Besuch in der Restaurierungswerkstatt der Archäologischen Staatssammlung

Exkur­sion zu archäo­lo­gi­schen Insti­tu­ti­onen in München

Kürz­lich unter­nahm eine Gruppe von 25 Studie­renden des Insti­tuts für Archäo­lo­gien eine einwö­chige archäo­lo­gi­sche Exkur­sion nach München um dort bedeu­tende archäo­lo­gi­sche Insti­tu­ti­onen und Orga­ni­sa­ti­onen näher kennen­zu­ler­nen.

Archäologische Exkursionen sind im Studium der Archäologien zentrale und wichtige Lehrveranstaltungen, bei welchen üblicherweise das Erfassen historischer Landschaften und somit des ursprünglichen Lebensraumes des Menschen durch die Veranschaulichung vor Ort erfolgt. Zudem dienen sie durch Besuche von Ausgrabungsstätten und Museen der Vertiefung der Denkmälerkenntnis, also des zentralen Quellenbestandes, der die Grundlage jedweder archäologischer Forschungen bildet.

Blick hinter die Kulissen archäologischer Institutionen und Organisationen

Bei der von assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller vom Institut für Archäologien geleiteten Exkursion sollte aber ein neuer Weg bestritten und in München beheimatete, für den Freistaat Bayern bedeutende archäologische Institutionen und Organisationen näher kennengelernt werden. Durch die dortigen Kolleginnen und Kollegen sollte ein „normalen“ Besucherinnen und Besuchern üblicherweise verschlossener „Blick hinter die Kulissen“ der jeweiligen Institution ermöglicht werden. Neben der Vorstellung der Geschichte, der Aufgaben, der aktuellen Forschungsprojekte und -ziele standen konkret die jeweilige Infrastruktur, also Sammlungen, Ausstellungsflächen, Archive, Laboratorien, Restaurierungswerkstätten, Depots, Bibliotheken, Räume für Bildungs- und Vermittlungsaktivitäten und die jeweils dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mittelpunkt. Ziel war es damit in weiterer Folge auch Perspektiven auf vielseitige archäologische Tätigkeiten und in der Folge mögliche Berufsfelder für Archäologiestudierende von der Forschung bis hin zu Museologie und Denkmalpflege aufzuzeigen.

Jeder Tag der Exkursionswoche hatte einen anderen Schwerpunkt: Am Montag wurde das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München im Haus der Kulturinstitute besucht. Am Dienstag und Mittwoch standen die Staatliche Antikensammlung und Glyptothek sowie die Archäologische Staatssammlung im Mittelpunkt. Am Donnerstag wurden die Aktivitäten des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst vorgestellt. Den Abschluss bildete am Freitag ein Besuch im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege - Bodendenkmalpflege.

Feedback der Studierenden

  • Archäologische Institutionen wirken nach außen oft wie Orte, an denen Dinge einfach gesammelt und gezeigt werden. Man geht hinein, sieht Skulpturen, Vasen, Schmuck, Mumien, Werkzeuge oder Fundpläne und bekommt dadurch scheinbar einen direkten Zugang zur Vergangenheit. Nach dieser Exkursion nach München erscheint mir genau dieser Eindruck aber zu einfach. Hinter jedem ausgestellten Objekt steht eine ganze Kette von Entscheidungen: Wer hat es gefunden, gekauft, abgeformt, restauriert, erforscht, beschrieben, geschützt oder ausgestellt? Und wer entscheidet eigentlich, welche Geschichte ein Objekt im Museum erzählen darf? Gerade diese Frage zog sich für mich durch alle besuchten Einrichtungen. Die Exkursion hat für mich deshalb vor allem gezeigt, dass Archäologie nicht darin besteht, Vergangenheit einfach auszugraben und auszustellen. Sie besteht darin, Spuren verantwortungsvoll zu behandeln, ihre Unsichtbarkeiten sichtbar zu machen und aus fragmentarischen Resten nachvollziehbare Geschichten zu entwickeln.

