Studien zur Tiroler Architektenschaft im Nationalsozialismus 1938–1945

Mag. phil. Stefan Handle 

Während die Geschichte des Nationalsozialismus in Tirol in vielen Bereichen detailliert aufgearbeitet ist, stellen das Planen und Bauen dieser Epoche sowie die personellen Verflechtungen der Akteure noch immer eine signifikante Forschungslücke dar. Das Projekt setzt hier an, indem es die Biografien, Karrieren und das Werk maßgeblicher Architekten untersucht, die das Tiroler Bauwesen zwischen 1938 und 1945 geprägt haben. Im Zentrum stehen dabei Fallstudien zu fünf zentralen Protagonisten der regionalen Architekturlandschaft – Franz Baumann, Wilhelm Stigler, Hans Feßler, Alfred Matuella und Jakob Schillfahrt –, ergänzt durch einen Exkurs zu dem im „Altreich“ agierenden Architekten Lois Welzenbacher. Das Ziel ist es, individuelle Handlungsspielräume sowie opportunistische Anpassungsmuster offenzulegen und die informellen Seilschaften sowie privilegierten Auftragsvergaben über Mitgliedschaften in der NSDAP und ihren Gliederungen sichtbar zu machen.

Mitgliedsausweis der Reichskammer der bildenden Künste für Hans Feßler. Original im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte

Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung gilt der Zeit nach 1945. Das Projekt zeichnet die oft bruchlosen Karrieren der Nachkriegszeit nach und analysiert die Entlastungsstrategien sowie tradierten Opfernarrative, die zur (Re-)Konstruktion der eigenen Vergangenheit genutzt wurden. Methodisch basiert dieses Vorhaben auf einer umfassenden Quellenbasis: Ausgewertet werden neben privaten Nachlässen im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte der Universität Innsbruck unter anderem neu erschlossene Bestände der Landespolizeidirektion Tirol im Tiroler Landesarchiv sowie behördliche Registrierungsakten zur Entnazifizierung im Stadtarchiv Innsbruck. Durch den direkten Abgleich von Selbstzeugnissen mit historischen Fakten werden die individuellen Rechtfertigungs- und Verschweigungsstrategien der Architekten kritisch dekonstruiert.

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