Palmeselprozession (Hall, Thaur)


Älter als die zuerst im 7. Jh. belegte Palmweihe ist die Prozession am Palmsonntag. Im Bemühen um möglichst eindrucksvolle Darstellungen des Festevangeliums ließen sich spätestens seit dem 13. Jh. viele Gemeinden Palmesel herstellen, oft lebensgroße Eselplastiken, auf denen nicht selten eine holzgeschnitzte Christusfigur ihren Platz hatte. Von den ca. 160 in Mitteleuropa erhaltenen Palmeselstatuen datieren rund 10 Exemplare aus der Frühzeit des Brauches (13./14.Jh.) und über 60 Stücke aus dem 15. Jh. Der ehemals im gesamten oberdeutschen Sprachraum, aber auch in den niederländischen und belgischen Gebieten verbreitete Umzug mit einem Palmesel ist heute nur noch in wenigen Orten üblich.

Palmeselprozession in Thaur 2000 Photo: © Karl Berger 2000

Palmeselprozession in Thaur 2000
Photo: © Karl Berger 2000

Man verschmähte es nicht, sich " in der Nachfolge Christi" selbst auf einen Esel zu setzen. Die Salzburger Erzbischöfe zum Beispiel pflegten im ersten Jahr nach ihrer Wahl einen Palmritt zur Nonnbergkirche zu machen, allerdings nicht auf dem plebejischen Esel, sondern auf einem Schimmel. Im Salzburgisch- Oberbayerischen durften die Kinder nach einem Bericht von 1785 auf einem lebendigen Palmesel reiten, bis das Konsistorium das "Eselsfest" verbot. Meist verwendete man aber hölzerne Esel, die festlich aufgeputzt, mit einer Christusfigur darauf, auf einem Karren in der Prozession mitgezogen wurden. Ein ganz besonderer und begehrter Prozessionsesel stand zu Anfang des 19. Jh. unter dem Nonnberger Tor in Salzburg. Das Holztier war ein wahres Wundertier, das nach Bedienung einer Vorrichtung Feigen und Bockshörndl auswarf.

Die meisten dieser Esel sind dem Bildersturm der Reformationszeit zum Opfer gefallen, die Esel die den Sturm überstanden, verbannte die Aufklärung zu Ende des 18. Jh. Einige wenige Palmeselumzüge haben sich bis heute erhalten, so in Thaur in Tirol und in Puch bei Hallein. In anderen Orten, wie Hall in Tirol hat man versucht den Brauch wieder neu zu beleben.


Palmeselprozession in Thaur

Neben der Palmweihe hat sich in Thaur auch die Palmeselprozession erhalten. Sie beginnt am Palmsonntag um 12.00 Uhr bei der Thaurer Pfarrkirche. Auf einem vierrädrigen Wagengestell wird der holzgeschnitzte Palmesel mit der fast lebensgroßen Christusfigur von Ministranten gezogen. Von der Pfarrkirche führt die Prozession hinauf über Wiesen zum Romedi-Kirchlein, wo eine kurze Andacht stattfindet. Von dort zieht die Prozession hinunter zur Pfarrkirche von Rum und nach einer weiteren Andacht wieder zurück nach Thaur.

Palmeselprozession in Thaur 2000 Photo: © Karl Berger 2000

Palmeselprozession in Thaur 2000
Photo: © Karl Berger 2000

Palmeselprozession in Hall
Vor der Palmsonntagsmesse findet vor der alten Pfarrkirche St. Nikolaus am Oberen Stadtplatz die Weihe der Palmen statt. Bei der anschließenden Prozession werden nicht nur die Palmlatten und spätbarocke Zunftstangen mitgetragen, sondern es wird auch die holzgeschnitzte Figur des Christus auf einem Esel reitend mitgeführt. Die Palmprozession mit dem Palmesel zieht von der Kirche zum Brunnen am Oberen Stadtplatz, durch die Walpachgasse, Krippgasse und Bachlechnergasse wieder zurück zur Stadtpfarrkirche.

Der früher vielerorts ausgeübte Brauch ist für Hall vom 15. Jh bis zum Jahre 1826 nachgewiesen. 1968 wurde der Brauch vom damaligen Stadtpfarrer wieder eingeführt und findet seither jährlich unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Die Figur des Haller Esels hat im Bauch einen Hohlraum, in den früher vor der Prozession geweihte Brote hineingelegt wurden. Wenn der Palmesel über das Steinpflaster polterte, fielen die Brote zur Freude der Kinder nach und nach bei der geöffneten Klappe heraus.