstein Standarte. Diese wird der siegreichen Mannschaft für ein Jahr verliehen, erst nach dem dritten Sieg einer Mannschaft darf die Standarte behalten werden.

Bereits um 7:00 Uhr morgens starten die Mannschaften in ausgeloster Reihenfolge von der Trostburg Richtung Kastelruth, wo am Kofl das 1. Turnierspiel, das "Ringstechen" stattfindet. Bei diesem Spiel muß der Reiter in einem Rundkurs reitend eine Bannerstange durch drei an Stangen befestigte Ringe durchstechen. Wie bei einer Staffel wird die Bannerstange so schnell wie möglich dem Mannschaftskollegen übergeben, damit dieser den Bewerb fortsetzen kann.

Das "Labyrinth", das 2. Turnierspiel, findet am Matzlbödele in Seis statt. Dabei reitet jede Mannschaft, Seite an Seite die Bannerstange haltend, zur "Festung", wo dann jeder einzeln das Labyrinth zu bewältigen hat. Nebeneinander und die Stange haltend, müssen die vier wieder zurück ins Ziel.
Das 3. Turnierspiel, der "Hindernis-Galopp" findet am Völser Weiher statt. Bei diesem Bewerb müssen die vier Reiter so schnell wie möglich einen Parcours, der vom Reiter wie vom Pferd viel Geschick erfordert, durchreiten.

Auf Schloß Prösels findet das letzte Turnierspiel, der "Tor-Ritt" statt, bei dem die Reiter einzeln mit dem Banner in der Hand durch Torstangen reiten müssen, ohne diese zu berühren. Berührungen werden durch ein an der Torstange montiertes Glöckchen angezeigt und verursachen Strafsekunden. Im Anschluß daran findet die Siegerehrung statt.

 Der Oswald von Wolkenstein-Ritt fand 1983 zum ersten Mal statt. Seitdem stieg die Zahl der teilnehmenden Mannschaften kontinuierlich an, so daß 1998 erstmals Vorausscheidungen stattfanden, aus denen sich die besten 35 Mannschaften für den Bewerb qualifizierten. Benannt wurden diese Reiterspiele nach dem Südtiroler Minnesänger Oswald von Wolkenstein (1376/78 - 1445). Der einer auf dem Schlern ansässigen Adelsfamilie entstammende Oswald - zu Lebzeiten nur einem Insiderpublikum bekannt - gilt heute als bedeutendster deutschsprachiger Liedautor des späten Mittelalters.

Der Wolkensteinritt ist ein Beispiel eines neu eingeführten Brauchs, der auf keine vergleichbare Tradition in diesem Gebiet aufbauen kann. In der geschickten Namenswahl und verschiedenen historischen Brauchrequisiten liegt jedoch eine Tendenz zur Historisierung, die dem an sich jungen Brauch den Anschein alter Tradition verleiht.

 


Literatur:
Kretzenbacher, Leopold: Ringreiten, Rolandspiel und Kufenstechen. Sportliches Reiterbrauchtum als Erbe aus abendländischer Kulturgeschichte. Klagenfurt 1966.