Foto einer alten Ausgabe des Reisetagebuchs von Keyserling

Her­mann Graf Key­ser­ling - Der rei­sende Phi­lo­soph als Mitt­ler zwi­schen den Wel­ten

Am 26.4.1946 verstarb Hermann Graf Keyserling in Innsbruck. Sein Grab liegt am Friedhof in Innsbruck-Mühlau. Mit der Publikation des „Reisetagebuch eines Philosophen“ (1919) war Keyserling berühmt geworden und fand zahlreiche prominente Förderer, die ihm ermöglichten, in Darmstadt eine „Schule der Weisheit“ zu gründen. Die Schule war als ein Begegnungsort für „Weise“ aus der ganzen Welt konzipiert. Dort wurden zahlreiche Kongresse abgehalten, die von vielen prominenten Denkern besucht wurden. Der indische Nobelpreisträger Rabindranath Tagore war vielleicht einer der Bekanntesten und steht für die von Keyserling angestrebte Verbindung östlicher mit westlicher Weisheit. Von den Nationalsozialisten mit Publikationsverbot belegt, zog Keyserling 1943 nach Tirol. Nach dem Ende des Krieges bemühte er sich um den „spirituellen Aufbau Europas“ und plante eine Neueröffnung der Schule der Weisheit in Innsbruck.

Ziel der Konferenz ist es, das Wirken des vor 80 Jahren verstorbenen Philosophen zu kontextualisieren, seine vermittelnde Tätigkeit zu würdigen und seine Tätigkeit in Tirol genauer zu erforschen. Neben Keyserlings literarischer Tätigkeit werden auch seine politischen Aktivitäten untersucht, da er sich hier als Europäer zeigte, der die Nationen aufforderte über die Nationen hinaus und europäisch zu denken.

Tagung des Instituts für Alte Geschichte und Altorientalistik in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv
im Rahmen des Clusters of Excellence EurAsian Transformations

Organisation und Konzeption
Sebastian Fink und Ulrike Tanzer (Innsbruck) in Zusammenarbeit mit Nina Mirnig (Wien)

 

DO, 12. März – FR, 13. März 2026

Innsbruck, Austria

  • Öffentliche Vorträge im Claudiasaal des Palais Claudiana (Herzog-Friedrich-Straße 3, 2. Stock)
  • Rahmenprogramm: Brenner-Archiv/Literaturhaus am Inn (Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock) und Friedhof Mühlau (Mühlenweg 184)

 

Mit freundlicher Unterstützung von 
Land Tirol | Land Vorarlberg | Literaturhaus am Inn | UIBK Dekanat Phil.-Hist. | UIBK Dekanat Phil.-Kult. |
UIBK FSP Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte | UIBK International Relations Office

Eventposter mit Titel, Sujetbild (Cover Reisetagebuch), Programm und Fördergeber*innen

CLAUDIASAAL im Palais Claudiana (Herzog-Friedrich-Straße 3, 6020 Innsbruck | 2. Stock)

Grußworte

09:00-09:15 
Dirk Rupnow, Vizerektor für Personal
Brigitte Truschnegg, Dekanin der Philosophisch-Historischen Fakultät
Jügen Fuchsbauer, Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät

Eröffnung durch das Organisationsteam

09:15-09:30


09:30-10:15
Peeter Espak (Tartu)
A Duel and its Consequences: From Corporation Student to Philosopher

10:15-10:45 Kaffeepause

10:45-11:30
Sven Fritz (Hamburg)
Vom Mentor zum Verräter. Houston Stewart Chamberlain und Hermann Graf Keyserling

11:30-12:15
Kaarel Vanamölder (Tallinn)
Keyserling und die Politik der Republik Estland in der Zwischenkriegszeit

12:15-13:45 Mittagspause

13:45-14:30
Ute Gahlings (Darmstadt)
Die Schule der Weisheit in Darmstadt

14:30-15:15
Anton Unterkircher (Innsbruck)
Hermann Keyserling in Tirol

15:15-16:00
Sebastian Fink (Innsbruck)
Reisende Philosophen: Von Thales bis Schopenhauer 

18:30
Führung durch das Brenner-Archiv mit dem Schreibtisch von Hermann Graf Keyserling, anschließend
Lesung von Milena Michiko Flašar, Literaturhaus am Inn – „Der Hase im Mond“ (Moderation: Christine Frank)

CLAUDIASAAL im Palais Claudiana (Herzog-Friedrich-Straße 3, 6020 Innsbruck | 2. Stock)

09:45-10:30
Märt Läänemets (Tartu)
Keyserling‘s Reflections on China in the Context of His Time

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-11:45
Christine Frank (Innsbruck)
„Tokyo. Die Kaiserstadt...“ Graf Hermann Keyserling über Kaisertum und Demokratie in Das Reisetagebuch eines Philosophen (1919)

11:45-12:30
Jaan Undusk (Tallinn)
Die Kultur als eine vergeistigte Erde: Die Landschaften von Hermann KeyserlingENTFÄLLT LEIDER!!

