SE Kuratorische Praktiken: Vom Brutalismus zum Strukturalismus. Die Bauvisionen der 1960er und 1970er Jahre



Ort: Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dienstags 14:15 - 16:45, Start am 04.10.2022, Master

 

Lernergebnis:
Das Seminar zielt auf die wissenschaftliche sowie kontext- und bauanalytische Auseinandersetzung mit themenspezifischen Bautypen und Einzelbauten. Normative und faktisch auswertbare Aspekte beeinflussen unser Architekturverständnis und die Bewertungsmodi ebenso wie ästhetische und rezeptive Kriterien. Gerade im Bauwesen treffen „harte Fakten“ auf subjektive Einschätzung von Architektur aufeinander. Damit ist „Baukultur“ nie frei von Diskurs. Fragestellungen zu entwickeln und zu bewerten lernen ist Ziel des Seminars.
Das Archiv für Bau.Kunst.Geschichte der Universität Innsbruck umfasst zahlreiche Nachlässe. Im Rahmen des Seminars ist vorgesehen, Einblicke in die Aufarbeitung von Nachlässen zu einzelnen Themen zu gewinnen.

Inhalt:
Die 60er und 70er Jahre sind von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt – und die Architektur liefert ihr Spiegelbild in besonderem Maß. Die Ernte der Wirtschaftswunderzeit der Nachkriegsjahre war eingefahren, während zugleich gesellschaftliche Rollenbilder und ökonomische Strukturen in Frage gestellt wurden. Die Hippiebewegung, die Kulturszene, die Anti-Kriegsdemonstrationen und Klima-Aktivisten prägten die Zeit ebenso wie die Ölkrise und die zunehmende Globalisierung und Liberalisierung des Marktes. Der Glaube an die Gestaltungskraft der Gegenwart war dennoch stärker als die Verheißung „Fortschritt“ nur unheilvoll klang.
Die Architektenschaft stand vor der Herausforderung, den Zeitgeist zu übersetzen und Kontinuitäten zu brechen – das Formenvokabular dafür war expressiv und setzte dafür fast fetischgleich Beton und konstruktive Mittel demonstrativ ein. Begriffe wie Brutalismus und Strukturalismus wurden für die Architekturen dieser Zeit geprägt.
Zugleich waren die Altstädte mit dem Erneuerungswillen überfordert und der immer wiederkehrende Slogan „zurück zur Stadt“ bedeutete weniger Erhalt von Baubestand als Sanierung im Sinne von Schaffung neuer Bauflächen und Abriss.
Die Bauten der 60er- und 70er-Jahre prägen Innsbruck bis heute und sind herausragende Ergebnisse einer Bauentwicklung und mahnende Zeugen einer unreflektierten Stadtentwicklung zugleich.
Die Analyse einzelner Bauten im überregionalen Zeit- und Baukontext sind Ziel des Seminars. Im Fokus stehen Architekturen von Architekten wie Josef Lackner, Gustav Peichl, Franz Kotek, Günther Norer, Margarethe Heubacher-Sentobe, Horst Parson, Ekkehard Hörmann, Heinz Mathoi Streli u.a.. Die Erfassung und ein Mapping der Bauten im Umkreis Tirols ist Teil des Seminars.

Methoden:
Literatur- und Quellenrecherche: An Einzelbeispielen werden verschiedene Bauten untersucht. Dazu zählt die wissenschaftliche Erarbeitung des Baukontextes ebenso wie die architektonische Analyse. In Teilen stützt sich die Untersuchung u.a. auf originale Planmaterialeien etc. im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte.
Unmittelbarer Austausch und direkte Begegnung: Exkursionen zu den Bauten sowie Gespräche mit ArchitektInnen dienen der Erweiterung der Perspektiven.
Diskussion und Stellungnahme: Diskurs und kritische Auseinandersetzung


Prüfungsmodus:
Anforderungen: Regelmäßige Teilnahme (80% der Lehrveranstaltung), verbindliche Übernahme eines Referats, Verfassen einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit, Beteiligung an der Diskussion und pünktliches Erscheinen sowie kontinuierliche und aktive Mitarbeit. Vorbesprechungen von Referat und Hausarbeit sind obligatorisch. 
Literatur wird im Rahmen des Seminars bekannt gegeben.

Für mehr Info und zur Anmeldung bitte hier klicken.

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