Lively Cities – Brachflächen als Denkfiguren urbaner Zukünfte

Stadt und Natur werden oft als Gegensätze verstanden. Auf der einen Seite der zivilisierte, vom Menschen geformte Kulturraum, auf der anderen eine Welt, die als Erholungsraum in Anspruch genommen wird oder als wild und bedrohlich gilt. Das Forschungsprojekt Lively Cities fordert diese dualistische Vorstellung heraus.

Ausgangspunkt sind städtische Brachflächen in Form von leeren Industriearealen, ungenutzten Grundstücken oder funktionslosen Flächen. Sie gelten oft als Orte des Verfalls, die es stadtplanerisch zu optimieren gilt. Doch abseits ökonomischer Verwertungslogiken entfalten diese scheinbaren Leerstellen eine eigene Qualität: Sie sind Orte biologischer Vielfalt und bergen ein Potenzial für kreative Zwischennutzungen, Kultur- und Gemeinschaftsprojekte. Aktuelle Studien belegen, dass auf bewachsenen Brachflächen oft ebenso viele bzw. hinsichtlich spezifischer Arten sogar mehr Bestäuber als in Schutzgebieten nachweisbar sind.

Lively Cities begreift Brachflächen nicht als Restflächen, sondern als dynamische Kontaktzonen (meshworks) – als komplexe Geflechte aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren wie Pflanzen, Tieren und atmosphärischen Bedingungen. Beeinflusst von Ansätzen aus den mehr-als-menschlichen Geographien fragen wir:

  • Wie werden Brachflächen im Spannungsfeld von Biodiversität, kreativer Zwischennutzung und wirtschaftlichen Interessen verhandelt und inwiefern unterlaufen sie dabei etablierte, anthropozentrische Narrative urbaner Ordnung?
  • Welche sozialen, ökologischen und atmosphärischen Prozesse konstituieren Brachen als lebendige Netzwerke?
  • Wer entscheidet über die (Um)Nutzung von Brachflächen und welche Rolle spielt die nicht-menschliche Dimension in diesen Aushandlungsprozessen?

Methodisch umfasst das Projekt Expert:innengespräche, Befragungen mittels Fragebögen, ethnographische Beobachtungen an Brachflächen, die Teilnahme am österreichischen Brachflächengipfel sowie eine öffentlich zugängliche Projekt- und Fotodokumentation. Fallstudien werden an Brachflächen in Innsbruck sowie vergleichend in Wien durchgeführt.

Ziel ist es, die Prozesse auf Brachflächen produktiv zu nutzen, um anthropozentrische Ordnungsvorstellungen herauszufordern und Impulse für multispezies-orientierte bzw. alternative Stadtentwicklungen zu setzen. Die Ergebnisse fließen in wissenschaftliche Publikationen sowie in eine öffentliche Ausstellung ein. Ebenso ist das Projekt in die Lehre integriert, wo Studierende im Rahmen des Kurses Humangeographische Übungen zum Thema „Lebendige Städte: Brachflächen, Zwischenräume und urbane Zukünfte“ bereits aktiv zu und auf Brachflächen forschen.

Projektteam

Kontakt und Anfragen

Mail: verena.schroeder@uibk.ac.at

Tel.: +43-512-507-54057

Projektdaten

Laufzeit: 01.12.2025 – 30.11.2026

Gefördert durch: Österreichische Nationalbank (OeNB)

 

 

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