
Beschreibung & Call
Wie die – umfangreiche und vielschichtige – internationale Phraseologie-Forschung der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, birgt jener Bereich der Sprache, der sich aus konventionalisierten und idiosynkratischen Wortverbindungen (z.B. engl. Love is blind., to bite the dust, The Great War, Peace be with you.) zusammensetzt, ein besonderes Potential für theoretisch-begriffliche und methodologische Differenzierungen in sich. So wurden phraseologische Wortverbindungen im Laufe der Forschungsgeschichte u.a. bereits aus dem Blickwinkel der Stilistik (vgl. bereits Charles Ballys Traité de stylistique française), der Lexikographie (vgl. etwa die Forschungen von Patrick Hanks), der kognitiven Linguistik (man denke an die Studien von Elisabeth Piirainen und Dmitrij Dobrovol'skij zu konzeptuellen Metaphern bei Idiomen und anderen Phrasemen), der Korpuslinguistik (vgl. etwa die Arbeiten von John Sinclair und Rosamund Moon) und der(L1- und L2-)Sprachdidaktik (vgl. z.B. das Werk von Peter Kühn und Stefan Ettinger) behandelt. Untrennbar mit der Phraseologie verbunden bzw. ihr zum Teil inhärent sind weiterhin morphosyntaktische, pragmatische, varietätenlinguistische, psycholinguistische und – nicht zuletzt – konstruktionsgrammatische Aspekte.
Diese Vielfalt ist zum einen auf die teils unvollendete Theoretisierung des Forschungsgegenstandes zurückzuführen, die eine gewisse terminologisch-begriffliche Heterogenität mit sich bringt. Zum anderen ist sie der sprachlichen Beschaffenheit und den außersprachlichen Aspekten der Phraseologismen geschuldet. So weisen etwa Verbindungen wie Love is blind. und to bite the dust – im Gegensatz zu nicht-phraseologischen Ausdrücken – bekanntlich ein ganzes Bündel an sprachlichen Auffälligkeiten auf, die die Form- und Inhaltsseite betreffen und aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet werden können. Ebenso offenbart ein Blick auf die mittlerweile sehr umfangreiche Typologie konventionalisierter Wortverbindungen, dass phraseologische Phänomene auf allen sprachlichen Organisationsebenen wirken und ihre Analyse potentiell mit sämtlichen Teil- und Schwesterdisziplinen der Sprachwissenschaft – hierunter etwa die Translationswissenschaft, die Terminologie, die Computerlinguistik und die Forensische Linguistik – in Verbindung gebracht werden kann. Aus außersprachlicher Sicht weisen Phraseme als konventionalisierte Ausdrucksmittel von Sprachgemeinschaften, Kulturen und Gesellschaften ferner Charakteristika auf, die sie bspw. für kulturwissenschaftliche Untersuchungen (vgl. The Great War, Peace be with you.), für die Medical Humanities, die Psychologie, die Soziologie, die Ethnologie, die Geschichtswissenschaft und weitere mögliche Bereiche relevant machen.
Die EUROPHRAS-Konferenz 2027 richtet sich an alle Forschenden, die Interesse daran haben, mögliche Schnittstellen zwischen Phraseologie und anderen Bereichen zu untersuchen, wobei der Begriff „Bereich“ hier im weiten Sinne zu verstehen ist und – gemäß den oben genannten Beispielen – nicht nur auf sprachwissenschaftliche Strömungen und Theorien (z.B. Konstruktionsgrammatik, Valenztheorie, Sprechaktforschung) oder auf Teildisziplinen der Linguistik (Syntax, Pragmatik, Varietätenlinguistik etc.) beschränkt ist, sondern ausdrücklich auch andere, womöglich mit der Phraseologie bisher kaum oder weniger in Zusammenhang gebrachte Wissenschaften mit einschließt. Ziel ist es, nicht nur interdisziplinäre Zugänge zur Phraseologie an sich zu beleuchten, sondern insbesondere auch einen Austausch zwischen Vertreter:innen unterschiedlicher Forschungsrichtungen zu ermöglichen (wobei auch Forschende angesprochen werden sollen, die sich vielleicht schon länger mit phraseologischen Themen beschäftigen, ohne in ihrer bisherigen Forschungstätigkeit explizit an die Phraseologieforschung anzuknüpfen). Im Mittelpunkt der Tagung sollen nicht etwa Problemfragen wie z.B. jene nach der genauen Abgrenzung des Forschungsgegenstandes der Phraseologie oder nach deren Verortung innerhalb der Linguistik stehen; vielmehr soll der Fokus auf der kreativen Auslotung möglicher Anknüpfungspunkte zu anderen wissenschaftlichen Bereichen sowie auf der Identifikation möglicher Forschungslücken liegen.
