Hermann Graf Keyserling wurde 1880 in Estland geboren und war der Erbe bedeutender Güter. Er studierte in Tartu und wurde dort im Zuge eines Duells lebensgefährlich verletzt. Er setzte seine Studien in Genf und Heidelberg fort, ging dann aber nach Wien, um Houston Steward Chamberlain zu treffen, und schloss sein Studium 1902 mit einer geologischen Dissertation zum Gloggnitzer Forellenstein in Wien ab. In den Jahren 1911 und 1912 unternahm er eine Weltreise und verarbeitete seine Eindrücke in seinem Bestseller „Das Reisetagebuch des Philosophen“, das 1918 erschien. Durch die politischen Umbrüche infolge des Ersten Weltkriegs verlor der Deutschbalte seine Güter und wanderte nach Deutschland aus.
In Darmstadt gründete Keyserling eine Schule der Weisheit. Bereits der Anspruch, Weisheit unterrichten zu können, führte zu Spott und bissigen Kommentaren. Keyserling gelang es dennoch, Prominente aus Wissenschaft und Kunst von seinem Projekt zu überzeugen. So veranstaltete die Schule der Weisheit vielbeachtete Tagungen, auf denen etwa Thomas Mann, Carl Gustav Jung und Arnold Gehlen sprachen. Im Jahre 1921 besuchte der erste indische Nobelpreisträger Rabindranath Tagore, den Keyserling auf seiner Weltreise kennengelernt hatte, die Schule der Weisheit und Tausende Menschen besuchten diese Veranstaltungen. Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs hielten viele Menschen, besonders in Deutschland, den westlichen Weg für gescheitert und suchten nach Alternativen, die man vor allem in Indien fand. Keyserlings Reisetagebuch mit seinem langen Indienkapitel und die internationale Ausrichtung der Tagungen, mit Vorträgen zu China, Indien und dem Islam, trafen den Nerv der Zeit. Die Schule der Weisheit veranstalte zahlreiche Tagungen, daneben wurden aber auch Meditationskurse und Beratungsgespräche angeboten.
Publizistisch war Keyserling in dieser Zeit sehr aktiv, es erschienen zahllose Artikel und viele Bücher. Vortragsreisen führten ihn nach Nord- und Südamerika, sowie durch ganz Europa. Nachdem Keyserling schon früh in Zeitungsartikeln gegen die Nationalsozialisten Stellung bezogen hatte, kam 1933 das Ende der öffentlichen Tätigkeit Keyserlings und die Gestapo machte ihm das Leben schwer. Gesundheitlich bereits gezeichnet, zog er mit seiner Frau 1943 nach Aurach bei Kitzbühel. Nach Kriegsende besuchte ihn eine Delegation von Journalisten und Keyserling hielt Vorträge im Tiroler Radio und schmiedete Pläne für eine Neugründung der Schule der Weisheit, wohl mit französischer Unterstützung. Seine Pläne, bereits 1945 eine große Tagung in Innsbruck zu organisieren, konnten aufgrund der schwierigen Zustände nach dem Kriegsende nicht umgesetzt werden. 1946 stellte ihm die Stadt Innsbruck ein schönes Haus in Mühlau zur Verfügung. Hermann Keyserling zog nach Innsbruck und plante voller Energie die für Ende 1946 angesetzte Tagung, für die er bereits 100 Hotelzimmer reservieren ließ. Sein Tod am 26.4.1946, der sich nun zum achtzigsten Mal jährt, bereitete den Plänen ein jähes Ende.
Die Tagung „Hermann Graf Keyserling – Der reisende Philosoph als Mittler zwischen den Welten“, fand vom 12. und 13. März 2026 in Innsbruck statt und beleuchtete Leben und Werk Keyserlings. Ein ausführlicher Bericht findet sich hier.