Führung durch das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München

 

  •  Die Exkursion nach München hat deutlich gemacht, dass archäologische Arbeit weit über die reine Sammlung und Präsentation von Objekten hinausgeht. Vielmehr zeigt sich ein komplexes Zusammenspiel aus Forschung, Restaurierung, Vermittlung, Digitalisierung und Denkmalpflege, das in den einzelnen Institutionen unterschiedlich gewichtet und umgesetzt wird. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass übergreifende Entwicklungen wie Digitalisierung, konservatorische Herausforderungen und Inklusionskonzepte zunehmend alle Institutionen prägen. Projekte wie digitale Erfassungen, barrierearme Vermittlungsangebote oder interaktive Ausstellungen zeigen, dass sich die Archäologie institutionell stark erweitert und professionalisiert hat. Insgesamt verdeutlicht die Exkursion die Vielfalt archäologischer Arbeitsfelder sowie die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Vermittlung. Sie macht damit sichtbar, dass der Umgang mit kulturellem Erbe heute als interdisziplinäre und institutionell vernetzte Aufgabe verstanden werden muss.
  • Ein weiterer wiederkehrender Punkt war der Umgang mit Materialität. In nahezu allen Häusern spielte die Frage eine Rolle, wie Objekte nicht nur gezeigt, sondern auch erhalten, analysiert und verständlich gemacht werden können. Dazu gehören ganz praktische Probleme wie Klima, Licht, Verpackung und Transport ebenso wie die wissenschaftliche Untersuchung von Materialien, Farben, Korrosionsschichten oder organischen Resten. Gerade dadurch wurde deutlich, dass archäologische Objekte nie nur Bildträger oder Ausstellungsexponate sind, sondern materielle Zeugnisse mit einer eigenen Geschichte von Herstellung, Nutzung, Beschädigung, Bergung, Restaurierung und Präsentation. Die Exkursion hat damit nicht nur Einblicke in verschiedene Sammlungen gegeben, sondern vor allem ein sehr konkretes Bild davon vermittelt, wie vielschichtig und arbeitsintensiv der Umgang mit kulturellem Erbe in der Praxis tatsächlich ist. Auffällig war über alle Stationen hinweg, dass archäologische Arbeit heute kaum noch isoliert betrieben wird. Fast überall wurde die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen betont: ArchäologInnen arbeiten mit RestauratorInnen, NaturwissenschaftlerInnen, MuseumspädagogInnen, GestalterInnen, digitalen SpezialistInnen und Verwaltungsmitarbeitenden zusammen.

Führung durch das Zentrallabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege

 

  • Gut gefallen hat mir bei dieser Lehrveranstaltung der Blick hinter die Kulissen der Institutionen und Organisationen. Dies ist etwas was man sonst meist erst kennenlernt, wenn man in einer solchen tätig wird. Außerdem wurde man so auch auf andere Arbeitsfelder in der Archäologie aufmerksam gemacht, die für die eigene Karriere spannend sein könnten. Es war toll direkt mit den Mitarbeitern über ihre Arbeit zu sprechen und teilweise auch noch Möglichkeiten zur eigenen Weiterbildung mitzubekommen. Generell über verschiedene Werdegänge zu erfahren ist immer spannend.
  • Persönlich fand ich vor allem bewundernswert, wie viel Wert die unterschiedlichen Institutionen auf Inklusion und Barrierefreiheit für Menschen mit Beeinträchtigung legen. Die zahlreichen Angebote für blinde, seh- oder hörbeeinträchtigte BesucherInnen zeigen, wie intensiv darüber nachgedacht wird, Kultur für alle zugänglich zu machen. Ebenso haben mir die Programme für Kinder besonders gefallen, da deutlich wurde, wie viele pädagogische Überlegungen, kreative Ideen und sorgfältige Konzepte hinter den Vermittlungsangeboten stehen, um Geschichte spannend und altersgerecht erlebbar zu machen.

Ein großer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen in München für ihre freundliche Aufnahme, ihre Zeit und Bemühungen um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion spannende Einblicke in ihre jeweiligen Institutionen und Organisationen und die dortigen Arbeitsweisen zu ermöglichen und so die Perspektive der Studierenden, die vielfach bislang nur den universitären Kontext kannten, deutlich zu erweitern.

 (Florian M. Müller)

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