Universität Innsbruck
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Name: Assoz. Prof. Dr. Birthe Soppe

Institut und Team: Institut für Organisation und Lernen, Team Organisation Studies

An der Fakultät seit: 2018

Organizational responses to climate change/ Organisationen und Nachhaltigkeit: Dieses übergeordnete Thema treibt meine Forschungsaktivitäten schon seit Langem an. Dabei interessiert mich eine ganze Bandbreite von Organisationen und Organisationsformen, von etablierten, großen Industrieunternehmen zu kleineren Start-ups bis hin zu sozialen Bewegungsorganisationen. Insbesondere erforsche ich die Rolle dieser Organisationen im Wandlungsprozess etablierter Sektoren und Industrien also auch in der Entstehung neuer nachhaltiger Märkte, sogenannter „moral markets“.

Organisationen und große soziale Herausforderungen, wie Krisen, grundlegender technologischer Wandel, und schwierige lokale Bedingungen: Wie gehen unterschiedliche Organisationsformen mit sozialen Herausforderungen um?

Soziale Akzeptanz, Meinungsbilder und sustainability transitions: Neben organisatorischen Dynamiken erforsche ich auch übergeordnete Wandlungsprozesse wie die Veränderung diskursiver Meinungsbilder in Bezug auf die Legitimierung neuer Praktiken, Produkte, oder alternativer technologischer Lösungen, welche wiederum wichtige Grundlagen für die Entstehung neuer moralischer Märkte darstellen und ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft sind.

ForscherInnen, die sich ebenfalls mit der Rolle von Organsationen und Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Eine zentrale Aufgabe eines von mir mit geleitetem Forschungszentrum ist es, ganz spezifisch Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger in etablierten Organisationen und der Politik abzuleiten. In Sachen Wandel und Nachhaltigkeit sind dies natürlich wichtige Zielgruppen.

Eine weitere wichtige Zielgruppe für mich sind meine Studierenden: vor allem die junge Generation hat die Möglichkeit, das Thema Organisationen und Nachhaltigkeit konsequent weiterzutreiben. Mehr Wissen führt hoffentlich zu besseren Entscheidungen!

1/ Der Umgang etablierter Unternehmen im Energiesektor mit dem Thema Nachhaltigkeit: Etablierten, großen Industrieunternehmen fällt grundlegender Wandel tendenziell nicht leicht, und es wird daher oft eine Strategie der Vermeidung von Wandel verfolgt. Eine solche Strategie können sich viele Unternehmen jedoch nicht mehr leisten, insbesondere solche nicht, deren Kerngeschäft auf fossilen Brennstoffen beruht. Warum? Der gesellschaftliche Druck und das Bewusstein für Nachhaltigkeit und nachhaltigen Wandel hat vor allem in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies spüren auch die Kernakteure ehemals hoch angesehener Sektoren und Industrien wie die Energie- und Automobilwirtschaft. In diesem Projekt erforschen wir insbesondere den ambivalenten Umgang großer Ölkonzerne in Europa mit dem Thema Nachhaltigkeit.

2/ Zum Thema Organisationen und große soziale Herausforderungen erforschen wir beispielsweise, wie Entrepreneure im Bereich ethical fashion die Covid-Krise navigieren und in dieser Krise auch einen positiven Treiber für ihre alternativen und stark nachhaltig orientierten Organisationsmodelle sehen.

3/ Diskursive Veränderungen in der Elektromobilität: In diesem Projekt erforschen wir die unterschiedlichen Meinungsbilder zum Thema Elektromobilität – im Vergleich zwischen verschiedenen Ländern. Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich, wie stark unterschiedlich die Meinungsbilder zum Thema Elektromobilität sind und wie diese die unterschiedlichen Diffusionsraten von elektrischen Fahrzeugen mit beeinflussen.

Neben meiner Dissertation zum Thema Organisationen, Institutionen, und erneuerbarer Energien hat mich vor allem meine Postdoc Periode geprägt. Diese durfte ich an der Stanford University verbringen. Von meinem dortigen Mentor Walter Powell habe ich unglaublich viel gelernt: den sensiblen und neugierigen Umgang mit empirischen Daten, die Vielschichtigkeit sozialer, organisationaler und wirtschaftlicher Interaktionen, dass „gute“ Forschung Zeit braucht, und auch, wieviel man von seinen Studierenden im Klassenraum lernen kann, wenn man eine Atmosphäre der Interaktion schafft. 

Zur Zeit bin ich stark involviert in einem Forschungszentrum zum Thema sustainability transitions, welches ich als Vizedirektorin und Principal Investigator mit aufgebaut habe und stark mitgestalten kann. Das Forschungszentrum heißt INTRANSIT und besteht aus einem internationalen Netzwerk von KollegInnen aus Norwegen und den Niederlanden, mit weiteren Kooperationspartnern u.a. in der Schweiz und in Schweden.

Ausserdem engagiere ich mich im Aufbau bzw. in der Verdichtung eines Netzwerks zum Thema moral markets und Organisationen. Dieses Netzwerk umfasst KooperationsparterInnen u.a. aus den Niederlanden, Deutschland, den USA, Schweiz. Als Teil dieses Netzwerks organisieren wir bspw. spannende Workshops und Vorträge an wissenschaftlichen Konferenzen. Auch ein Buchprojekt ist in Planung, auf das ich mich schon sehr freue.

Im Jahr 2012 habe ich meine Dissertation zur Rolle von Entrepreneuren und Institutionen in der Entstehung von Märkten für erneuerbare Energien erfolgreich abgeschlossen. Anstelle einer klassischen Habilitation habe ich dann den „amerikanischen“ Weg gewählt, d.h. über postdoc zum assistant und später zum associate professor.

Was die Lehre besonders spannend für mich macht, ist es, meine Forschungsinteressen und Einblicke mit einzubringen und zu diskutieren. Ich merke dabei auch, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit „nachgefragt“ ist. Vor nicht allzu vielen Jahren musste ich im Klassenraum noch argumentieren, warum das Thema wichtig ist - für angehende BWLer und auch für profitorientierte Unternehmen. Heutzutage ist eine solche Rechtfertigung gar nicht mehr nötig. Vielmehr biete ich mittlerweile speziell konzipierte Wahlmodule zum Thema Nachhaltigkeit. Als Teil dieser Kurse erarbeiten die Studierenden auch eigene Nachhaltigkeitsprojekte – so möchte ich Forschung und den Prozess der Wissensgenerierung im Studium zugänglich(er) machen.

Es ist einfach ein toller Job 😉 Rundum spannend, viele verschiedene Aufgabenbereiche und natürlich das selbstbestimmte Arbeiten an Themen, die einen persönlich wie auch beruflich interessieren. Eine solche Symbiose bieten andere Karrierewege oft nicht.

Und immer wieder der Austausch mit neuen, nachwachsenden Studierenden...so bleibt man auch immer etwas am Trend der Zeit. Zudem herrscht eine überaus angenehme und konstruktive Atmosphäre unter den KollegInnen der Fakultät, was ich sehr schätze.