Neben (1) Vorträgen, (2) einer Poster-Session und (3) einer Demo-Session finden auch (4) Workshops zu spezifischen Themenschwerpunkten statt (siehe unten).
Beitragsvorschläge (Abstracts) für Vorträge, Posters oder Demos (Präsentation von Buchneuerscheinungen ab 2025, neuer digitaler Tools wie Softwares, Korpora, Websites u.Ä.) können sich u.a. mit den unten angeführten Schnittstellen zwischen der Phraseologie und anderen linguistischen oder nicht-linguistischen Bereichen auseinandersetzen.
Die folgende Auflistung versteht sich als offener und unverbindlicher Katalog, der in erster Linie zur Orientierung und Inspiration dient und um weitere Schnittstellenbereiche ergänzt werden kann. Beitragsvorschläge können zugleich an verschiedenen (gelisteten oder nicht gelisteten) Schnittstellenbereichen zu verorten sein.
Schnittstellen zu anderen (traditionellen oder neueren) linguistischen Teildisziplinen, Strömungen und Ansätzen, wie z.B.:
- Phraseologie & Morphologie
- Phraseologie & Morphologie
- Phraseologie & Syntax
- Phraseologie & Semantik
- Phraseologie & Konstruktionsgrammatik
- Phraseologie & Korpuslinguistik
- Phraseologie & Computerlinguistik / Natural Language Processing
- Phraseologie & Textlinguistik
- Phraseologie & Diskurslinguistik
- Phraseologie & Pragmatik
- Phraseologie & Soziolinguistik
- Phraseologie & Medienlinguistik
- Phraseologie & (Meta-)Lexikographie
- Phraseologie & Fachkommunikation und Terminologie
- Phraseologie & Dialektologie und Areallinguistik
- Phraseologie & Forschung zu Minderheitensprachen
- Phraseologie & Sprachkontaktforschung und Migrationslinguistik
- Phraseologie & Historische Linguistik
- Phraseologie & Sprachwandelforschung
- Phraseologie & Kontrastive Linguistik
- Phraseologie & Gesprächsforschung und Interaktionslinguistik
- Phraseologie & Mehrsprachigkeitsforschung
- Phraseologie & Linguistic-Landscapes-Forschung
- Phraseologie & Sprachtypologie
- Phraseologie & Universalienforschung
- Phraseologie & Politolinguistik
- Phraseologie & Sprachpolitik und Sprachplanung
- Phraseologie & Literaturlinguistik
- Phraseologie & Theolinguistik
- Phraseologie & Kognitive Linguistik
- Phraseologie & Emotionslinguistik
- Phraseologie & Psycho- und Neurolinguistik
- Phraseologie & Forensische Linguistik
- Phraseologie & Klinische Linguistik
- Phraseologie & Spracherwerbsforschung
- Phraseologie & Forschung zu Leichter und Einfacher Sprache
Schnittstellen zu anderen (stärker oder weniger stark affinen) Forschungsbereichen, wie z.B.:
- Phraseologie & Sprachdidaktik
- Phraseologie & Translationswissenschaft und Translationsdidaktik
- Phraseologie & Literaturwissenschaften und Literaturdidaktik
- Phraseologie & Anthropologie
- Phraseologie & Ethno- und Soziologie
- Phraseologie & Geschichtswissenschaften und Archäologie
- Phraseologie & Kunst- und Musikwissenschaften
Schnittstellen zu linguistikaffinen Disziplinen, wie z.B.:
- Phraseologie & Cultural Studies (Kulturwissenschaften)
- Phraseologie & Communication Studies (Kommunikationswissenschaften)
- Phraseologie & Digital Humanities
- Phraseologie & Crisis Studies
- Phraseologie & Film Studies (Filmwissenschaften)
- Phraseologie & Gender Studies
- Phraseologie & Humor Studies (Humorforschung)
- Phraseologie & Medical Humanities
- Phraseologie & Ritual Studies (Ritualforschung)
- Phraseologie & Werbeforschung
Die Vortrags-/Präsentationssprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Inhaltlich können sich Beiträge jedoch mit jeglicher/-n Sprache/n befassen.
