Serielle Holzhäuser der Moderne am Beispiel Holzbau Schneider in Lindau
Masterarbeit von David Rübekeil
Betreuer: Priv.-Doz. Dr. Christoph Hölz
Der industrielle Holzbau des frühen 20. Jahrhunderts erlebte unter anderem durch Pioniere wie Konrad Wachsmann und die Deutschen Werkstätten in Hellerau eine maßgebliche Innovationsphase, die besonders nach Ende des Ersten Weltkriegs in einer Hochkonjunktur mündete, da Holz als Baustoff von den allgemeinen Materialengpässen weitgehend unberührt blieb. Während Werke dieser prominenten Akteure die Architekturgeschichte nachhaltig prägten, blieben regionale und lokale Entwicklungen oft unbeachtet. Diese Arbeit soll die historische und architektonische Bedeutung des seriellen Holzbaus am Bodensee am Beispiel der Firma Holzbau Schneider aus Lindau untersuchen.
Den Ausgangspunkt dieser Untersuchung soll eine umfassende Kontextualisierung der Region - der sogenannten „Bayerischen Riviera“ und des Lindauer Umlandes bilden. Dabei soll das typologische Spannungsfeld aus den massiven Villen der Gründerzeit und dem traditionellen Holzbau der Region, in welchem sich die Firma bewegte, aufgezeigt und der Spagat zwischen regionalem Heimatstil und den rationalen Ansätzen des Neuen Bauens, den das Unternehmen meisterte, dargestellt werden.
Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse der Firmengeschichte und der Transformation von einem 1801 als Zimmerei gegründeten Familienbetrieb zur forcierten Industrialisierung als Rüstungsbetrieb in der NS-Zeit und den darauffolgenden Reparationslieferungen der Nachkriegszeit. Durch die systematische Aufarbeitung von Nachlässen, historischen Quellen und Archivalien soll dieser komplexe Verlauf nachgezeichnet werden.
Zudem soll ein Vergleich mit großen überregionalen Akteuren wie der Christoph & Unmack AG aus Niesky in der Oberlausitz erfolgen, um die baukünstlerische und technologische Relevanz der Firma Schneider zu evaluieren.
Der dritte Teil der Arbeit widmet sich der Bauforschung und dem Bestand. Im Rahmen einer Feldarbeit soll zunächst eine präzise Kartierung und Verortung der noch existierenden „Schneider-Häuser“ stattfinden, um so das bestehende Gebäudeinventar in Lindau und Umgebung zu erfassen. Diese städtebauliche und topografische Erfassung wird durch eine detaillierte Bauaufnahme eines Fallbeispiels vertieft, um so die Räumlichkeit, die tektonische Struktur und den Erhaltungszustand greifbar zu machen.
Den Abschluss und das übergeordnete Ziel der Arbeit bildet die architektonische Synthese. Ein zentraler Baustein dabei ist die systematische Katalogisierung und zeichnerische Rekonstruktion des „System Schneider“, welche die Typenvielfalt darstellen und die zugrundeliegende Konstruktions- und Fügungslogik abstrahieren soll. Darauf aufbauend werden denkmalpflegerische Ansätze formuliert. Durch eine differenzierte Bewertung der historischen Bausubstanz werden konkrete Strategien für den zukunftsfähigen Erhalt abgeleitet. Die Arbeit leistet somit nicht nur einen Beitrag zur lokalen Architekturgeschichte sondern soll gleichzeitig aufzeigen, wie diese frühen Vertreter des seriellen Holzbaus als baukulturelles Erbe weitergeführt werden können.