12:30-13:30 Mittagspause

13:30-14:15
Jayandra Soni (Innsbruck)
Hermann Graf Keyserling in Südasien

14:15-15:00
Abschlussdiskussion: Hermann Keyserling heute
Moderation: Ulrike Tanzer (Innsbruck)
Märt Läänemets (Tartu): Echoes of Keyserling in Estonia in the 1990s and 2000s
Sebastian Fink (Innsbruck): Keyserlingrezeption heute
Nina Mirnig (Wien): Resümee

Besuch des Keyserlinggrabes am Mühlauer Friedhof,
anschließend gemeinsames Abendessen

Hermann Graf Keyserling (1880-1946) war einer der prominentesten deutschen Autoren der Zwischenkriegszeit. Er wurde in Estland geboren, studierte in Tartu, Genf, Heidelberg und Wien und promovierte in Wien mit einer geologischen Arbeit. In den Jahren 1911-1912 unternahm er eine Weltreise, die ihm zur Selbstfindung dienen sollte. Seine Eindrücke publiziert er als „Das Reisetagebuch eines Philosophen“ (1919). Im Laufe des Ersten Weltkriegs sah er sich gezwungen seine Heimat zu verlassen und zog nach Deutschland. In Darmstadt gründete er eine „Schule der Weisheit“, an der zahlreiche Kongresse stattfanden, an denen prominenten Denker aus aller Welt teilnahmen. Der indische Nobelpreisträger Rabindranath Tagore war vielleicht einer der bekanntesten Besucher. Von den Nationalsozialisten mit Publikationsverbot belegt, zog Keyserling 1943 nach Tirol. Nach dem Ende des Krieges bemühte er sich um den „spirituellen Aufbau Europas“ und plante eine Neueröffnung der Schule der Weisheit in Innsbruck, die jedoch aufgrund seines Todes am 26.4.1946 nicht mehr realisiert werden konnte.

Die Tagung fand vom 12. bis 13. März im Palais Claudiana statt und wurde vom Vizerektor für Personal Dirk Rupnow, der Dekanin der Philosophisch-Historischen Fakultät Brigitte Truschnegg, sowie dem Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Jürgen Fuchsbauer eröffnet. Der erste Tag war weitgehend dem Leben Keyserlings gewidmet. Peeter Espak (Tartu) sprach über ein Duell im Jahre 1899, das Keyserlings „wildes Korpsstudentenleben“ beendete und ihn dazu brachte, Tartu zu verlassen. Sven Fritz (Hamburg) untersuchte in seinem Vortrag das Verhältnis von Keyserling zu Houston Steward Chamberlain, zu dessen engeren Kreis Keyserling in seiner Wiener Zeit gehörte. Kaarel Vanamölder (Tallinn) widmete seinen Vortrag dem Verhältnis Keyserlings zur Politik Estlands in der Zwischenkriegszeit und zeigte auf, wie Keyserling sein Netzwerk nutzte, um sich international sichtbar zur estnischen Politik zu äußern, und schilderte die estnischen Reaktionen auf seine Bemühungen.

Ute Gahlings (Darmstadt), eine der führenden Keyserling-Spezialistinnen, stellte in ihrem Vortrag die Schule der Weisheit in Darmstadt vor – den Ort, an dem Keyserling eine breite Wirkung entfaltete und an dem er viele bedeutende Intellektuelle seiner Zeit zusammenbrachte. Anton Unterkirchers (Innsbruck) Vortrag „Keyserling in Tirol“ behandelte die Jahre 1943-1946 und konnte viele neue Erkenntnisse zu diesen Jahren ans Licht bringen. So etwa zu einer geplanten Neuauflage der Schule der Weisheit in Innsbruck, für deren Eröffnungstagung im Herbst 1946 Keyserling bereits 100 Hotelzimmer hatte reservieren lassen. Sebastian Fink (Innsbruck) besprach die Tradition der reisenden Philosophen vor Keyserling und konnte aufzeigen, dass Reisen bereits in der frühen Philosophiegeschichtsschreibung als typisch philosophische Tätigkeit angesehen wurde und sich Keyserlings Reise somit in einer alten philosophischen Tradition verorten lässt.

Der erste Tag endete mit einer Lesung von Milena Michiko Flašar im Literaturhaus am Inn: „Der Hase im Mond“ (Moderation: Christine Frank).

Im Zentrum des zweiten Tages standen Keyserlings eurasische Reisen. So analysierte Märt Läänemets (Tartu) den China-Teil des Reisetagebuchs und kontextualisierte ihn im zeitgenössischen europäischen Diskurs über China. Christine Frank (Innsbruck) ging auf Keyserlings Überlegungen zu Japan ein und konzentrierte sich hier vor allem auf die Schilderung der Kaiserstadt Tokio. Jayandra Soni (Innsbruck) stellte die Stationen von Keyserlings Südasienreise ausführlich dar und analysierte seine Auseinandersetzung mit dem Buddhismus, dem Hinduismus, der Theosophie und der indischen Philosophie.

Im Rahmen der Abschlussdiskussion präsentierte Märt Läänemets (Tartu) Erinnerungen an Begegnungen mit Arnold Keyserling, einem der Söhne von Hermann Graf Keyserling, in Estland und gab eine Darstellung der Keyserlingrezeption in Estland. Sebastian Fink (Innsbruck) gab einen kurzen Überblick über die Keyserlingrezeption in Österreich und vor allem in Tirol, wo bis in die 1970er ein Verein der Freunde des Keyserling-Archives tätig war.

Ulrike Tanzer (Innsbruck) fasste in ihren Schlussworten einige wichtige Aspekte der Tagung zusammen und leitete anschließend – unter tatkräftiger Mithilfe von Andreas Rauch – eine kleine Exkursion zu Keyserlings Grab am Mühlauer Friedhof und zu seinem letzten Wohnhaus.

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