2017-06 Jochen Engert

Flixbus-Gründer Jochen Engert zu Gast an der SOWI

Jochen Engert, Mitglied des Gründerteams von Flixbus, war Redner der dritten Auflage der „Business Leaders Lecture Series“ der Fakultät für Betriebswirtschaft. Vor rund 350 Studierenden präsentierte der erfolgreiche Gründer, wie es seinem Unternehmen gelang, sich gegen etablierte Branchengrößen durchzusetzen und innerhalb weniger Jahre zum Marktführer auf dem Fernbusmarkt zu avancieren.

Begrüßt wurde der Gast zunächst vom Rektor der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Dr. hc mult. Tilmann Märk. Dieser würdigte zunächst die Bedeutung der „Business Leaders Lecture Series“ für den Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Ferner verwies Märk in seiner Begrüßung auf Initiativen der Universität, wie die Schaffung einer Professur für Entrepreneurship und die Beteiligung am InnCubator, mit denen eine Start-Up Kultur unter den Studierenden etabliert werden soll. Im Anschluss daran begrüßte auch der Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, Univ.-Prof. Dr. Matthias Bank den Redner und stellte dessen beruflichen Werdegang kurz vor. Wie auch sein Vorredner betonte Bank, dass Formate wie die „Business Leaders Lecture Series“ dazu beitragen sollen, unter den Studierenden den „Appetit auf Unternehmensgründungen“ zu wecken.

Start-Ups sind Chancen mit Risiko

Zu Beginn seines Vortrags erzählte Jochen Engert, wie bei ihm und seinen beiden Mitgründern der Wunsch entstand, ein Unternehmen zu gründen, nachdem sie bereits mehrere Jahre als Unternehmensberater tätig waren. Im Koalitionsvertrag der letzten deutschen Bundesregierung erkannten sie die geplante Aufhebung des Fernbusverbots von 1934 als Chance, in einen neuen Markt einzusteigen. Der finale Entschluss ein Unternehmen zu gründen fiel allerdings erst, als die Deutsche Bahn erklärte, dass der Fernbusmarkt für sie nicht interessant sei. Weiter ermutigt wurde das Gründungsteam dadurch, dass die Nachfrage nach Mobilität und insbesondere Fernreisen steigt, die Verbraucher aber gleichzeitig umweltschonend verreisen wollen.

Entgegen den Bedenken der Familien, von Freunden und Kollegen beschlossen die drei Gründer, ein Fernbusunternehmen zu gründen. Noch bevor die Liberalisierung des Fernbusmarkts von der Regierung beschlossen wurde, reisten sie durch Deutschland und warben bei mittelständischen Busunternehmen für ihre Idee. Diese bestand darin, dass die Busunternehmer den Betrieb der Busse übernehmen und Flixbus sich um die Planung des Streckennetzes, die Buchung, den Service und das Marketing kümmert.

Durch eine ausgeprägte Kundenorientierung gelang es dem Gründer-Team, das Image von Fernbussen grundlegend zu ändern und sich als Unternehmen neben Staatsbahnen, Airlines und weniger kundenfreundlichen Busunternehmen zu etablieren. Durch geschickte Unternehmenszusammenschlüsse und –übernahmen gelang es Flixbus in den Folgejahren zum Marktführer in Deutschland aufzusteigen. Als Ziele für die nähere Zukunft nannte Engert die Erschließung weiterer europäischer und internationaler Märkte und Möglichkeiten außerhalb des Kerngeschäfts.

„Wenn es schiefgehen kann, wird des schiefgehen“

Ausgehend von seinen Erfahrungen gab Jochen Engert zum Abschluss seines Vortrags prospektiven Unternehmern noch Tipps für die Gründung eines Start-Ups mit auf den Weg. Er unterstrich, dass es unumgänglich ist, Risiken einzugehen, wenn man erfolgreich sein will. Außerdem sei es wichtig, Fehler getreu dem Motto „wenn es schiefgehen kann, wird es schiefgehen“ zu akzeptieren, diese aber nicht zu wiederholen.

Dass die „Business Leaders Lecture Series“ den Nerv der Studierenden getroffen hat, zeigte sich nicht nur daran, dass den hochsommerlichen Temperaturen und der Prüfungsvorbereitung zum Trotz rund 350 Studierende zum Vortrag kamen. Auch die Vielzahl von Fragen aus dem Publikum zu Themen wie dem Arbeitstag eines Gründers, Erfahrungen und Fehlern, Finanzierung, Compliance und Marketing zeugte von einem hohen Interesse der Studierenden.

Zur Person

Jochen Engert studierte Betriebswirtschaft an der Universität Stuttgart. Vor der Gründung von Flixbus in den Jahren 2011/12 war er bei Porsche und den Unternehmensberatungen Boston Consulting Group und Horvath und Partner tätig.