Unter elektrischer Spannung kann die Oberfläche von Nickel auf Zirkonoxid Kohlendioxid und Wasserdampf in Methan umwandeln – ein möglicher Weg, erneuerbare Energie chemisch zu speichern.

Ein neuer Weg zu klima­neu­tralem Methan

Erdgas spielt noch immer in vielen Indus­trie­be­rei­chen eine wich­tige Rolle – ist aber ein klima­schäd­li­cher fossiler Brenn­stoff. Ein Team des Insti­tuts für Physi­ka­li­sche Chemie hat gemeinsam mit Forschenden der TU Wien einen uner­war­teten Reak­ti­ons­pfad entdeckt, mit dem Erdgas (Methan) synthe­tisch herge­stellt werden kann – mit Hilfe von Kohlen­di­oxid, das vorher aus Abgas­s­trömen oder direkt aus der Luft gewonnen wurde. So kann Methan insge­samt klima­neu­tral werden.

Um das zu erreichen, braucht man allerdings spezielle Materialien. Die Suche nach ihnen steht im Fokus des Forschungsprojekts MECS, einem österreichischen Cluster of Excellence, gefördert vom FWF. Nun gelang ein entscheidender Schritt: Man untersuchte Nickel auf Yttrium-stabilisiertem Zirkonoxid. Dieses Material ermöglicht in Kontakt mit Wasserdampf und Kohlendioxid eine komplizierte Kaskade chemischer Prozesse, die nun erstmals im Detail entschlüsselt werden konnte - und am Ende entsteht Methan.

Zwei Schritte auf einmal

„Die Idee, Kohlendioxid zu Produktgasen umzuwandeln, ist nicht neu“, sagt Günther Rupprechter vom Institut für Materialchemie der TU Wien. „Man kann Kohlendioxid aufspalten und dann mit Wasserstoff reagieren lassen. Allerdings ist dann die Frage: Woher kommt der Wasserstoff?“

Heute wird Wasserstoff zum Großteil aus fossilen Quellen gewonnen, man spricht dann von "schwarzem" oder "grauem" Wasserstoff. Ist man auf solchen Wasserstoff angewiesen, ist der Prozess insgesamt nicht klimaneutral. „Für uns vom Forschungscluster MECS war klar: Viel eleganter wäre es, einen Prozess zu entwickeln, der zwei Dinge gleichzeitig leistet: Erstens die Aufspaltung von Kohlendioxid, um Kohlenstoff bereitzustellen, und zweitens die Aufspaltung von Wasser, um gleichzeitig "grünen" Wasserstoff bereitzustellen“, erklärt Günther Rupprechter. Aus Wasserstoff und Kohlenstoff lässt sich dann komplett erneuerbares Methan (CH4) bilden. In weiteren Schritten könnte man, wenn nötig, aus diesem Methan auch noch andere Substanzen erzeugen, etwa erneuerbare Flüssigtreibstoffe.

Zirkonoxid, der unterschätzte Star

„Jahrelang dachte man, für diesen chemischen Prozess sei hauptsächlich Nickel entscheidend“, sagt Bernhard Klötzer vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Innsbruck. "Aber einige experimentelle Befunde schienen nicht ganz in dieses Bild zu passen. Wir wollten genau verstehen, was hier an der elektrochemisch aktiven Oberfläche geschieht.“

Um das herauszufinden, entwickelte das Team eine ganz spezielle poröse Modell-Elektrode aus Nickel auf Yttrium-stabilisiertem Zirkonoxid und analysierte sie mit Röntgen-Photoelektronenspektroskopie. Diese Technik erlaubt es, chemische Veränderungen direkt während des Prozesses in Echtzeit zu verfolgen.

Dabei erlebte das Team eine Überraschung: Das Zirkonoxid war eigentlich hauptsächlich deshalb verwendet worden, weil es durchlässig für Sauerstoffionen ist, und den Sauerstoff abtransportieren kann. „Aber wie sich zeigte, spielt Zirkonoxid hier eine viel aktivere Rolle als gedacht“, sagt Christoph Thurner aus dem Team von Klötzer und Erstautor der aktuellen Studie. „Wenn wir elektrische Spannung anlegen, dann lagert sich zunächst Kohlenstoff auf den Nickel-Atomen ab – das hatten wir erwartet. Doch ein Teil dieses Kohlenstoffs wandert weiter auf die Zirkonoxid-Oberfläche, wo eine reaktive Kohlenstoff-Zirkoniumverbindung entsteht. Sobald geringe Mengen Wasserdampf mit dieser Verbindung in Kontakt kommen, reagiert sie noch einmal, und Methan wird gebildet.“

Sonnenstrom chemisch speichern

„Das dynamische Verhalten der Zirkonoxid-Oberfläche stellte sich als entscheidend heraus“, sagt Alexander Genest von der TU Wien, der Simulationen durchführte. „Wir konnten zeigen, dass Methan auf einem bisher unbekannten Reaktionspfad entsteht, das öffnet neue Perspektiven für die Entwicklung von Elektrolysezellen. „Wir haben damit eine Möglichkeit, überschüssige elektrische Energie, die etwa an besonders sonnigen Tagen in der Photovoltaik anfällt, elektrochemisch zu nutzen und Methan zu erzeugen. Damit lässt sich Energie speichern, in Form von vielseitig einsetzbaren Brennstoffen, die sich problemlos längerfristig lagern lassen.“

Publikation: Unexpected Reactivity of Zirconium Carbide on Nickel/Yttria-Stabilized Zirconia Boosts CO2/H2O Co-electrolysis to Methane. C. W. Thurner et al. Chemistry of Materials (2026). DOI: 10.1021/acs.chemmater.6c00480

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