Philipp Ginther

Persönliche Daten

* 10. Januar 1905, Reutte (Tirol)
† 29. Dezember 1991, Innsbruck (Tirol)

GND

 

Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte

Tischlerlehre im väterlichen Betrieb
1924 – 1925 Studium Tischlerei (Innenarchitektur und Möbelbau) an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann
1925 sechswöchiger Aufenthalt in Paris anlässlich des Aufbaus des österreichischen Pavillons für die „Exposition Internationale des Arts Décoratifs Industriels Modernes“
1925 – 1928 Architekturstudium an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann
1927 – 1928 Mitarbeit im Atelier von Josef Frank
1927 Erhalt des Eitelberger-Preises
1930 – 1937 Lehrtätigkeit an der Akademie der schönen Künste in Istanbul – Aufbau der Abteilung für Innenausbau und Kunstgewerbe
1938 – Aufenthalt in Parchim nahe Schwerin und drei Jahre in Frankreich

 

Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit

1937 – Rückkehr nach Österreich
1938 – 1945 Bauleiter bei der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht - für Flughäfen und Errichtung von Landebahnen in Mecklenburg-Vorpommern, Belgien und Frankreich
1945 – Rückkehr nach Tirol (Reutte)
1950 Lehrtätigkeit in Tirol an einer Bauhandwerker- und Baufachschule

nebenbei Planung von Einfamilienhäusern, Bürobauten und Hotels in Österreich, Deutschland und der Schweiz

 

Stellenwert

Philipp Ginther zählt zu den heute wenig bis überhaupt nicht beachteten österreichischen Architekten, die nicht nur im Inland sondern vor allem auch im Ausland herausragende Leistungen vollbrachten. Ginther studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann und widmete sich zeitlebens sämtlichen Aufgabengebieten des Alltagslebens. Mit seiner Lehrtätigkeit und dem Aufbau der Abteilung für Innenausbau und Kunstgewerbe an der Akademie der schönen Künste in Istanbul zählt Ginther zu einer großen Gruppe österreichischer und deutscher Architekten, die mit ihrer Arbeit die Türkei in die Moderne führten. In Tirol steht Philipp Ginther als Vertreter einer gemäßigten Moderne bzw. eines moderat angepassten "ländlichen" Stils.

 

Werke (Auswahl)

1927 Entwurf Terrassenhotel auf der Halbinsel Lapad bei Dubrovnik, Dalmatien
1930 – 1934 Umgestaltung und Einrichtung des Yildiz-Palastes in Istanbul für die Konferenz der Interparlamentarischen Union 1934
1930 – 1937 Ein- und Mehrfamilien-Wohnbauten in Istanbul
1933 – 1934 Schwedische Botschaft in Ankara
1935 Entwurf Haus Lauterburg, Brugg, Kanton Aargau
1938 – 1945 Bauleiter für Flughäfen und Errichtung von Landebahnen, z. B. in Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim), Mecklenburg-Vorpommern, in Mons-en-Chaussée (Belgien) und in Laon, Region Picardie (Nordfrankreich)
1945 – 1991 Arbeitersiedlung der Planseewerke, verschiedene Villen, Renovierung des Franziskanerklosters in Telfs, Renovierung der Pfarrkirche in Reutte, Renovierung verschiedener Hotels und Gaststätten im Außerfern
nach 1945 Einfamilienhaus Ginther I (Umbau einer Schmiede), Ehenbichl 55 bei Reutte
1955 – 1956 Neubau der Bank für Tirol und Vorarlberg, Reutte
1956 – 1957 Einfamilienhaus Erich und Gertraud Ortloff, Oberjoch bei Hindelang (Allgäu)
1957 Entwurf für ein Hotel im Allgäu
nach 1960 Haus am Stegerberg, Mühl-Breitenwang
1961 – 1962 Neubau „Hotel White Star“, Berwang (Tirol)
1964 – 1967 Renovierung der Pfarrkirche St. Anna, Reutte
1964 – 1965 Einfamilienhaus Ginther II, Ehenbichl 81 bei Reutte (später umgebaut und stark verändert)

 

Sekundärquellen

  • Kristan, Markus; Posch, Thomas: Philipp Ginther: Ein Architekt aus Tirol 1905-1991; Innsbruck 2021
  • Neue Freie Presse, Wien, 14. Jänner 1930, S. 5 (Personalnachrichten:"Der Architekt Philipp Ginther, ein gebürtiger Tiroler, Schüler des Architekten Oberbaurat Professor Dr.h.c. Josef Hoffmann wurde als Professor an die Académie des Beaux-arts nach Konstantinopel berufen.")
  • Salzburger Volksblatt, Salzburg, 14. Jänner 1930, S. 7 (Personalnachrichten:"Architekt Philipp Ginther, ein gebürtiger Tiroler, Schüler des Architekten Dr. Hoffmann, ist als Professor an die Akademie der schönen Künste nach Stambul berufen worden.")
  • Allgemeiner Tiroler Anzeiger, Innsbruck, 20. Jänner 1930, S. 6 (Berufung eines Reutteners nach der Türkei: "Der Sohn des Tischlermeisters Franz Ginther in Reutte, namens Philipp Ginther, ein Schüler des Architekten Oberbaurat Prof. Dr. h. c. Josef Hoffmann in Wien wurde als Lehrer an die "Academie des beaux arts" nach Stambul berufen.")
  • Demir, Ataman: Arşivdeki belgeler ışığında Güzel Sanatlar Akademisi'nde yabancı hocalar: Philipp Ginther'den (1929) - (1958) Kurt Edman'a kadar (dt. Die ausländischen Professoren an der Kunstakademie im Lichte der Archive: von Philipp Ginther (1929) bis Kurt Erdmann (1958)), Istanbul 2008

 

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