Der Internationale Frauentag am 8. März rückt die bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt. Im wissenschaftlichen Bereich zeigen sich strukturelle Unterschiede und geschlechterspezifische Herausforderungen unter anderem in der Abnahme des Frauenanteils mit zunehmender Karrierestufe. Dies spiegeln auch die Zahlen der Universität Innsbruck wider: Während bei den Bachelor- und Masterstudienabschlüssen der Anteil der Studentinnen 55 Prozent beträgt, sinkt der Frauenanteil bei den Doktoratsabschlüssen auf 47 Prozent. Unter den wissenschaftlichen Angestellten der Universität Innsbruck sind 42,5 Prozent Frauen, bei den Professor:innen beträgt der Anteil nur noch 30,8 Prozent.
„Dieser Umstand wird oft als ‚Leaky Pipeline‘ bezeichnet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es geht um die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft als Vorbilder, die Überwindung hartnäckiger Stereotype und die Vereinbarkeit von Forschung und Familie“, so Veronika Sexl, Rektorin der Universität Innsbruck. „An der Universität Innsbruck setzen wir uns mit Nachdruck für Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit ein. Die Förderung von Frauen in der Wissenschaft ist mir ein Herzensanliegen, denn Exzellenz kann nur entstehen, wenn alle Talente gesehen und gefördert werden“, betont Sexl.
Frauenförderung mittels UIBK-FemCareer-Fellowship
Aus diesem Grund wurde 2025 das Frauenförderungsprogramm „UIBK-FemCareer“ ins Leben gerufen. Das Programm richtet sich an junge, engagierte Wissenschaftlerinnen, die nach ihrem abgeschlossenen Doktorat als „Early Career Postdocs“ am Beginn ihrer akademischen Karriere stehen.
Förderziele sind die Schärfung des persönlichen Forschungsprofils im Austausch mit den Wissenschaftler:innen der Universität Innsbruck sowie das Ermöglichen von neuen Forschungsprojekten. Die neu geschaffenen Stellen sind Vollzeitstellen und bieten eine dreijährige Finanzierung. Die Universität Innsbruck finanziert die Anstellung der Postdoktorandinnen und kommt für spezifische Sach- und Reisemittel auf, die für das Forschungsvorhaben benötigt werden. Auch ein Budget für die persönliche Weiterbildung steht den Wissenschaftlerinnen zur Verfügung.
„Wir freuen uns, dass wir die sechs ausgeschriebenen Stellen mit exzellenten Wissenschaftlerinnen besetzt haben, die alle in diesem Jahr mit ihren Forschungsprojekten starten“, hebt Veronika Sexl hervor.
Internationale Jungwissenschaftlerinnen in Innsbruck
Folgende Wissenschaftlerinnen treten über das UIBK-FemCareer-Fellowship ihre Stelle an der Universität Innsbruck an:
Am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik untersucht die Althistorikerin Rocío Suárez Vallejo wie christliche Gemeinschaften in Hispanien, Gallien und Britannien im 6. und 7. Jahrhundert auf klimabedingte Herausforderungen wie Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen reagierten.
Die Umwelttechnikerin Anna Codemo verknüpft in ihrer Forschung am Institut für Infrastruktur mikroklimatische Modellierungen mit praxisorientierten Fallstudien, um wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen für klimaresiliente Stadtentwicklungsprozesse bereitzustellen.
Monika Brandić Lipińska sucht am Institut für Experimentelle Architektur nach neuen Möglichkeiten, um widerstandsfähige Räume zu gestalten, die das Wohlbefinden des Menschen in extremen und ressourcenarmen Umgebungen fördern.
Die Mathematikerin Triinu Veeorg beschäftigt sich mit unendlich dimensionalen Räumen, sogenannten "Lipschitz-free spaces". Diese sind ein wichtiges Werkzeug, um komplexe nichtlineare Phänomene auf einfachere lineare Analoga zurückzuführen.
Das neue europäische KI-Gesetz verbietet Praktiken, die die Schwachstellen von vulnerablen Personen ausnutzen und ihnen Schaden zufügen. Die Juristin Silvia Corradi geht am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts der Frage nach, was die Vulnerabilität von Personen aus rechtlicher Sicht bedeutet, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Präzisierung des KI-Rechts.
Die Chemikerin Kajal Balayan beschäftigt sich mit der Frage, wie Lichtenergie effizient in Nutz-Energie umgewandelt werden kann. Aktuell werden dafür in erster Linie Edelmetalle genutzt. Balayans Ziel ist es, eisenbasierte Alternativen zu identifizieren.
Frauenförderung an der Universität Innsbruck
Neben dem neu aufgesetzten Frauenförderungsprogramm „UIBK-FemCareer-Fellowship“ gibt es an der Universität Innsbruck zahlreiche weitere Initiativen mit dem Ziel, strukturelle Bedingungen zu schaffen, die die Gleichberechtigung fördern.
Heuer wurde zum zehnten Mal das Mentoring-Programm für Jungwissenschaftlerinnen ausgeschrieben, welches eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Karriereentwicklung in der Wissenschaft bietet. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird durch den stetigen Ausbau der Kinderbetreuung an der Universität Innsbruck unterstützt. In Forschung und Lehre spielen Chancengleichheit und interdisziplinäre Geschlechterforschung eine zentrale Rolle. Eine detaillierte Übersicht über die Frauenförderung der Universität Innsbruck bietet die Webseite des Arbeitskreises für Gleichbehandlung.