Das Format der Vorträge ist auf 20 Minuten Präsentation plus 10 Minuten Diskussion ausgerichtet.
Wichtiger Hinweis: Die Tagung wird ausschließlich als Präsenzveranstaltung stattfinden (keine Online-Präsentationen).
INFORMATIONEN ZUR ABSTRACTEINREICHUNG:
- UMFANG: ca. 500 Wörter (ohne Titel und Bibliographie)
- BIBLIOGRAPHIE: mindestens 3 und maximal 10 bibliographische Angaben
- SPRACHE: Abstracts sind in der jeweiligen Vortragssprache zu verfassen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch).
- SCHNITTSTELLENBEREICH(E): Auswahl von mindestens 1 und maximal 5 Schnittstellenbereiche(n) proAbstract (von denen maximal ein Bereich manuell hinzugefügt werden kann, der nicht gelistet ist)
- PLATTFORM FÜR DIE EINREICHUNG: Die Einreichung erfolgt (wie auch die Anmeldung) über unser ConfTool (Infos folgen).
DEADLINE FÜR DIE ABSTRACTEINREICHUNG: 15. November 2026
BEGUTACHTUNGSVERFAHREN: Jedes Abstract wird von jeweils mindestens 2 Mitgliedern des wissenschaftlichen Komitees im Peer-Review-Verfahren anonym begutachtet.
BEKANNTGABE DER RESULTATE DER BEGUTACHTUNG: 31. Januar 2027
Die folgenden drei Workshops werden auf der EUROPHRAS-Konferenz 2027 stattfinden:
Workshop 1 – PhrasaLex: Phraseological Approaches to Lexicography
Workshop 2 – Phraseology and Multimodality
Workshop 3 – How to Identify Formulaicity in Second Language Learning: Insights into Different Theoretical and Methodological Approaches
Nähere Beschreibungen der einzelnen Workshops finden sich unter dem Menüpunkt "Tagungsprogramm" > "Workshops".
Ziele der Workshops
Die drei Workshops dienen als Plattformen zur praxisorientierten Diskussion über die Schnittstellen zwischen der Phraseologie und spezifischen sprachlichen oder außersprachlichen Bereichen. Sie liefern Einblicke in die interdisziplinäre Natur der Phraseologie und in die Potenziale einer gegenseitigen Befruchtung zwischen der Phraseologie und anderen Disziplinen.
Das übergeordnete Ziel jedes Workshops ist es, Expert:innen aus verschiedenen Bereichen an der Schnittstelle zur Phraseologie zusammenzubringen, den Wissensaustausch unter interessierten Forschenden zu fördern und idealerweise eine gemeinsame Stellungnahme zu einem oder mehreren Aspekten eines spezifischen Interessensgebiets für die EUROPHRAS-Community und darüber hinaus zu erarbeiten.
Format
Das Format der Workshops ist wie folgt geplant:
- Einführung und Definition der praktischen Ziele durch die Workshop-Leiter:innen;
- einführender Impulsvortrag (Keynote) einer Expertin oder eines Experten;
- Gruppenarbeit und Diskussion zu ausgewählten Themen und Forschungsfragen;
- optionale Ausarbeitung einer abschließenden Stellungnahme zum Stand der Forschung, zu Desiderata und zur Zukunft des jeweiligen interdisziplinären Feldes.
Etwaige vorbereitende Materialien werden von den Workshop-Leiterinnen rechtzeitig zur Verfügung gestellt.
Anmeldung
Bei der Registrierung zur EUROPHRAS-Konferenz können Sie sich um einen Platz in bis zu zwei Workshops bewerben. Aufgrund begrenzter Kapazitäten werden höchstens 30 Teilnehmende pro Workshop berücksichtigt. Nach Abschluss der Anmeldephase werden die Teilnehmenden über das Ergebnis des Auswahlverfahrens offiziell informiert und anschließend von den Workshop-Leiterinnen kontaktiert, um alle kollaborativen Aktivitäten vorab zu koordinieren. Mit der Bestätigung eines Workshop-Platzes wird die Teilnahme verbindlich.









