Telfer Schleicherlaufen


Berichte über die Abhaltung des Schleicherlaufens selbst liegen seit dem Jahr 1830 vor. In großer Aufmachung wird es nur alle fünf Jahre abgehalten, früher am Unsinnigen Donnerstag, seit 1890 am Faschingssonntag.

Den Auftakt bildet das Naz-Ausgraben, das nicht vor Dreikönig stattfinden darf. Der Naz gilt als die Verkörperung der Fastnacht; zu Faschingsende wird er wieder begraben. Einer Reihe einleitender Bräuche, wie dem Eseleinholen, den Umzügen der Sonnenträger und Wildleute, die Baumflechten und Moose zur Kostümierung verwenden, sowie dem Bäreneinfangen folgt schließlich das Schleicherlaufen. Das eigentliche Schleicherlaufen beginnt am Faschingssonntag nach dem letzten Böllerkrachen um 11 Uhr. Im Ortsteil Luma setzen sich die Herolde, als erste Gruppe des Zuges, in Bewegung. Ihre Aufgabe ist es, die Fastnacht anzukündigen bzw. das Programm auf den Aufführungsplätzen bekanntzugeben. Nach der Musikkapelle von Telfs folgt die nächste Gruppe, die Vier Jahreszeiten. Die Gruppe der Wilden, in Baumbart gehüllte Gestalten, mit hölzernen Gesichtsmasken hat heute mit den zunehmenden Zuschauermassen vor allem die Aufgabe einer Ordnungsmannschaft. An Engstellen dirigieren sie die Festwagenlenker an Hindernissen vorbei. Die Wilden ziehen auf einem kleinen Fuhrwerk den sog. Panznaff mit sich: ein affenartiges Wesen, in einem Fass sitzend, das wilde Grimassen schneidet und die Tschinellen schlägt.

Laternenträger

Der sog. Innengruppe der Schleicher geht eine der auffallendsten Figuren des Telfer Schleicherlaufens voraus: der Laternenträger. Er trägt einen Hut in der Form eines Dreispitzes mit einem senkrechten Mittelkegel, der mit Maiskörnern verziert ist. Sein Gesicht ist mit weißer Farbe geschminkt, Wangen und Lippen sind rot. Das Kostüm ist eine Art Harlekinsgewand. In der rechten Hand schwingt er eine große quaderförmige mit grünen Butzenscheiben bemalte Laterne. Er dreht sich um seine eigene Achse und schwingt die Laterne im Kreise mit, wobei seine Gesichtszüge immer ernst bleiben, er würdig und feierlich wirkt trotz seiner Narrenkleidung.

Dem Laternenträger folgt die Innengruppe der Schleicher: Wirt, Kellnerin, der Goaser, Tuxer und Tuxerin, Senner und Sennerin. Eine besondere Funktion hat hier der Wirt:
„Der Wirt ist eine sehr wichtige Persönlichkeit. Er hat zu erforschen, in welchem Hause sich zahlungskräftige Zuschauer aufhalten. Er muß genau den Titel dieser Persönlichkeiten wissen, ein muß ein gutes `Mundstück`haben, um mit jedem reden zu können, er muß auch einige Gläschen Wein vertragen und wohl verstehen, weinselige Gäste zu bannen."

Die eigentliche Schleichergruppe wird von dem sog. Vorläufer oder Vorhupfer angeführt.

Charakteristisch für das Telfer Schleicherlaufen ist aber die Gruppe der Schleicher. Mit gigantischen Hüten ausgerüstet, auf denen Miniaturbühnen errichtet sind, die Themen aus den Bereichen des bäuerlichen Lebens ebenso darstellen wie bestimmte Sinnbilder (Turm, Drache, Windmühle, Faß u.a.) zeichnen sich diese Figuren durch besondere Schönheit aus, die mit prächtigen farbigen Gewändern und bemalten Drahtgeflecht-Larven hervorgehoben wird.

Schleicherlaufen in Telfs

Zu den unverzichtbaren Attributen der Schleicher gehören die Schellen und ein halbmeterlanger Holzstab, an dem Brezen aufgefädelt werden, die dann den Zuschauern zugeworfen werden. Die Bezeichnung Schleicher wird auf den schleichenden Gang der Hauptgruppe des Schleicherlaufens zurückgeführt.

Am jeweiligen Aufführungsplatz stellen sich die Schleicher hintereinander auf. Nachdem der Wirt sein letztes „Hoch" ausgerufen hat und die Schleicher darauf mit dem Anschlagen der Schellen reagiert haben, bläst der Goaßer in sein Horn und die Schleicher beginnen mit den Sprüngen, wobei die Schelle immer nur einmal bei jedem Sprung anschlagen darf. Je nach offizieller Würde des Geehrten oder einer ganzen Gruppe tanzen die Schleicher einen viertel, halben oder ganzen Kreis. Dann bläst der Goaßer wieder in sein Horn, was das Signal zur Beendigung des Kreistanzes bedeutet.
Danach folgen die Bärengruppe, die Orientalen bzw. Exoten, die Laninger, die Vogler etc. und die prächtig gestalteten Festwägen.

Mit dem Nazeingraben am Faschingsdienstag endet die große Fastnacht in Telfs.



Literatur:
Pfaundler, Wolfgang: Die Fastnacht in Telfs, Innsbruck 1981
Haider, Friedrich: Tiroler Brauch im Jahreslauf, Innsbruck
Dörrer, Anton: Tiroler Fastnacht, Innsbruckl 1949

Hompage des Telfer Schleicherlaufens: www.schleicherlaufen.at