Funkensonntag


Der Funkensonntag - in Vorarlberg auch Küachlisonntag, Holepfannsonntag oder Alte Fastnacht genannt -ist der erste Sonntag nach dem Aschermittwoch (Sonntag invocavit; erste Fastensonntag), der Termin steht also am Beginn der Fastenzeit bzw. am Ende der Fastnacht . Seinen Namen erhielt er von den Abbrennen meterhoher Holzscheiter, den sogenannten Funken. Verbreitungsgebiet des Feuerbrauchs ist der schwäbisch - allemannische Raum (Schwarzwald, Schweiz, Allgäu, Vorarlberg) sowie das Tiroler Oberland (Landeck, Flirsch, Schnann,..) oder der Vinschgau (Stilfs).

Bis der Funken angezündet werden kann, sind einige Vorbereitungen zu treffen. In Vorarlberg wird diese Arbeit vielerorts von einer Funkenzunft übernommen. Am Faschingsdienstag wird die Funkentanne geschlagen (in Teilen Vorarlbergs kann die Länge bis zu 30 Meter betragen!). Am Samstag vor dem Funkensonntag wird mit dem Aufbau des Funkens begonnen. Ist der Funken errichtet, wird am Geäst der Funkentanne eine lebensgroße Stoffpuppe, die sogenannte Funkenhexe, befestigt. Im Bauch der Hexe befindet sich oft Schießpulver.

Holepfannsonntag in Vorarlberg, 1999 Photo: Unser Ländle vom 10.3.2000

Holepfannsonntag in Vorarlberg, 1999
Photo: Unser Ländle vom 10.3.2000

Bei Anbruch der Dunkelheit wird der Funken entzündet. (In Gegenden Vorarlbergs wird am Nachmittag der Kinderfunken abgebrannt). Erreichen die Flammen die Hexe, explodiert diese auf Grund des Schießpulvers mit einem heftigen Knall.

Der älteste Beleg für den dem am Funkensonntag statt findenden Feuerbrauch stammt aus einem lateinischen Brandbericht des Benediktinerklosters Lorsch aus dem Jahr 1090. Laut Bericht wurde der Brand des Klosters durch eine brennende Holzscheibe entfacht, den die Burschen am Abend des 21. März 1090 geworfen hatten. Weitere Belege aus dem 15. Jahrhundert (Basel) sowie des 16. und 17. Jahrhunderts (Luzern, Bregenz, Innsbruck,..) belegen die einstige Verbreitung des Brauchs. Erst mit der Aufklärung wurde der er zurück gedrängt. Die Verbrennung einer Hexenpuppe auf den Funken ist nicht ein Rest der schrecklichen Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit, sondern vermutlich erst im 19. Jhd. in Anlehnung an die Fastnacht entstanden. Nach dem ersten Weltkrieg ließ der Brauch des Funkenabbrennens stark nach. Auf Grund des allgemeinen Holzmangels war er sogar einige Jahre verboten.

Verschiedenste Erklärungen deuten den Funkensonntag als Relikt eines germanischen Frühlingskultes bzw. eines heidnischen Neujahrsfestes. Diese Erklärung ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar. Die heidnische Interpretation des Brauchs läßt Überlieferung, Termin des Brauchs oder das in manchen Orten stattfindende Rügeverfahren (v.a. Scheibenschlagen) völlig außer Acht. Das Abbrennen des Funkens steht vielmehr in engen Zusammenhang mit der Fastnacht. Außerdem diente der Funken zur Verbrennung von Unrat (noch heute werden alter Chrsitbäume in den Funken geworfen) und hatte somit einen übberaus profane Funktion, die in Verbindung mit der Frühjahrsreinigung des Hauses und der Wiesen stand.

In den letzten Jahren wurde das Funkenabbrennen in Vorarlberg zum "klassi8schen Landesbrauch" hochstilisiert. Diese Identitätsstiftung des Brauchs ging sogar so weit, daß nach Wien gezogene Vorarlberger auf der Himmelwiese in Wien einen Funken abbrannten.

 


Literatur:
Gapp, Hans: Alpenbräuche, Innsbruck 1994
Johler, Reinhard: Die Formierung eines Brauches. Der Funken- und Hohlepfannsonntag in Vorarlberg (Veröffentlichung des Inst. f. Volkskunde, Wien, Bd. 19) Wien 2000
Vorarlberger Nachrichten von 20.3.2000, S.5